Westwind

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    • Westwind.

      Der Westwind greift tief in die Äste
      Und reißt die Blätter einfach ab,
      Als wären sie bloß kurze Gäste.
      Er wirft sie hin auf dieses Grab.

      Dort liegt im Grund, was doch im Grunde
      Noch leben sollte, Tag für Tag.
      Ich stehe hier. Dass ich gesunde,
      Ist etwas, das zu hoffen wag

      Am Morgen der, der ausgeschlafen
      Aus seinem Dunkel in die Welt
      Getreten ist, als seien Strafen
      Nur Schicksal und nicht Sündengeld.

      Ich fasse meinen Mantel enger
      Und blicke durch das Nichts im Grau.
      Und die da liegen, liegen länger,
      Und niemand weiß so ganz genau,

      Warum es sie traf – und nicht andre.
      Der Wind ist kalt, er zerrt an mir,
      Und will, dass ich mein Leben wandre,
      Und der dort liegt, bleibt immer hier.
      Motto: "Gelegenheit.Macht.Dichtung"
      (c) Walther - Abdruck/Verwendung gegen vorherige Freigabe durch mich durchaus erwünscht!
      www.zugetextet.com

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Walther ()

    • Respekt, Walther!

      Friedhof, Frühherbst, Sturm, Trauer. Alles sehr gut zu lesen und nachzufühlen.

      Zwei Ideen zur letzten Zeile der zweiten Strophe (wobei ich nicht weiß, ob ich sie so kapiert habe, wie Du sie meinst):

      1. Ist etwas, ich zu hoffen wag'
      2. Ist etwas, das ich hoffen mag

      Falls Du es lassen willst, wie es ist: Müsste es nicht heißen: ...,dass [ich] zu hoffen wag?

      Kreative Grüße

      Ruedi
      © Rüdiger Jess

      Verwendung der Texte nur nach schriftlicher Zustimmung des Rechteinhabers


      In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders! 8)
    • Ruedi schrieb:

      Oder setzt sich die 2. Strophe in der 3. fort? Dann hat mich die Großschreibung am Anfang der 3. Strophe verwirrt.

      Ruedi
      Hi Ruedi,

      danke für den hinweis auf die unstimmigkeit. ich habe s3v1 ein wenig glatt gebügelt.

      lg W.
      Motto: "Gelegenheit.Macht.Dichtung"
      (c) Walther - Abdruck/Verwendung gegen vorherige Freigabe durch mich durchaus erwünscht!
      www.zugetextet.com
    • Hallo Walther,

      Walther schrieb:

      ich habe s3v1 ein wenig glatt gebügelt.
      Gut gebügelt, Löwe!
      Nein, im Ernst, auch ich hatte an der Stelle beim ersten Lesen (bei dem Zeitmangel noch keinen Kommentar ermöglichte) meine Schwierigkeiten. Eine gelungene Verbesserung. :)

      In der Gesamtheit vermittelt dein Gedicht sehr stimmungsvoll ein 'umschattetes Gemüt'.

      Einzeln möchte ich gerne ein paar Stellen, die ich besonders gut gelungen finde, hervorheben:

      Walther schrieb:

      Dort liegt im Grund, was doch im Grunde

      Walther schrieb:

      Ich fasse meinen Mantel enger
      Und blicke durch das Nichts im Grau.

      Walther schrieb:

      Und die da liegen, liegen länger,

      Walther schrieb:

      Der Wind ist kalt, er zerrt an mir,
      Und will, dass ich mein Leben wandre,
      Ich möchte einfach erwähnen, dass dein Gedicht auch sehr schön verdeutlicht, welche Wirkung rhetorische Stilmittel haben können. Und erwähnen, dass du ganz zweifellos Fähigkeit und Erfahrung besitzt, um mit der Sprache und mit Bedeutungen zu arbeiten.

      Für mich persönlich ist das Zerren des Windes die 'stärkste' Stelle im Gedicht. Der Wille des (kalten!) Windes ... hier sagt mir auch das Ungeschriebene viel.

      Ein schönes, stimmungsvolles Werk von dir. Wäre da nicht das Haar in der Suppe ;) , gewissermaßen - das Wort 'immer' im letzten Vers. Ist es nicht so, dass unabhängig von Glaube, Religion oder Wissenschaft auch dort niemand für immer liegt?

      Walther schrieb:

      Und der dort liegt, bleibt immer hier.
      Und der dort liegt, bleibt weiter hier. Während das LI den Friedhof verlässt ... da das Leben 'sein Recht' einfordert.

      Sehr gerne gelesen! ^^

      LG,

      Anonyma
      ______________________________
      Zitate:

      Mensch: Ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.

      Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.

      Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

      I <3 Kurt Tucholsky! :D
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