Die endgültige Fassung Das Varieté Teil 7

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    • Die endgültige Fassung Das Varieté Teil 7

      Inzwischen sind Jahre vergangen und noch immer sucht die Puppe nach Gefühlen, nach einem Ort, an dem sie tanzen kann, ohne im schlechten Sinne als andersartig bezeichnet zu werden und findet doch nur jene verlockenden Sünden vor, welche vorgeben, das Ende der Reise zu sein. Nicht jeder rastet freiwillig am Rande der von Versuchung und verquertem Idealismus zerstörten Wege, deren gerader, ebener Verlauf bereits zu Anfang eine unbeschwerte, sichere Reise erahnen lässt. Vielen gelingt es nicht, allein durch den Irrgarten an Erfüllung versprechenden, sich unendlich windenden Straßen zu finden. Auch unsere drei Freunde beschließen, als sie an einem ihrer Meinung nach rauschenden Bach, der in Wahrheit eher einem winzigen Rinnsal gleicht, angekommen sind, ihre Suche vorerst zu beenden. Doch worin besteht die Gefahr beim Stillstand? Dies der Puppe klar zu machen, ist die Aufgabe des Lammes. Das unschuldige Tier taucht plötzlich vor ihr auf und sieht in das nicht vorhandene Gesicht. „Wisst ihr, woher die Gräser kommen?“, fragt es, ohne ein Wort der Begrüßung und ohne eine Antwort zu erwarten, erzählt es allen Dreien, wie wohl das Gras entstanden sei.
      Vor einer Zeit, welche nicht genau beziffert wird, lebte ein Lamm zwischen Himmel und Erde. Es war weiß, so wie die Reinheit und der Friede. Darüber erstrahlte der Äther in sattem Blau, so wie die Sehnsucht und unter sich, am Boden, gab es nichts weiter, als tristes Braun, Elendig und Trostlos. Doch das Lamm, es war allmächtig, sodass es einen Kontrast zum Blau des Himmels schuf. Das Grün, die Farbe der Hoffnung. Es schaute herab, auf die anderen Lämmer und wusste, das es Gutes tat. Dann stieg es empor, wurde zur gelben Sonne und gab uns dadurch nicht nur Wärme. Die Schaufensterpuppe lacht, denn eine solche Geschichte kann unmöglich etwas anderes, als ein Märchen sein. Wütend darüber, dass sie dem Bericht keinen Glaube schenkt, richtet sich das Lamm auf und offenbart seine wirkliche Gestalt. Es verwandelt sich in einen Wolf.
      Der Zweifel an seinem Wort, sowie das rechthaberische Naturell lassen ihn aus der Haut fahren. Was er nicht weiß oder versteht, kann es nicht geben. Beneide den Wissenden und verspotte den Dummen, doch denk dir etwas Neues aus, wenn du der Blöde bist.
      Die Puppe kennt allerdings weder Furcht, noch Neid, lässt den fleischgewordenen Dämon hinter sich und wohin sie auch geht, die Rose folgt ihr, stets mit dem Direktor im Schlepptau. Alle drei haben den Bach schon bald vergessen und während sie ihrem jeweiligen Ziel immer näher zu kommen scheinen, wird das Wetter deutlich rauer. Wo bisher wildes Treiben herrschte, ist jetzt Stille. Der letzte Strahl der warmen Sonne ergibt sich den grauen Wolken, welche kühlen Regen bringen. Nebel dämpft die Kraft der Farben manchen Baumes, manchen Strauches. Eine wohlige Bitterkeit fesselt sozusagen das Land. Am Horizont taucht eine dunkle Silhouette auf, die immer größer und breiter wird, je näher sie kommen. Es ist ein Berg, dessen Spitze scheinbar am Rand des Himmels kratzt. Vielleicht ein unüberwindbares Hindernis, doch wenn man schon nicht hinüber kann, so kann man wenigstens hindurch. Es verwundert wohl kaum, dass sich unsere drei Freunde deshalb vor einem Tunnel wiederfinden. Bewacht wird dieser, von einem lebendigen, hölzernen Wegweiser, welcher unentwegt nur in die eine Richtung zeigt. Glücklich über den Entschluss der Puppe, seiner Weisung zu folgen, tritt er beiseite und lässt sie passieren.
      Hinter ihm kommt eine junge Frau zum Vorschein, deren einziger Gesichtsausdruck aus einem krampfhaften, verstörenden Grinsen besteht. Sie bietet sich als Führer an, denn in dunklen Tunneln besteht ja die Gefahr sich zu verlaufen. Niemand schlägt solch ein Angebot aus und so wandern die Puppe, das Röslein und der Herr Direktor durch den Berg, statt ihn zu erklimmen.
      Verrückt ist jeder, der ernsthaft glaubt, sie kämen damit durch. Der angeblich so einfache, kurze Weg, ist nichts weiter, als eine Sackgasse, eine Höhle bis zur Decke hin gefüllt mit grinsenden Leuten, die sich gegenseitig erdrücken. Die Frau erklärt, es seien die Klagen aller Menschen, vereint in Schmerz und Trauer, welche jedem törichten Wesen, dass sich den eigenen Problemen nicht stellen will, aufzeigen, wie viel größer die Not anderer ist. Immer mehr dieser Klagen tauchen auf, sodass die Höhle mittlerweile aus allen Nähten zu platzen droht.
      Flucht vor der eigenen Flucht, dem Fehlen geistiger und emotionaler Stabilität, lautet nun die Devise und es folgt der unausweichliche Aufstieg, der Ausbruch aus dem alles erdrückenden Tal. Beschwerlich und zugleich erfolgreich ist der Pfad auf den sie sich begeben, denn nach Qualen, ja Enttäuschungen auf den ersten Metern, schwindet bald des Berges Einfluss und jegliche Last fällt hinter dessen Spitze ab. Beflügelt durch das Überwinden des kräftezehrenden Weges, kommt dem Direktor der Gedanke, dass es an der Zeit für einen Antrag sei.
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