Des Menschen Leben

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    • Des Menschen Leben


      Des Menschen Leben

      Wie sich das stumme Drehn der Erde
      dem Sinn in uns so tief verschließt,
      ist auch unsre Lebensfluss-Gebärde,
      die fern und sicher durch das Weltall fließt.

      Was wagt uns denn so formvollendet
      und stellt uns anders vor das Leben? -
      Anders als das Tier, das in sich wendet
      Natur, den Himmel, in seinem Streben.

      Ganz einsam, ohne bergend Schutz und Land
      stehn wir, angerührt von soviel Schwere;
      wohl gelegt, über einen Weltenrand,
      wo Sterne, Welt (alles) in uns wäre.



      ***
      Sieh, das Blau in großer Höhe - alles scheint so schrecklich fern: Sag dir leis: Ich kann, ich sehe! - Freund, dann erreichst du jeden Stern.
    • Hallo Holger,
      das liest sich, zumindest beim ersten Überfliegen, wie eine Elegie (ein Klagelied) über die Rolle des Menschen im Universum.
      Bei näherer Betrachtung treten aber schnell Verständnisprobleme auf:
      - Was ist eine Lebensfluss-Gebärde?
      - Was bedeutet: ... das Tier, das in sich wendet?
      - Wohl gelegt, über einen Weltenrand (welchen?)
      Vielleicht hilfst Du mir etwas auf die Sprünge, denn der Text hat ansich eine gut spürbare Aura.
      LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • Okay Perry:

      - "Das Drehn der Erde "verschließt sich uns" - genau so verhält es sich mit der "Gebärde" unseres Lebensflusses, die - wie die Determinismen des Weltalls - Zeit und Raum unterworfen ist: Wir verspüren sie einfach nicht, wie wir auch das Drehen der Erde nicht verspüren; das Geheimnis unsers Daseins verhüllt sich weit hinter den Gesetzmäßigkeiten von Physik (die Quantenphysik spielt dabei aber eine gesonderte Rolle). - Der Physiker Kurt Gödel hat einmal mathematisch bewiesen, dass man ein System nicht erklären kann, wenn man Bestandteil dieses Systems ist. - Genau deshalb scheiterte übrigends Steven Hawkins an der Erstellung einer Weltformel.

      - ...das Tier, das in sich wendet: vielleicht hilft Dir zum besseren Verständnis die Lektüre der achten Duineser Elegie von Rainer Maria Rilke: das Tier
      ist eins mit der Harmonie aller Natur (es wendet in vollendeter Hamonie das Dasein in sich selbst), während wir, die Menschen, aus der Fähigkeit die Welt venunftbegabt zu analysiern, quasi aus dieser Harmonie herausgefallen sind. Wir sind dem Paradies entstiegen. Wir sind also:

      - "Wohl gelegt, über einen Weltenrand." - Welchen ?: Eben der Vernunftbegabung, die uns zum einen vereinsamt und zum andern alle Chancen in sich birgt, über uns hinauszuwachsen, wo dann, (wie beim Tier) Welt (alles) in uns wäre, jedoch aus einer höheren Erkenntnis heraus: Somit bleibt uns die Möglichkeit, das Paradies - quasi durch einen Hintereingang - wieder zu betreten. - Das und nicht weniger ist unsere Aufgabe im Leben. - Dabei helfen uns die Dichter, wie auch Meditation und die Philosophen.

      Ich hoffe, dass ich Dir dein wenig weiterhelfen konnte, Perry.

      Holger
      Sieh, das Blau in großer Höhe - alles scheint so schrecklich fern: Sag dir leis: Ich kann, ich sehe! - Freund, dann erreichst du jeden Stern.
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