Der verirrte Eiskristall

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    • Der verirrte Eiskristall

      Eine kleine Geschichte zum Beginn des Winters, denn heute hat es bei mir den ersten Schnee gegeben.





      Der verirrte Eiskristall


      Es ist mitten in der Nacht als ein hilflos klingendes Jammern in dem Dunkel ertönt. Es hat Neuschnee gegeben. Nur die Dorle streunt herum. Dorle ist eine junge Katze, die kein Zuhause hat. Ihre Ohren, die eben noch mutlos herunter hingen, stehen bei dem ungewohnten Geräusch strack.

      "Wo kommt das nur her?"

      Sie schaut sich um, kann aber nichts entdecken. So kämpft sie sich weiter durch den zentimeterhohen Schnee, auf der Suche nach einem warmen Plätzchen.

      Sie war einmal bei einer jungen Familie mit drei Kindern zu Hause. Heißahussa, heißassa war das dort lustig. Es ging recht turbulent zu, die Kinder hatte allerlei Blödsinn im Kopf. Doch eines Tages wurden alle sehr traurig. Der Vater hatte seine Arbeit verloren. Nach einigen Wochen jedoch kam das Aufatmen. Der Mann hatte eine neue Anstellung in einer Fabrik gefunden. Doch sie mussten in eine andere Stadt umziehen. Weit weg von hier, und die kleine Katze durfte nicht mit in die neue Wohnung.

      Schweren Herzens sollte sie ins Tierheim gebracht werden. Dorle hörte die Unterhaltung zwischen den Eltern und ist ausgebüchst.

      Mittlerweile kennt sie sich in der neuen Umgebung gut aus. Gleich um die Ecke, ist die Firma wo der Familienvater einmal gearbeitet hat. Es gibt direkt daneben einen alten Bretterschuppen. Die Tür steht immer einen Spalt auf. Dort wärmt sie sich auf und übernachtet auf alten Lumpen.

      In dieser sternenklaren Nacht ist Vollmond. Und immer noch, mit dem Seufzen im Ohr, kommt die kleine Katze endlich in ihrem neuen Zuhause an. Sie zittert am ganzen Körper, es ist bitterlich kalt. Das bunte Fell ist nass und sie hofft, dass sie keinen Schnupfen bekommt. Doch die Menschen sagen ja, dass Katzen mit buntem Fell Glückskatzen sind. Stimmt, Glück hat sie mit ihrem neuen Unterschlupf, und eine Erkältung wird sie sicher auch nicht bekommen. Sie schüttelt den Schnee von Bauch und Pfoten ab und legt sich auf ihr weiches Nachtlager.

      Am nächsten Morgen wacht Dorle wie gerädert auf. Das Geräusch vom Abend ging ihr immer wieder durch den Sinn. "Was war das nur?"

      Sie verdrängt den Gedanken daran und macht sich auf Futtersuche. Der tiefe Frost hat den neuen Schnee gefrieren lassen und mit jedem Schritt ist ein leichtes Knirschen zu hören."Scheiß Wetter, wäre der Winter doch bald vorüber." ärgert sich das junge Katzenmädchen. Hätte sie Gesellschaft, könnte es ja ganz lustig sein, aber so, so ganz allein. Ein paar kleine Tränen rinnen über ihr feines Katzengesicht und bleiben als Minieiskugeln in ihren Schnurrhaaren hängen.

      Da hört sie Kinderlachen. "Ach, da hinten ist ja schon die Schule." Einige Schüler machen eine Schneeballschlacht und seifen sich mit dem Schnee ordentlich ein. Andere rollen riesige Kugeln, um einen Schneemann zu bauen.
      Es macht Spaß, den Kindern zuzusehen. Da kommt ein Schneeball auf Dorle zugerollt und sie hört dasselbe Jammern wie am Abend zuvor. "Komisch, was ist das nur, und jetzt so nah!" Aber die Katze kann kein Kind entdecken. Alle Schüler sind zum Unterricht rein gegangen. Sie schüttelt verständnislos mit dem Kopf und spielt ein wenig mit dem Schneeball.

      Da hockelt die Kugel gegen eine Mauer und bricht auseinander.

      Und was sie da hörte, ließ Dorle an ihrem Verstand zweifeln. Aus dem klagenden Jammern wurde ein lautes "Juchuuuuuuhh"!!!

      Die kleine Dorle flitzt zu der Mauer und schaut nach. Da steht tatsächlich ein kleines Wesen, was sie noch nie gesehen hat. Erstaunt fragt sie: "Wer bist du denn?" "Ihhich??"kommt noch fragender zurück. "Ja, du! Ich bin eine Katze und heiße Dorle." "Ich bin ein Eiskristall und heiße Friedolin." antwortet er ein wenig mürrisch.
      Friedolin ist noch ein wenig k.o. vom hin und her fliegen in der Schneeballschlacht. Als er den erstaunten Blick von Dorle sieht erklärt er noch schnell: "Ich habe mich verlaufen und dann haben die Kinder mich in einer Schneekugel eingesperrt."
      "Ach sooo, wie furchtbar. Wo wolltest du denn hin?" fragt Dorle verständnisvoll.

