Weide im Wind

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    • Weide im Wind

      Spielball

      Gerissen, zerrissen, dazwischen gefangen. Eine Flipperkugel, immer neu abgeschossen. Abprallend, aneckend, zurück fallend.
      Und immer wirft jemand noch eine Münze nach.

      Im Angesicht des kurzlebigen, verlockendem Neu und des wunderbar mystischen, dauerhaften Alt.

      Gegensätze.
      Glitzernd und glamourös und laut und frei!
      Kniend und leise, in stiller Dankbarkeit den Kopf gesenkt!

      Westliche Werte, überbordende Freiheit, Individualismus um jeden Preis.
      Schöne Glitzerwelt aus Konsum, mit seinen immer neuen Begierden.
      Geschaffen. Im Sekundentakt.

      Schnelle Erfüllung ist dabei wichtig!
      Die nächste immer gerade kreiert und von exklusiven Bühnen aus in die Welt entlassen. Lauffeuer-gleich.
      Ausbreitend, ausufernd, ein Stakkato der kalten Begehrlichkeiten und schnellen Sinnesreize.
      Trends, Hashtags, Timelines und Monday Deals

      Dazwischen... Ich.
      Pendelnd, wankend, irgendwie treibend.
      Gegenpole. Wie eine Weide im Wind.

      Traditionen aus alten Rollen. Geheimnissvolle Schriften.
      Porös geworden im Laufe der Zeit, aber immer noch mächtig.
      Leitend und allgegenwärtig!

      Klare Rollen und ein Platz.
      Mein Platz. Scharf umrissen, zugeteilt.
      Eingenommen in Demut. Freudig erwartet, dankend erlernt.
      Adaptiert zum gefügigen "abgespult werden".

      Im Wissen des Scheiterns, ob der hohen Erwartungen.
      Bewahrend und erfüllend. Zugleich fesselnd und niederdrückend,

      Pflicht und Anstand. Respektvoll wie es geboten ist.
      Immer lächelnd.
      Schreitend im ewigen Gleichmut der Traditionen.

      Über die glühenden Kohlen der Jahrhunderte, mit aufgerichtetem Gesicht, gesenktem Blick und schmerzverzerrtem Lächeln.
      Anmutig und ohne zu zögern.
      Wie geboten, wie vorgezeichnet.
      Gewebt mit Seide und ummantelt mit dem Filz der Geschichte.

      Klagen gibt es nicht. Keine Rebellion. Ausgeschlossen
      Folgend der Führung, erdacht vor Jahrtausenden. Gültig für alle Zeiten.
      Endgültig.

      Sicherheit und Verunsicherung. Am selben Platz, zur selben Zeit
      In tiefem Dank angenommen. In Abscheu ertragen.


      Dabei aus dem Fenster blickend, wo all die Verlockungen warten.
      Die schnellen Ausschnitte, die ich so genieße und die doch nie mein sein werden.
      Nie so ganz.
      I swear that when our lips touch, I can taste the next 60 years of my life.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Sushan ()

    • Kinder brauchen Flügel und Wurzeln.

      Erziehung ist die bewaffnete Verteidigung der Erwachsenen vor dem Jung-sein-wollen ihrer Kinder.

      Vielleicht ist es auch so: "Du glaubst Du kommst in den Himmel, weil Du meinst "soooo" ehrlich zu sein. Aber Du irrst Dich, Du landest auch in der Hölle: Wie wir alle." Aber in diesem Satz, finde ich, steckt ein Missverständnis: In ihm ist das Ehrlich-sein gegenüber Dritten gemeint. Es gibt aber den weitaus größeren Aspekt der Ehrlichkeit: Den, sich selbst gegenüber ehrlich sein zu wollen und zu bleiben.

      Ein sehr schönes Werk Yue. Du lebst im Zentrum der hochdeutschen Sprache und legst sprachlich noch einen drauf - Respekt.

      Im vierten Absatz las ich 2x das Wörtchen "um."

      Gruß
      Martin
    • Martin Heide schrieb:

      Es gibt aber den weitaus größeren Aspekt der Ehrlichkeit: Den, sich selbst gegenüber ehrlich sein zu wollen und zu bleiben.


