Schwierige Frage

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    • Schwierige Frage

      Was macht dich reich?
      Geld?
      Ist es die finanzielle Macht?
      Dir jeglichen Komfort zu ermöglichen?
      Sind es Menschen?
      Oder ist es das Leben, das durch deine Adern jagt?
      Was ist Leben?
      Sind wir fremd in der Enge oder eingeengt in der Fremde?
      Befremdet?
      Und was ist das für ein Gefühl, wenn wir die Augen aufschlagen und beginnen zu leben, der erste
      Atemzug, der zögerlich ungewohnt zwischen unseren Lippen brandet, die seltsamste aller
      Allegorien auf das Leben.
      Aber genau das tun wir.
      Wir leben.
      Dennoch bleibt es zweifelhaft.
      Reicht ein Atem zum Leben?
      Und reicht ein Herzschlag zum Lieben?
      Wir sind zähe Tautropfen auf der Blüte des Lebens, träge.
      Und du, verstehst du was ich meine, wenn ich sage es sei befremdlich lebendig zu sein? Oder stehe
      ich mit meiner Meinung allein befremdet, wenn du mich liebevoll, zärtlich ansiehst?
      Und dennoch wirkt es surreal, wenn wir uns das eingestehen.
      Dein sanftes Auf und Ab, die Luft, die unablässig deine Lungen quält, mit dem Drang dich mit
      Leben und Liebe zu erfüllen. Dein konstanter Herzschlag, leises Klopfen, wie eine Erinnerung
      weiterzumachen. Der Rhythmus deines Seins. Meines Seins.
      Doch in unserem zaghaften, schüchternen Versuch zu bleiben sind wir doch eigentlich krampfhaft
      festgekrallt an das Leben.
      Aber was ist das überhaupt?
      Oder ist es Liebe?
      Was ist Liebe?
      Eine Emotion, ein Niederschlag deines Instinktes, eines reproduktiven Narzissmus?
      Und was ist das für ein Gefühl, das deine bebende Brust zerreisst? Während deine zitternden
      Schenkel sich um diesen fremden Leib schlingen, zögerliches Besitzergreifen, ertasten von Haut
      und Textur, dem wildzarten schmeicheln von Lippen, da schreit es in dir.
      Du bist blind und kannst es nicht hören.
      Du bist taub und ignorierst das Rumoren.
      Du umschlingst diesen fremden Menschen, inhalierst ihn, seinen tierischen Durft,
      doch innerlich, da ringst du zitternd um Luft.
      Und da liegst du unten und hältst das für Liebe,
      aber vielleicht sind es doch nur hedonistische Triebe.
      Die du nicht verstehst,
      weil du es einfach nicht siehst.
      Denn du bist taub und hast verlernt zu lachen.
      Reduzierst alles zu Staub, wie kannst du das machen?
      Und in dir tobt diese beengende Leere, dieses Verlangen nach Fülle, nach Liebeund es schreit , aber
      du bist blind.

      Du hast aufgegeben dich zu bewegen, zu lieben,
      folgst nur noch stumpf deinen bescheuerten Trieben.
      Und über dir bewegt sich dieser Fremde, vereint mit dir und doch so fern.
      Gierige Hände, animalische Lust,
      doch in dir tobt dieser wütende Frust.
      Und du kannst es nicht sehen, noch es verstehen,
      was dich innerlich zerstört und zertrümmert,
      weil du nicht hörst, was da in dir wimmert.
      Du fühlst dich leer.
      Unvollständig.
      Du nahmst dieses leere Blatt und fülltest es mit Worten und Bedeutung. Gefühle flossen darauf, wie
      deine Zeilen schillernd, schmierend dahinrasten. Du schriebst und jedes niedergekleckste Wort
      wurde bedeutsam und wahr.
      Und dann nahmst du dieses Papier, noch immer nicht voll und risst es entzwei.
      Alles was blieb war eine halbe Geschichte, eine halbe Wahrheit, unvollständig.
      Und nun stehst du da, ein zerrissenes Blatt in deiner Hand, eine Hälfte. Du weißt nicht wohin damit,
      weißt nichts damit anzufangen, die andere Seite ist dir entglitten. Ob du sie jemals wiedersiehst ist
      ungewiss. Du bist dir deiner Tat auch nicht bewusst, verstehst nicht was du getan hast, noch welche
      Folgen es hatte. Denn irgendwo in dieser grauen Stadt weht nun ein abgetrenntes Stück deiner
      Geschichte, ohne Anfang oder Ende, halbwahr. Vielleicht findest du es wieder, vielleicht wirst du
      irgendwann verzweifelt danach suchen, aber vielleicht auch nicht.
      Möglicherweise findet es auch jemand anderes und schreibt sie neu. Aber es wird immer zerrissen
      bleiben und deine Hälfte ebenso. Und das hast du nur dir selbst zuzuschreiben.
      Nun stehst du da, ein halbes Blatt, eine halbe Geschichte, eine halbe Wahrheit in der Hand und
      fühlst dich leer und verlassen, unvollständig.
      Du wirst nie das Ganze sehen können, denn es verging in dem Moment, in dem du die Seite so
      gewalttätig teiltest. Und nun stehst du hier, eine einsame Hälfte in dieser trüben Stadt und lässt dich
      verloren durch die Straßen wehen.
      Du endest auf diesem staubigen Fensterbrett, wo du bleibst und durch die schmierigen Scheiben
      hinab blickst..
      Vogelperspektive.
      Metapher deines Lebens.
      Du begreifst es auch nicht mehr. Es verstört dich.
      Da war einmal dieses Mädchen, das immer so fremd schien und in die Welt sah, als wäre das alles
      eine große Merkwürdigkeit für sie. Sie hatte gelebt, geliebt und gelitten und genug gesehen um
      mehrere Leben zu füllen. Und da stand sie dann, einsam, verloren,verlassen, fremd.
      Arm.
      Und verschwand.
      Und alles endet.

      Zaudern.
      Aber vielleicht irrt sie sich auch.
      Also lass uns doch leben, diese Seltsamkeit, dieses sonderbare Phänomen genießen und glücklich
      sein. Möglicherweise ist das auch zuviel verlangt und du willst das alles gar nicht.
      Aber vielleicht irre ich mich und wir können großartig sein.
      Du und ich.
      Wir.

      Und wenn ich Glück habe, ein ganz klein wenig, verstehst du, was ich meine, wenn ich sage es sein
      befremdlich lebendig zu sein. Und wir können gemeinsam stehen und Glück, Leben, Liebe teilen.
      Entfremdet.
      Herzschlag, Atem.
      Bist du dabei?
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    • Wir sind zähe Tautropfen auf der Blüte des Lebens, träge.

      Hallo Hulk, da bin ich nicht weit gekommen und musste schon überlegen -
      "zähe" Tautropfen - ? -

      Oder ist es Liebe?
      Was ist Liebe?
      Eine Emotion, ein Niederschlag deines Instinktes, eines reproduktiven Narzissmus?
      Was bedeutet für dich "reproduktiver Narzissmus"?

      Manches verstehe ich nicht - irre quergedacht - und doch so ansprechend und schön.
      Ich sehe es vor mir - ich finds im guten Sinne interessant.
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