Zu Grunde gehn

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    • Zu Grunde gehn

      Wenn ich so wollte
      wie ich könnte

      zauberte ich einen Brunnen,
      auf dessen Grund ein Wort wohnt
      oder zwei.
      Viele gar? Güldene?

      In einem hölzernen Trog
      könnte ich
      ein Gedicht bergen

      und es im Altweibersommer
      auf die Burgmauer legen.

      Als die Schwalben
      in den Süden zogen,
      blieb eine Kette aus Bernstein zurück.
      Vielleicht muss mensch zu Grunde gehen um aus dem Vollen zu schöpfen
      (Eulenflügel)
    • Hallo Eulenflügel,
      ich finde den Text gar nicht so leidvoll, wie es der Titel suggeriert, denn die Bilder gehen dem Wort/den Worten ja auf den Grund bzw.spüren seiner/ihrer Aussage nach. Vielleicht wolltest Du das ja auch mit dem Titel aussagen. Vorschlag: "Auf (den) Grund gehen."
      Konstruktiv würde ich die "Bernsteinkette" weglassen, denn sie öffnet am Schluss eine neue Bildebene, vielleicht etwas was besser zur ländlichen Umgebung passt, wie z. Bergkristall etc.
      Gern hineingespürt und reflektiert!
      LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • Hallo Eulenflügel,

      oft braucht es gar nicht güldene Worte, manchmal ist das "Einfache" genauso aussagekräftig;

      Ich denke auch das "auf den Grund gehen" "die Lösung finden" eine Intention für diese Zeilen war.

      Mir gefällt vor allem der Abschnitt mit dem Altweibersommer..

      Gerne gelesen, mit freundlichen Grüßen, Behutsalem
      ©Behutsalem
      Ohne Poesie wäre das Leben ein Irrtum!
    • Hallo Perry und Behutsalem
      und Danke für Euer Beinandersitzen mit meinem Gedicht.
      Auch denen, die ein "like" gegeben haben, danke ich.

      @ Perry : Das "Zu Grunde gehn" ist durchaus bewusst doppeldeutig gewählt. Vielleicht ist ja auch das negativ besetzte "Zugrunde gehen", also kaputt gehen oder sterben, nur ein nach unten gehen. Ganz zu Boden sinken. Sterben. Von uns negativ besetzt und im Großen und Ganzen nicht weiter schlimmt.

      Da dieses Gedicht sehr verschlüsselt und auf mehreren Ebenen unterwegs ist, möchte ich die Bernsteinkette doch belassen (Ich trage sie gerade um den Hals und sie rührt mich zu Tränen. Mehr kann ich zur Aufklärung nicht sagen - es ist mir zu persönlich).
      Vllt. können die Bernsteine doch an das "gülden" im ersten Teil des Gedichtes "andocken" - sind sie doch auch golden oder strahlegelb.

      Nachdem ich mich schon jahrelang mit "meinem" Zu Grunde gehn getragen habe, fand ich ein Gedicht von Ingeborg Bachmann, in dem sie auch mit dieser doppelten Bedeutung spielt - hier :

      deutschelyrik.de/boehmen-liegt-am-meer.html

      @ Behutsalem - ja, es müssen nicht immer die güldenen sein, genau.
      Und ja, auch ich mag den Altweibersommer richtig gerne :) .

      Beste Grüße
      aus dem Schwarzmondtag

      Eulenflügel
      Vielleicht muss mensch zu Grunde gehen um aus dem Vollen zu schöpfen
      (Eulenflügel)
    • Hallo Eulenflügel,

      da der Interpretationsrahmen hier recht weit ist, teile ich dir einfach mal meine Gedanken mit.
      Zu Grunde gehen - zum Grund zurück kehren, die Bedeutung erfassen.
      Mir scheint hier eine Erinnerung "Zu Grunde" zu liegen, und die Worte sind Stücke davon, wohnen am Grund des Brunnens, verkörpern das LI als Ganzes. Das LI könnte Stücke seines Selbst bergen, ein Gedicht, eine Erinnerung - könnte. "Wenn ich wollte, wie ich könnte" aber etwas widerstrebt dem LI, hindert es daran, genau das zu tun.
      Die Schwalben, die in den Süden zogen, könnten für einen Verlust stehen, vielleicht ist es dieser, dem das LI nicht ganz begegnen will.
      Die Bernsteinkette symbolisiert (als Andenken) das Verlorene.

