Das Varieté II.

    • Kritik erwünscht

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    • Das Varieté II.

      Man erinnert sich als Erstes, an etwas sehr Gutes oder sehr Schlechtes. In diesem Fall beginnen wir mit Letzterem. Wir sehen ein Geschäft voll alter Kleider und den Mann, der sie verkauft. Die Menschen schätzen ihn und seine Ware, welche neben der Kleidung wohl auch die gute Laune ist. Denn sie steckt an und sein strahlend weißes Lächeln zaubert selbiges in die Gesichter seiner Kunden. Auch ist die eine oder andere Leckerei unter seinem Zylinder versteckt, sollte sich der Sohn oder die Tochter einmal langweilen. Dies ist der Vater unserer tanzenden Puppe. Ohne zu klagen tut diese ihr Werk und präsentiert gekonnt den bunten Stoff, doch abends, wenn das Licht erlischt, fängt sie erst an zu leben. Eines Nachts jedoch kehrt der alte Herr unerwartet in sein Geschäft zurück und sieht sein Püppchen tanzen. Seine schönen weißen Zähne werden gelb, die Augen glühen rot und seine Haut wird so grau, wie der dichteste Nebel. Wütend fragt er, was ihr denn einfällt ihre Pflicht so zu missachten. „Ist das der Dank für all mein Wissen, dass ich selbstlos an dich weitergab?“ Das Schwarz der Nacht zeichnet seinen Charakter nun mal ebenso, wie das weiße Licht der Sonne, an einem warmen Frühlingstag und so verlässt die Puppe ihr geistiges Gefängnis und zieht von dannen.
      Während sie also auf den Straßen, suchend nach einem neuen Zuhause, umher tanzt, kommt sie an einem Podest vorbei, auf dem eine gläserne Vitrine steht. In ihr liegt ein kleines rotes Röslein, dessen Schönheit die Puppe aber nicht erkennen kann. Sie tritt näher heran und fragt, warum die Rose denn in einen Glaskasten gesperrt wird. Ihre Antwort ließ eine Weile auf sich warten, doch dann erzählte sie davon, dass sie bisher gar nicht wusste, dass es außerhalb der Vitrine noch andere Wesen gibt und sie zudem viel zu zerbrechlich sei, als dass sie sich trauen würde, den Kasten zu verlassen und sie Angst davor hat, von jemandem berührt zu werden. Doch als das wunderhübsche Röslein schließlich bemerkt, dass die Schaufensterpuppe dem Zauber nicht erliegt, entschließt sie sich, mit ihr zu gehen. Seitdem wandeln beide, mit unterschiedlichen Zielen, gemeinsam durch den Ort. Eines Nachts, es ist stockdunkel, kommen beide an eine Lichtung. Die Puppe bleibt abrupt stehen und beobachtet gebannt das Schauspiel, welches sich ihr bietet.
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