      Sicher ist die Ehrlichkeit, vor allem vor sich selbst, unerlässlich. Nur einbringen tut es einem nichts, abgesehen von der Versuchung, dass Entdeckte ausleben zu wollen. Und der Erkenntnis natürlich.
      Aber das ist westlicher Luxus, wurde gesagt.
      Denn Freiheit bedeutet Rebellion, bedeutet eine unbegrenzte Auswahl an Möglichkeiten. Und da endet dieser schöne Traum bereits wieder.
      Wir schauen nicht so sehr wohin wir gehen, sondern primär wo wir her kommen! Daraus ergibt sich der Weg.
      Wenn man dies vergisst, muss man sich zurück besinnen!
      Alles andere wäre undankbar.
      Undenkbar.

      Denn in der Regel handelt Frau sich vor allem Ärger ein.
      Dies hier sollte auch kein Klagelied sein, sondern nur eine Tatsachen Beschreibung, des Ist Zustandes. Nur des LI natürlich, denn darum geht es doch immer, nicht?



      Vielleicht mache ich einen Fortsetzungsroman draus. Es gefällt mir irgendwie.
      Schauen wir mal. Gibt ja noch viele Fenster.

      Und nun gehe ich die "um" suchen.
      I swear that when our lips touch, I can taste the next 60 years of my life.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sushan ()

    • Martin Heide schrieb:

      Ich bin ehrlich zu mir selbst

      Das LI doch auch...
      Nur sind da eben noch andere Dinge im Spiel, die sich nicht ignorieren lassen. Ich denke, wir belassen es dabei.
      Es ist müßig sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was sich nicht ändern lässt. Und da gibt es ja noch eine andere Sicht, wie es sie immer gibt, die mit diesem Umstand irgendwie zufrieden und im Reinen ist.
      I swear that when our lips touch, I can taste the next 60 years of my life.
    • Welches LI meinst Du Yue? Das Lyrische Ich hier bei den Poeten? Meine ehrliche Meinung dazu: Es ist ein Gebilde, hinter dem Mangel an Mut sich gut verstecken kann.

      Sushan schrieb:

      Wir schauen nicht so sehr wohin wir gehen, sondern primär wo wir her kommen! Daraus ergibt sich der Weg
      Nö, ich weiß zwar, wo ich her komme, aber daraus ergibt sich nicht zwangsweise mein Weg.
      Die meisten Menschen reisen heute nicht mehr, um neues zu entdecken, sondern um Altes zu vergessen und irgendwann bemerken sie dann,
      dass das gar nicht geht. Spätestens dann, wenn sie wieder am Bürotisch/amArbeitsplatz sein müssen. Andernfalls: Sozialer Abstieg oder die ständige Angst davor.

      Gruß
      Martin
    • Martin Heide schrieb:

      hinter dem Mangel an Mut sich gut verstecken kann.

      Angst vor der eigenen Courage vielleicht.
      Ist doch ganz schön, sich hinter etwas verstecken zu können. Wahrscheinlich vor sich selbst viel mehr, als vor den anderen.


      Martin Heide schrieb:

      Andernfalls: Sozialer Abstieg oder die ständige Angst davor.

      Da hat die Gesellschaft ganze Arbeit geleistet. Kontrolle durch Selbstkontrolle.. des freien westlichen Menschen!
      Wenn ich so drüber nachdenke, scheint das allerdings überhaupt ein Thema zu sein. Menschen scheinen gerne zu folgen und große Angst zu haben, vor der Freiheit, die sie so gerne propagieren.
      I swear that when our lips touch, I can taste the next 60 years of my life.
    • Sushan schrieb:

      Ist doch ganz schön, sich hinter etwas verstecken zu können. Wahrscheinlich vor sich selbst viel mehr, als vor den anderen
      Ja, wenn das eigene Leben durch Ehrlichkeit in Gefahr gerät, ist es lebensrettend, sich verstecken zu können. Es heißt nicht umsonst: "Wer die Wahrheit spricht braucht ein verdammt schnelles Pferd."

      Aber so weit ist es Gott sei Dank nicht - also: Selig sind die wagemutigen . . . . . . und die, die reinen Herzens sind.

      Gruß
      Martin
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