      Das sind wie gesagt nur meine Gedanken dazu, muss mit deiner Intention nichts zu tun haben ;)
      Sprachlich einfach und schlicht, aber sehr ausdrucksstark.
      In jedem Fall verknüpfen die erzeugten Bilder Gedanken und spielen mit Möglichkeiten, und lassen den Leser mit eigenen Gedanken und Fragen zurück. Da ich auch "rätselhafte" Gedichte sehr gerne mag, passt das.

      Gerne gelesen und mit zu Grunde gegangen..
      LG Lichtsammlerin
      Überleben allein ist unzureichend
    • Hallo Eulenflügel,


      ein äußerst philosophischer Text, der mir durch und durch gefällt. Ich muss sagen: einen passenderen Titel gibt es nicht.

      Es gibt soviel auf dessen Grund man gehen kann, um dabei nicht zu Grunde zu gehen – mit Worten die einfach zu verstehen sind.

      Alle Strophen bergen soviel Inhalt in sich -

      Und die letzte finde ich besonders schön:

      Die Schwalben ziehen fort, nehmen Vieles mit auf die Reise und lassen nur eine kleine Kette aus Harz zurück, Glied für Glied aufgefädelte Hoffnung – Lebensfreude – Optimismus und vieles mehr.




      LG Sternwanderer
      Die Realität nehme ich an wie sie ist, in meinen Träumen erblühe ich.
      © Sternwanderer
    • Hallo Eulenflügel,

      ein sehr schönes Gedicht! Ich interpretiere es so: die Tiefe des Brunnens, in der unendlich viele Worte liegen, ist die Quelle von allem.
      In dem Moment, wo das LI ein Gedicht für sich herausholt, schöpft es aus dem Vollen der Quelle und schafft sich seine eigene Sehnsucht, die mit den Schwalben in die Ferne getragen wird. Als Erinnerung an die Sehnsucht bleibt die Bernsteinkette zurück.

      Sehr gern gelesen.

      Ganz herzliche Grüße

      Kirsten
    • Hallo Eulenflügel.

      sehr interessant, dein Gedicht. Der Brunnen ist ein Symbol für die schöpferisch kreative Seite des Unbewussten, da liegt der Ursprung von aller Kunst und Literatur (nach C.G. Jung, mal kurz zusammengefasst) vergleiche auch das I Ging, das Buch der Wandlungen das Zeichen "der Brunnen), deutsche Übersetzung von Richard Wilhelm

      LG zoe
    • Danke für Eure Wertschätzung Laleila, Kirsten und zoe,

      Laleila, soviel Lob kann ich schlecht annehmen, und ich übe :) . Schön, dass Dir meine Zeilen so sehr zusagen.
      Kirsten ich danke Dir für Deine Interpretation, die nochmal ein wenig anders auf die Szene schaut, als ich meinte. Und das tickt eine neue Idee an.
      zoe ich danke Dir für Deinen Hinweis auf das I Ging. Ich werde mir das Zeichen "Der Brunnen" mal heraussuchen und nachlesen, ob es mir etwas zu sagen weiß. Ja, der Brunnen schöpft tief....

      liebe Grüße

      Eulenflügel
      Vielleicht muss mensch zu Grunde gehen um aus dem Vollen zu schöpfen
      (Eulenflügel)
    • Oh -- ich sehe gerade, dass ich Euch beiden vergessen habe, Sternwanderer und Lichtsammlerin. Sorry, ich bin soviel Reaktion auf meine Gedichte nicht gewohnt zum Einen und zum Andren sehr durcheinander zur Zeit.

      Lichtsammlerin Dankeschön für Deine Gedanken. Ja, das LI ringt gerade um "Bedeutung" - das hast du richtig erfasst. Und auch, dass es etwas eigentlich nicht begegnen will.

      Sternwanderer, Danke auch Dir.
      Ja, der Titel ist schön. Ich freue mich auch, dass ich ihn ganz unten fand ;) und dass er Dir so zusagt.
      Danke nochmal für Deinen Hinweis auf die Leichtigkeit der Kette (Harz) . Bernstein ist ja kein Stein und insofern auch nicht schwer. Güldene Kettenglieder und jedes eine Hoffung , und jedes eine Träne .

      *seufz* - es ist sehr erhellend, wenn Viele ein Gedicht anschauen.

      liebe Grüße in Eure Tage

      Eulenflügel
      Vielleicht muss mensch zu Grunde gehen um aus dem Vollen zu schöpfen
      (Eulenflügel)
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