WO BIN ICH HIER

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    • WO BIN ICH HIER

      Ich kann mich noch erinnern, dass ich am Steuer meines Autos saßund dieses durch die Nacht lenkte. Dabei wurden meine Augen immerschwerer. Und so muss ich wohl weggedämmert sein.

      Ichkomme zu mir und stehe mit geschlossenen Lidern irgendwo in derNatur. Um mich höre ich Vogelgezwitscher und Kuckucksgeschrei. Esdürfte also wohl Tag sein. Vorsichtig öffne ich meine Augen undwerfe einen Blick auf die Umgebung. Ich steh´ auf einer mächtigenWiese nah eines langgezogenenen Waldrands mit Laub- undNadelgehölzen. Weit und breit ist keine Straße zu erkennen.Zwischen den Gräsern wachsen bunte Blumen, auf denen Insektenkrabbeln.

      Wo bin ich hier? Ich wage ein paar SchritteRichtung Wald. Dabei fällt mir auf, dass ich weder Schuhe nochStrümpfe trage und meine Hose in Fetzen ums Bein hängt. Schmerzenspüre ich jedoch keine am Körper, also scheine ich nicht verletztzu sein.

      Während ich vorsichtig durchs Gras tapse, frageich mich, was wohl aus meinem Auto geworden ist. Auch ist mirschleierhaft, wie ich auf diese saftige Blumenwiese gekommenbin.

      Jetzt habe ich den Waldrand erreicht. Ich werde daranentlang schlendern und aufmerksam nach einem Weg suchen. Irgenwoführt bestimmt ein Pfad aus dem Gehölz. Dem könnte ich dannfolgen.

      Ein Fuchs schleicht durchs Gebüsch und beäugtmich misstrauisch. Über mir hämmert ein Specht in der Baumkrone.Vögel, Insekten und Waldtiere – die Natur um mich herum ist mitLeben erfüllt. Irgendwann werde ich wohl auch auf Menschen stoßen,die mir weiterhelfen können. -

      Stunde um Stunde gehe icham Waldrain entlang. Ich spüre keinen Hunger und keinen Durst undmeine Füße drücken nicht, obwohl ich über Steine und Tannennadelnwandeln muss.

      Jetzt höre ich ein hartes Knacken aus demGehölz. Zwei Rehe brechen durchs Gestrüpp und rennen in die Wiesehinaus. Kurz darauf sind sie an einer anderen Stelle des Waldesverschwunden.

      Wo bin ich hier gelandet? Herrschte währendmeiner Autofahrt nicht noch kühler Herbst mit Regen und Nebel? Jetztscheint die Sonne. Aufgrund der Blumen schätze ich, dass hier wohlFrühling oder Sommer sein dürfte. Ich setze mich zum Rasten aufeinen vermoderten Baumstumpf und schaue hoch zum Himmel. Die Sonnesteht fast senkrecht. Ein paar weiße Wölkchen treiben RichtungHorizont.

      Ich fühle mich total entspannt. Alles scheintso friedlich ringsum. Ich lege mich neben den Baumstumpf undschlummere ein bisschen. Dann muss ich auch schon weiter. -

      Nunbin ich bestimmt schon zwanzig Kilometer am Waldsaum entlanggegangen, aber einen Weg, der drauf schließen lässt, dass daMenschen gegangen oder gefahren sind, habe ich nicht gefunden.-

      Eine Woche ist hier am Rand der Wiese vergangen. Ichhabe immer noch keinen Hunger und keinen Durst. Es gibt ringsumhernur Gras, Blumen, Bäume und Tiere. Kein Pfad weit und breit, auchkein Bach oder Fluss, dem man folgen könnte.

      Die Sonnesteht immer senkrecht am Himmel. Es scheinen auch immer die gleichenWolken zu sein, die am Firmament schweben.

      Ich möchte miraus Ästen, Gras und Moos eine kleine Hütte bauen. Irgendetwas mussich ja wohl tun, um mich von meinem seltsamen Schicksal abzulenken.Und bestimmt werde ich in der Zukunft dann auch auf irgendwelcheMenschen treffen.
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