Winterspaziergang

    • Feedback jeder Art

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Winterspaziergang

      In ruhigen, weißverschneiten Straßen,
      gedämpft im Schall, in milder Kälte
      such' ich, was ich hier einst vergaß
      und weiß nicht, ob ich's finden werde.

      Der feine Schnee klickt leise,
      wenn er auf meinen Mantel trifft.
      Man hört es nur, wenn man die Reise
      unterbricht und einhält im Schritt.

      Die Häuser liegen meist schon dunkel.
      Nur aus wenigen Fenstern fällt Licht.
      In einigen Gärten sieht man Kerzen funkeln,
      auf Bäumen. Der Schnee fällt jetzt dicht.

      Die Luft ist rein und sanft die Nacht.
      Die Straße hier schläft wohl schon.
      Die Menschen haben den Tag vollbracht -
      erster Advent. Sie wollen jetzt ruh'n.

      Hinter mir bleiben die dunklen Spuren
      meines Spaziergangs noch eine Weile zurück.
      So wie Hunderte kleiner Uhren
      messen sie ab, wie lang ich wo blieb.

      Das Leuchten der schlafenden Stadt scheint
      von über den Laternen wider.
      Die Wolken hängen heute tief, man meint
      sie ließen sich gerne hier nieder.

      Ich gehe langsam und in der Stille
      hör' ich meine Schritte leise knirschen.
      Ich bin dankbar und genieße die Idylle.
      Es ist gut im Schnee, allein mit meinen Wünschen.

      Im weißen Nebel meines Atems sehe ich
      auf einmal ein Bild, das man nur hier
      und nur mit dem Herz erblickt und ich
      sag' "Hallo! Ich sehne mich nach dir."

      Ich machte mich auf in Schnee und Nacht,
      um etwas zu finden und wußte nicht was.
      Ich seh', ich habe die Suche erst vollbracht,
      als ich zuließ, daß du mich gefunden hast.
      Der Schnee rieselt weiter, die Nacht dauert an.
      Ich kenne dich, aber fand dich noch nicht.
      Ich zieh' meine Spuren und was ich gewann
      nehm' ich mit mir: Aus Hoffnung ein Licht.
      © Rüdiger Jess

      Verwendung der Texte nur nach schriftlicher Zustimmung des Rechteinhabers


      In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders! 8)
    • Lieber Ruedi,
      Ich finde dieses Gedicht so wunderschön! Meiner Ansicht nach ist es noch schöner als die 'Idylle' (Dieses Gedicht ist auch sehr schön).
      Ich liebe den Winter und ich liebe den Schnee, ich liebe das 'Gedämpfte', von dem du geschrieben hast. Es ist so eine angenehme Ruhe, in der man seine Gedanken sortieren und abschalten kann. Ich liebe Winterspaziergänge. Das Gedicht passt so gut zu mir und du hast das ganze Wunder dabei sehr gut in Worte gefasst, dass ich mich gefühlt habe, als wäre ich mitten in der kalten Jahreszeit in der Nacht unterwegs - mitten in der Magie, meiner Ansicht nach ist Schnee nämlich genau das.
      Dankeschön, das werd ich mir noch öfter durchlesen :D
      Liebe Grüße,
      Moon
    [ Die Gedichte, Geschichten und weiteren Werke, sind geistiges Eigentum der jeweiligen Autoren. ]



    © 2018 Poeten.org - Dichter und Denker Portal - All rights reserved.