Schimäre

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    • Schimäre

      Ich träumte einen Traum, in all den Jahren,
      in denen sich die Zeit in Kreisen dehnte;
      du nahmst, ich gab und hoffte, zu bewahren,
      wonach ich mich so viele Nächte sehnte.

      Mein Schmerz, ein Hilferuf aus wunder Kehle,
      verhallte ungehört, traf nur die Wände
      aus blankpoliertem Stahl um deine Seele;
      ich bat, ich flehte, weinte ohne Ende.

      Dann, eines Tages, konnte ich es sehen,
      erhaschte einen kurzen Blick auf deine Seele
      und alles, was ich sah, war nichts - nur Leere.

      Und endlich konnte ich den Grund verstehen,
      erkannte, dass ich mich vergeblich quäle;
      ich träumte einen Traum - er war Schimäre.


      Schimären werde ich nicht länger jagen;
      mit beiden Beinen auf dem Boden stehen
      soll mir die Basis für mein Leben geben.

      Das will ich jetzt der Torheit in mir sagen:
      Du warst mein Traum, auf Nimmer-Wiedersehen,
      die Zeit ist da, in Wirklichkeit zu leben.

      Statt Schmerz ist es das Glück, das ich nun wähle,
      mir selbst als Herrin meines Schicksals spende;
      durch neue, gute Tage, die ich zähle
      und keinen mehr davon für Nichts verschwende.

      Und du, Ballast in all den leeren Jahren,
      in dem ich Liebe und auch Achtung wähnte,
      dich lasse ich ganz schlicht und einfach fahren,
      als falscher Halt, an den ich mich einst lehnte.




      *Ein paar unreine Reime gibt's heute gratis von mir. :D Denn ich wollte gezielt mal etwas schreiben, das aufzeigt, dass 'unreiner Reim nicht gleich unreiner Reim' sein muss und 'per se schlecht als solcher'; sondern unreine Reime auch ein gewähltes Mittel sein können, um die Reimmöglichkeiten zu erweitern ... Ich las im Laufe der Jahre zu oft, dass 'nur ein reiner Reim ein guter Reim ist', also das 'Gedichteforentypische Totschlagargument in Sachen Reim' - neee. Vorausgesetzt, man denkt sich was dabei. ;)
      ______________________________
      Zitate:

      Mensch: Ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.

      Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.

      Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

      I <3 Kurt Tucholsky! :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Anonyma () aus folgendem Grund: Tippfehlerteufelchen exorziert. :D

    • Hallo Anonyma,

      ein schönes durchaus gelungenes Stück Arbeit. Inhaltlich dreht es sich um eine Frau (?), jedenfalls einen Menschen, die/der sich aus einer langjährigen Leidensphase selbst befreit. Dazulernt oder besser: wächst. Über die unglückliche Beziehung hinauswächst. Das sehe ich jedenfalls darin, aber das weißt Du natürlich selbst.

      Formal sehe ich zwei spiegelverkehrte Sonette untereinander. Auch wenn die Reime z.T. unrein sind, egal. Das ist eine interessante Form. Im klassischen Sonett die Leidenszeit geschildert, im vertauschten die Befreiung - oder ist es nur ein Vorsatz der Befreiung? Der Weg zur Hölle usw. Das wird offen gelassen - absichtlich?

      Anonyma schrieb:

      Dann, eines Tages, konnte ich es sehen,
      erhaschte einen kurzen Blick auf deine Seele
      und alles, was ich sah, war nichts - nur Leere.
      Diese Stelle ist reichlich allgemein gehalten. Ich hab's ja gerne ein bisschen eindeutiger. Wer mir etwas erklären will, der tue dies deutlich. Rätselhaft bin ich mir selber genug. Kein Wunder, dass ich mit gewissen Texten nichts zu tun haben will (hi hi). Aber das erzeugt natürlich auch Spannung. War es ein Streit? Hat er zuviel getrunken und sich unbeabsichtigt geöffnet? Hat das LI etwas entlarvendes beobachtet? Wer weiß.

      Also: Respekt.

      Kleiner Hinweis noch: vorletzte Zeile, Tippfehjler "dich lasse dich ganz schlicht..."

