Idylle

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    • Der grüne Hügel fällt sanft und rund vor mir ins Tal.
      Der Berg erhebt sich mächtig und ruhig in meinem Rücken.
      Die Abendsonne streichelt meine Augen und für dieses Mal
      darf ich genießen, atmen und leben ohne mich zu bücken.

      Meine Freunde versammeln sich um mich in aller Ruhe:
      die Vögel kommen und zwitschern ihr Lied durcheinander.
      Die Sperlinge, die Tauben, der Adler und der Uhu
      schweben in loser Folge ein und rasten miteinander.

      Der Löwe stupst mich von hinten mit seiner großen Nase
      und sein warmer Hauch liebkost zärtlich meinen Nacken.
      Der Panther schleicht sich aus dem Unterholz auf das Gras
      und leckt mir wohlig knurrend über beide Backen.

      Eine Schlange ringelt sich gemächlich in meinen Schoß.
      Sie sucht noch ein wenig Wärme für die kommende Nacht.
      Der Falke und der Rabe sind inzwischen fast zu groß,
      doch halten sie treu auf meinen Schultern ihre Wacht.

      Die Schafe und die Ziegen blöken leise im Hintergrund.
      Für eine kurze Weile haben Jäger und Gejagte Pause.
      Der Schmetterlingsschwarm tanzt um das Löwenmähnenrund
      und man könnte meinen, wir seien hier alle zuhause.

      Die Sonne versinkt, der Mond erhebt silbern sein Haupt.
      der Wind löst unsere Versammlung allmählich wieder auf.
      Die Schafe dürfen schlafen und dem Panther ist erlaubt
      im Wald zu beginnen seinen heutigen tödlichen Lauf.

      Ich gehe als letzter, mein Körper ist mir schwer.
      Da grüßt mich zum Abschied aus dem dunklen Glanz
      der Nacht, aus dem holzigen düsteren Meer
      des Waldes der Chor des Lebens, der große Tanz.
      © Rüdiger Jess

      Verwendung der Texte nur nach schriftlicher Zustimmung des Rechteinhabers


      Der Anti-Poet: "Es reicht nicht aus, einfach nur keine Ideen zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken! " 8)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ruedi () aus folgendem Grund: fehlende Leerzeichen

    • Hallo Ruedi,
      Du öffnest wohl gerade dein Gedichtschatzkästchen.
      Wenn ich deine Bilder so lese drängt sich mir die Vorstellung des Paradieses auf, nur bei den "beiden Backen" musste ich etwas irdisch grinsen.
      Gern gelesen und Mitgeschwelgt!
      LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • Hallo Ruedi,

      diese Verse nenne ich wahrhaftig idyllisch. Selbst die letzten zwei, eher melancholischen Strophen wirken immer noch ruhig und harmonisch.
      Sehr schön finde ich im Übrigen die Bilder, die du mit der Vielzahl an Tieren erzeugst, die das LI "begleiten". Sie machen das Gedicht lebendig.
      Äußerst gerne gelesen!

      LG Mesochris
    • Hallo Rüdiger,
      beeindruckender Text und ob man wollte oder nicht,
      ich bin mitgegangen. Mir, als sturmerprobter Nordsee-
      Rüpel hätte der Wind die Versammlung nicht so ohne
      Gegenwehr auflösen können, denn am Abend beginnt
      das echte Leben.
      Dein Vers hat für mich einen märchenhaften Grundton
      oder doch eher wie Perry sagt, das Paradies vor Augen ?
      Ich habe es gern gelesen und ja, es ist ein Schätzchen.
      LG Volker

      P.S. Ruedi`s (nicht Brehm !) Tier-(Natur-)leben !!!
      :)
      Volker Harmgardt
      Die Natur hat keine Eile,
      dennoch gelangt sie
      stets ans Ziel.

    • Vielen Dank, dass ihr es so genossen habt.

      Ich habe ja wegen Kitschverdachts sehr gezögert, das hier einzustellen, aber naja, ab und zu will der Beamte auch mal schwelgen. Hier flossen ein paar Gedanken und Erinnerungen zusammen:
      In der Bibel gibt es eine Stelle, wo gesagt wird, dass Lamm und Löwe im Paradies (nach dem Tod) beieinander ruhen.
      Wenn Orpheus sang kamen angeblich sogar die wilden Tiere, um ihm zuzuhören.
      Ich glaube, dass jeder von uns sich nach solchen Zuständen sehnt, aber gelernt hat, dieses Bedürfnis mehr oder weniger gut zu tarnen - auch vor sich selbst. Die einen werden dazu tendenziell eher still, ziehen sich zurück; die anderen überdecken es eher durch aggressives Auftreten. Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, sozusagen.

      Allerdings habe ich es als Pause skizziert, als etwas, das nur vorübergehend ist:

      Ruedi schrieb:

      Für eine kurze Weile haben Jäger und Gejagte Pause.

      Ruedi schrieb:

      Die Schafe dürfen schlafen und dem Panther ist erlaubt
      im Wald zu beginnen seinen heutigen tödlichen Lauf.
      Aber diese Pause im Alltagskampf, finde ich, sollte man sich doch ab und zu gönnen.

      LG

      Ruedi

      PS: Komisch eigentlich, dass mein "Winterspaziergang" so gar nicht ankam. Der hat zwar nichts mit Tieren zu tun, aber geht für mich emotional und von der Stimmung her in die gleiche Richtung - Atempause, Ruhe etc. (Eigenwerbung treib!! :!: )
      © Rüdiger Jess

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ruedi ()

    • Lieber Ruedi,
      Ich hab deinen 'Winterspaziergang' gestern gelesen und fand ihn sehr gut. Und mir ist das schon aufgefallen, dass du zwei so schöne Gedichte geschrieben hast. Das ist eine Art von Gedichten, die ich sehr gerne mag. Danke, dass ich es genießen durfte!
      Liebe Grüße,
      Moon
    • Vielen Dank, lieber / liebe Moon.

      Hat mich sehr gefreut.

      LG

      Ruedi
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