Heinz Rudolf Kunze zum 60. Geburtstag

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    • Heinz Rudolf Kunze zum 60. Geburtstag

      Vorbemerkung: Mein spezieller Lieblingsschreiber Heinz Rudolf Kunze wurde Im November 2016 60 Jahre alt. Das war für mich Anlass für den folgenden kleinen Prosatext, der nur ein Ziel hatte: Möglichst viele Anspielungen auf Titel und Zeilen von Kunze-Songs in sich unterzubringen. Nur das allerletzte Wort ist von mir und kein Zitat (hoffe und glaube ich).

      Aus meinem Tagebuch
      (Kleiner spielerischer Gruß)

      Will man – entgegen besseren Wissens – dem Sänger doch glauben, so umwabert mich ein Hauch von Leichenstarre, denn ich bin bei der Post (kein Scherz). Dabei habe ich niemals zu atmen vergessen, warum sollte ich also tot sein? Seltsam: auch in der Leichenhalle macht man Musik.
      Ich hatte einen Albtraum: Jesus Tomahawk tanzte einen Kriegstanz um einen Scheiterhaufen aus brennenden Händen. Von Peitschen vorangetrieben folgten ihm die verängstigten Teitschen im Gänsemarsch. Im Hintergrund zupfte Goethe auf seinem Banjo den Soundtrack. Der alte Herr klang schauderhaft. Bei dem Tohuwabohu war das aber wahrscheinlich kein Wunder.
      Kinder war ich froh, als ich aufwachte! Ich stand auf, ging pissen und sah mich schaudernd im Spiegel: Zahnbelag. Der Tag war gelaufen, mein Stirnenfuß rieb sich Blasen. Nach dem Balkonfrühstück wollte ich mich nochmal auf Lola werfen, aber der wollte sich die Brust rasieren.
      Was also tun, Chef? Menschen schlachten? Ach nee - aber was wär mir lieber? Erstmal die Brille suchen, dann sehen wir weiter. Den Fernseher an. Irgendwo muss doch gute Unterhaltung zu finden sein. Stattdessen nur Akrobaten und Clowns mit grässlichem Lachen. Einer schreit ständig „Feuer“ und tatsächlich: zum Schluss der Vorstellung lauter Schaum auf dem Sand der Arena. Und auf meiner Uhr. Beim Zähneputzen gesabbert….
      Auf dem Weg zur Arbeit denke ich an Philip und Mabel. Die sind jetzt auch schon lange weggezogen und wir sind uns verloren gegangen. Erst fand er sie für mich in Feuerland, dann hat er sie mir ausgespannt. So merkt man, was wirklich zählt: Ich vermisse sie. Und ihn, unseren ständigen stillen Gast, auch. Tja, Abschied muss man üben.
      In der Arbeit nichts Neues. Ich entziehe mich der Belagerung durch die Händler. Als ich aufbreche brennt nur in der Lobby noch Licht. Ich gehe den Bach runter bis zum Meer.
      Abends am Hafen. Diesen Winter blieb er eisfrei -Klimawandel? Ich betrachte orange-violette Wolken, denke an Madagaskar und träume von meiner Tausendschön. Ein Blick, ein Kuss mit Leib und Seele und es wurde größer als wir beide. Damals glaubte ich, sie säße am längeren Hebel und ich gab ihr alles, was sie wollte. Sie glaubte umgekehrt dasselbe von mir, bis uns eines Tages auffiel: alles gelogen. Sie ging aus dem Haus wie tollwütig, mit Schaum vor dem Mund.
      Ich lausche und bin einfach nur vorhanden. Nur ein Abend vor vielen Morgen danach. Die Wellen klingen wie schlafende Hunde. Nirgends ein Flüchtlingsboot in Sicht. Aber überall sonst im Lande: Ghettodämmerung.
      © Rüdiger Jess

      Verwendung der Texte nur nach schriftlicher Zustimmung des Rechteinhabers


      In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders! 8)
    • Hallo Ruedi,
      vielen Dank, dass du soviele wunderbare Textpassagen von Kunzes Lieder zusammengetragen hast.
      Seine Songs waren mir immer liebe Wegbegleiter, weil er so einmalig Gefühle in Lieder/Worte fassen konnte und hoffentlich noch lange kann.
      Ich schließe mich deiner Geburtstagshymne an ihn sehr gerne an.
      LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • Hallo Ruedi

      Heinz Rudolf Kunze war mir jetzt nur vom Hörensagen ein Begriff, weil der Freund meiner Mutter, oder diese selbst, ihn wohl mal irgendwann erwähnt haben.
      Deswegen bleiben mir viele der Dinge verborgen die Du, laut Perry, zusammengetragen hast. Nur bei Mabel klingelte irgendwo etwas und auf der Suche habe ich dann zumindest das Lied gefunden.
      Das gefällt mir wirklich gut, ein schöner Song. Interessant auf was ich hier immer so stoße.

      She is the gold at the end of the rainbow
    • Hallo Sushan,

      hier mal ein paar eingängige Anspieltipps aus alter und neuerer Zeit:

      Dein ist mein ganzes Herz (der grösste Hit)
      Was heut' mit uns geschah
      Mit Leib und Seele
      Brille
      Draufgänger
      Hunderttausend Rosen
      Hallo Himmel
      Das Elixier (weil's so schön ist)

      Wie gesagt, das sind sehr eingängige Sachen. Er kann sowohl textlich als auch musikalisch noch ganz anders.

      LG

      Ruedi
    • Heinz Rudolf Kunze.. mein Lieblingssänger;
      Total tiefgehend.. meines Erachtens ein Genie.

      Mein Liebelingslieder .. Ich brauch dich jetzt...
      Ich habs versucht..

      Das ist Musik..

      Hab deinen Text mit Interesse gelesen und habe mich sehr gefreut, dass ich zufällig darauf gestoßen bin;
      DANKE!!!

      mfg. Behutsalem
      ©Behutsalem
      Ohne Poesie wäre das Leben ein Irrtum!
    • Ich kenne wenig von ihm. Was ich kenne, klang in deinem Text aber mit. Jetzt könnte ich mir mehr von ihm anhören und es als Puzzle betrachten, die Lücken zu schließen. Mit den Liedern/Tönen, bekäme jeder Satz einen eigenen emotionalen drive. Das würde deiner Doppelkomposition gerecht werden. Toll!

      Schöne Grüße:)
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