      LG

      Ruedi
    • Anonyma schrieb:

      Ich träumte einen Traum, in all den Jahren,
      in denen sich die Zeit in Kreisen dehnte;
      du nahmst, ich gab und hoffte, zu bewahren,
      wonach ich mich so viele Nächte sehnte.
      Definitiv die beste Strophe, allerdings verliert sich das Gedicht, etwa ab der vierten Strophe ein wenig. Die unreinen Reime stören nicht weiter, aber die letzte Strophe wirkt im Vergleich mit den vorherigen ziemlich matt. Ich habe einige Zeit überlegt, wie man es besser schreiben könnte, aber mir fehlt dazu die Situation in der du dich befunden hast, als du es schriebst. Also ist meine Kritik in diesem Fall mehr eine Bitte:)
    • Hallo, Ruedi,


      Ruedi schrieb:

      ein schönes durchaus gelungenes Stück Arbeit. Inhaltlich dreht es sich um eine Frau (?), jedenfalls einen Menschen, die/der sich aus einer langjährigen Leidensphase selbst befreit. Dazulernt oder besser: wächst. Über die unglückliche Beziehung hinauswächst. Das sehe ich jedenfalls darin, aber das weißt Du natürlich selbst.
      Dankeschön. :) Ja, in diese Richtung sollte es auch gehen, aber - ich persönlich lasse durchaus gerne Lesern etwas 'Interpretationsfreiraum'. Nicht, dass ich mit Chiffre oder so arbeiten würde, aber oft mit 'Möglichkeiten der Auslegung'. Ich möchte Leser nicht dazu zwingen, sich den Kopf zerbrechen zu müssen, andererseits auch nicht unbedingt Leser zu sehr 'an die Hand nehmen'. Ich finde, Texte, die gar keinen 'geistigen Spielraum' lassen, sind auch wieder ... irgendwie nicht so das Wahre. ;)

      Ruedi schrieb:

      Formal sehe ich zwei spiegelverkehrte Sonette untereinander. Auch wenn die Reime z.T. unrein sind, egal. Das ist eine interessante Form. Im klassischen Sonett die Leidenszeit geschildert, im vertauschten die Befreiung - oder ist es nur ein Vorsatz der Befreiung? Der Weg zur Hölle usw. Das wird offen gelassen - absichtlich?
      Daher - ja, absichtlich offen gelassen.

      Es ist ein sogenanntes Doppelsonett, nur nahm ich mir ein paar 'Freiheiten' heraus, wie ich es öfter mal tue. Kreuzreim beispielsweise und die reinen/unreinen Endreime. Für mich sind 'Feste Formen' etwas, mit dem man 'arbeiten kann und darf'. Wobei ich mir im Klaren darüber bin, dass das keine allgemeingültige Ansicht ist, sondern lediglich meine (manchmal schon etwas) eigenwillige. :D


      Ruedi schrieb:

      Diese Stelle ist reichlich allgemein gehalten. Ich hab's ja gerne ein bisschen eindeutiger. Wer mir etwas erklären will, der tue dies deutlich. Rätselhaft bin ich mir selber genug. Kein Wunder, dass ich mit gewissen Texten nichts zu tun haben will (hi hi). Aber das erzeugt natürlich auch Spannung. War es ein Streit? Hat er zuviel getrunken und sich unbeabsichtigt geöffnet? Hat das LI etwas entlarvendes beobachtet? Wer weiß.
      Na ja - wirklich rätselhaft ist es ja nicht, finde ich. Denn du schreibst ja selbst/ hast erkannt, dass es dafür eine mögliche Ursache gibt. Welches Ereignis, das möchte ich gerne der Phantasie des Lesers/der Leserin überlassen. Eindeutig ist ja, dass irgendein Ereignis zugrunde liegt - es ist also nicht 'ohne Sinn bzw. Hintergrund'. Nur die Deutung ist 'frei'.

      Ich hab's persönlich gerne nicht unbedingt zu eindeutig, aber ich schreibe ja auch nicht 'kryptisch'. Es ist eine Gratwanderung - und letzten Endes dann auch Geschmackssache. Dabei versuche ich lediglich, nicht zu sehr auf die eine oder auf die andere Seite 'abzurutschen'.

      Und danke für den Hinweis auf den Tippfehler, habe ich gleich ausgebessert. Tz, da lese ich jedes Mal sorgfältig Korrektur - aber das habe ich tatsächlich mehrmals komplett über'lesen'. :whistling:

      LG,

      Anonyma :)



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      Hallo, Luise Maus,

      Luise Maus schrieb:

      Was bedeutet schon die Norm, gern laufe ich aus der Form
      ich muss mich nicht verbiegen, nur um Reime hinzukriegen.
      Und dann noch rein oder unrein, nicht immer muss das sein
      wichtig ist, dass die Worte Herz und Seele haben
      und das ist kaum zu toppen: Das kann ich sagen.
      es gibt einen kleinen Gedicht-Aphorismus dazu:


      Ein reiner Reim wird wohl begehrt,
      Doch den Gedanken rein zu haben,
      Die edelste von allen Gaben,
      Das ist mir alle Reime wert.

      (Goethe)

      Irgendwann verstand ich, was er damit meint und dass sich das nicht ausschließlich auf Reime beziehen muss. Wenn eine Formulierung, ein Vers oder eine Aussage 'tragend' ist, sehr wichtig für das Gedicht insgesamt - dann bin auch ich nicht (mehr, es brauchte schon Zeit, bis ich so weit gekommen war, um vor diesem 'Problem' stehen zu können) bereit, das einer 'Zwang-Optimalform' irgendwelcher Art zu 'opfern'. Ich verstehe, was er sagen will: Ein Gedicht verliert dabei immer viel mehr, als es durch 'Formentreue' gewinnen könnte.