      "Ich bin von zu Hause weggelaufen, weil ich ins Tierheim sollte." seufzt Dorle dem kleinen Friedolin zu. Dieser kommt mit seinen kleinen gezackten Beinchen schnell zu Dorle und schmiegt sich tröstend an sie. Nach nur einem kleinen Moment schreit er auf und zuckt von der Katze zurück.
      Dorle schaut ihn erschrocken an: "Was ist los?" "Schau mal, was ist das denn?" Friedolin guckt entsetzt an sich herunter. Dorle blickt auf den Boden und sieht ein wenig Wasser und erklärt: "Ach herrjee, Friedolin!! Du schmilzt, ich bin zu warm. Komm schnell und leg dich in den Schnee." ruft sie ihm zu. Gesagt - getan. Eine Weile wälzt sich der kleine Eiskristall im Schnee und alles ist gut.

      Die Arme sind wieder schön gezackt, ebenso die kurzen Beine und der Kopf sieht aus wie ein Minikranz aus Eiszapfen. Friedolin ist wieder ein wunderschöner Kristall.
      Beide atmen auf. Das ist noch einmal gut gegangen!

      "Wo willst du denn hin?" fragt Dorle. "Ich will zum Christindlesmarkt nach Nürnberg, wo das Christkind heute den Weihnachtsmarkt eröffnet und das Christkind ist doch immer so schööön". schluchzt Friedolin. "Ach, nach Nürnberg, das ist gar kein Problem. Wir sind hier doch am Stadtrand von Nürnberg. Zur Markteröffnung haben wir noch genug Zeit, um hinzukommen. Es ist gar nicht weit von hier, das schaffen wir rechtzeitig." tröstet Dorle den kleinen Eiskristall.
      "Wirklich? Dort will ich mich mit ein paar Freunden treffen." erklärt Friedolin und ist erleichtert, dass er rechtzeitig zum Christkind kommt.

      "Komm wir gehen schon mal los. Ich muss mir noch was zu essen besorgen. Auf dem Weg zum Markt kommen wir an einer Metzgerei vorbei. Die stellen die Abfälle immer nach draußen. Da kann ich mich stärken." sagt die hungrige Katze bestimmend.

      Auf dem Weg erklärt Friedolin ihr, wie er zu einem Eiskristall wurde. Und schon sind sie bei der Metzgerei und die kleine Glückskatze kann sich den Bauch ordentlich vollschlagen. "Aahh, das war lecker. Wir gehen auch sofort weiter. Es sind nur noch zwei Straßen bis zum Christkindlesmarkt. Dann kannst du in Ruhe schauen wo deine Freunde sind." schlägt Dorle vor.

      Endlich ist das seltsame Gespann am Marktplatz angekommen. Viele Menschen stehen schon dort und warten geduldig auf das Erscheinen des Christkindes.

      "Da, da hinten sind sie." ruft der kleine Eiskristall aufgeregt der Katze zu. Dorle schaut in die Richtung, wo Friedolin mit seinem wundervoll gezackten Arm hin zeigt. Hoch oben auf der Stromleitung sitzen seine Freunde und lassen ihre Beinchen baumeln. Sie haben allerbesten Blick auf den Balkon der Frauenkirche, wo nachher das Christkind den Weihnachtsmarkt eröffnen wird.
      "Wie komme ich da hoch?" fragt Friedolin fast weinend. Tja, auch Dorle ist ratlos.
      Als ob es der kalte Ostwind es gehört hätte, frischt er ein wenig auf und trägt den federleichten Friedolin zu seinen Freunden hoch. Jauchzend vor Freude winkt er Dorle zum Abschied zu und achtet genau auf den Moment, in dem er sich an der Stromleitung festklammern muss.
      Geschafft!!

      Gerade noch rechtzeitig, als das Christkind die Empore betritt und nach frenetischem Applaus mit ihrer berühmten Ansprache beginnt:"Ihr Herren und Frau'n, die ihr einst Kinder wart ..." den Weihnachtsmarkt eröffnet.

      Voller Ergriffenheit rücken die Eiskristallfreunde eng zusammen und bilden gemeinsam den schönsten Eiszapfen, den Dorle je gesehen hat. Auch Dorle kannte die Eröffnung des Christkindlesmarktes noch nicht und ist begeistert um den Geist der Weihnacht, der deutlich zu spüren ist.
      "Wie schön, dass ich Fridolin gefunden habe und ich dieses wundervolle Erlebnis mit ihm teilen konnte. Nächstes Jahr komme ich wieder her, um mir die Eröffnung des Chriskindlesmarktes anzuschauen. Und vielleicht treffe ich Fridolin wieder." sinniert die kleine bunte Katze, die bisher wirklich viel Glück hatte.


      © Sternwanderer
      Vieles ist nicht erklärbar, also glaube ich an Magie!
      @Sternwanderer
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