ZEICHEN FÜR DEN HIMMEL

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      Paul, Tom und Pitt hatten es faustdick hinter den Ohren. Sie waren alle Anfang zwanzig, ledig und gehörten zu drei verschiedenen Bauernhöfen im Flecken.

      So zwei-, dreimal in der Woche trafen sie sich im Dorfkrug beim alten und faltigen Wirt Lüders, zischten ein paar Bierchen und immer gleich ein Körnchen dazu. Dann heckten sie die absurdesten Pläne aus und lachten sich halb schief, wenn sie sich an die Ausführung machten.

      Was hatten sie im Suff nicht schon alles angestellt: der Lehrerin ihr kleines Autochen unter einem Misthaufen versteckt, das Schloss zur Kirchentür ausgetauscht und abgeschlossen, den Bürgermeister mit Liebesbriefen bombardiert und an der Polizeiwache ein Besenwirtschafts-Schild mit einer Saublase angebracht.

      „Wir müssten mal was richtig bedeutendes durchführen, auf das die Presse oder gar das Fernsehen anspringen,“ sinnierte Paul.

      „Ja, so einen Streich, der lange nachhallt,“ bestätigte Tom.

      „Wir sollten etwas mit Geistern, Gespenstern oder so ausbaldowern,“ schlug Pitt vor, „da könnten wir viele verarschen.“

      „Eure Getreide-Felder sind doch bald abgeerntet. Fräst doch mit dem Bulldog ein paar Kornkreise in die Erde,“ schlug jetzt der Wirt vor. „Da kam neulich eine Sendung im Fernsehen, da haben sie das in Amerika gemacht und jeder meinte, da wären Ufos gelandet.“ Lüders hatte immer ein paar schräge Vorschläge auf der Pfanne, und die wurden meist begeistert aufgenommen.

      „Wir können es bei uns am Südfeld durchziehen, das wird als erstes abgemäht,“ forderte Paul.

      „Ja, oder bei uns am Waldrand, da ist der Weizen eh schon weg,“ sagte Tom.

      „Gleich morgen früh mähe ich die Gerste am Dorfrand, da könnte man das von oben am besten sehen,“ erklärte Pitt. „Und was für Zeichen soll ich dann da reinfräsen?“

      „Jetzt streitet euch doch nicht, Jungs,“ beruhigte Lüders. „Wir bräuchten ein paar Kreise, ein paar Ixe und ein paar Pfeile. Paul fräst drei Kreise, Tom ein paar hintereinanderliegende Pfeile, die Richtung der Kreise deuten und Pitt schneidet zweimal ein großes X hinter den Pfeilen in den Boden.“

      „Super Idee,“ meinten die drei übereinstimmend. „Wir legen das alles gleich morgen früh an.“

      „So ist´s recht,“ meinte Lüders, „gebt mir telefonisch Bescheid, wenn ihr fertig seid, dann rühre ich den Rummel an. Ich kenne jemand, der bei der Annoncen-Aufnahme in der Kreiszeitung arbeitet. Lasst uns dem Himmel ein Zeichen senden.“ -

      Zwei Tage später stand der alte Hagelbauer, der Vater von unserem Paul, auf einem seiner Äcker und sah auf irgendwelche riesige Einkerbungen im Dreck. „Was soll denn dieser Krampf?“ Er verstand die Welt nicht mehr. „Wer hat Interesse, in einem abgeernteten Acker Furchen einzufräsen?“

      Plötzlich war ein lautes Surren von oben zu vernehmen. Vor dem Hagelbauern landete eine fliegende Untertasse in der Größe eines Kleinwagens. Die Tür öffnetet sich und ein silbergewandeter Typ mit riesigen Ohren und einem alten und faltigen grauen Gesicht plapperte unverständliches Zeugs vor sich hin. „Ich dich nix verstehen,“ rief der Hagelbauer entsetzt.

      Der Typ drehte seine Ohren ein paarmal im Kreis. Dann sprach er relativ deutlich die Worte: „Zeichen in Himmel gegeben, wurden gerufen, sollen abholen, Meister hier warten!“

      „Ich dich verstanden, wen du abholen, wer dein Meister sein?“

      „Mensch, der Typ heißt Lüders. Der hat hier irgendwo eine Kneipe aufgebaut.“
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