      Vielen, lieben Dank für deinen Kommentar! :)

      LG,

      Anonyma


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      Hallo, Freienwalde,

      erst mal Danke für das Lob bezüglich der von dir zitierten, ersten Strophe. :)


      Freienweide schrieb:

      allerdings verliert sich das Gedicht, etwa ab der vierten Strophe ein wenig. Die unreinen Reime stören nicht weiter, aber die letzte Strophe wirkt im Vergleich mit den vorherigen ziemlich matt. Ich habe einige Zeit überlegt, wie man es besser schreiben könnte, aber mir fehlt dazu die Situation in der du dich befunden hast, als du es schriebst. Also ist meine Kritik in diesem Fall mehr eine Bitte:)
      Hm, was soll ich sagen - ich habe zwar gehofft, dass es nicht so wäre. Aber irgendwie schon befürchtet, dass es so sein könnte. Vor allem, was du über die letzte Strophe sagst.

      Es ist ein bisschen schwierig. Einerseits möchte ich aufgrund der Struktur These/Antithese/Synthese - Synthese/Antithese/These tatsächlich nicht, dass die letzte Strophe die stärkste ist. Allerdings möchte ich natürlich auch nicht, dass sie zu sehr 'schwächelt'.

      Matt - autsch. Nein, kein Gedanke, ich nehme das nicht übel, sondern bedanke mich dafür. Nun, dann muss ich da noch mal ran und zumindest etwas 'verstärken'. Wie ich feststellte, ist das mit diesem Aufbau ein bisschen 'tüftelig' ... mal schauen, was ich hinbekomme. ^^

      (Was mich daran erinnert, dass ich einem meiner anderen Werke hier noch eine alternative bzw. hoffentlich verbesserte erste Strophe nachträglich mitgeben muss, hat auch ein bisschen gedauert, aber ich denke, besser als vorher ist's auf jeden Fall. Auch da gab es - berechtigte - Kritik, mit der ich mich nie schwertue. Wenn, dann nur mit 'der Ton macht die Musik'. Ansonsten ist Kritik immer eine Bereicherung, denn Umschreiben ist schwerer als Schreiben - das übt.)

      Und - nein, ich bin nicht das LI. ;) Ich schreibe nur oft in der Ich-Form, denn ich finde, das gibt (wie in Büchern mit Geschichten) mehr 'Authentizität' her. Generell meide ich 'Du' und 'Man' in den allermeisten Fällen, von ganz bestimmten Ausnahmen abgesehen, wenn damit ein bestimmter Zweck erfüllt werden soll.

      Dir auch herzlichen Dank für deinen hilfreichen Kommentar und LG,

      Anonyma :)
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      Zitate:

      Mensch: Ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.

      Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.

      Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

      I <3 Kurt Tucholsky! :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Anonyma ()

    • Anonyma schrieb:

      traf nur die Wände
      aus blankpoliertem Stahl um deine Seele;

      Mir hat dies hier am besten gefallen, ein tolles Bild!

      Inhaltlich fand ich den Aufbau sehr gut. Blinde Liebe, Verzweiflung, fast um sich schlagen und dann das Erkennen und das Lösen.
      Gefolgt von Stärke, Mut und Prinzipien.
      Es klingt sehr positiv und am Ende sehr im Reinen, mit sich selbst.
      She is the gold at the end of the rainbow
    • Hallo, Sushan,

      dankeschön. :)

      Wir teilen die 'Lieblingsstelle' miteinander. Es gab - wie immer, wenn ich schreibe - einiges an Um- und Überarbeitung, aber diese Stelle war von Anfang an eine der 'Dauerhaften' und blieb so, wie sie von mir ursprünglich formuliert wurde, bestehen.

      Sushan schrieb:

      Inhaltlich fand ich den Aufbau sehr gut. Blinde Liebe, Verzweiflung, fast um sich schlagen und dann das Erkennen und das Lösen.
      Gefolgt von Stärke, Mut und Prinzipien.
      Es klingt sehr positiv und am Ende sehr im Reinen, mit sich selbst.
      Über diese Zeilen von dir freue ich mich besonders. Sie stimmen mit meiner Intention überein - was insgesamt gar nicht so häufig der Fall ist, wie man meinen könnte. Dann ist es immer besonders schön, wenn die 'Botschaft' eines Gedichts so bei einem Leser/einer Leserin ankommt, wie es gedacht war. ^^

      LG,

      Anonyma
      ______________________________
      Zitate:

      Mensch: Ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.

      Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.

      Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

      I <3 Kurt Tucholsky! :D
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