Am Berg

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    • Am Berg

      Der Berg ist nur ein Berg, und er steht da:
      Seit Zeitenwenden schon verwirft er Schatten.
      An seinen Flanken liegen grüne Matten;
      Die Ferne scheint auf seinem Gipfel nah.

      Ich steige mit dem Wind und dem Jikrah!,
      Das Adler rufen, die in Schluchten kreisen.
      In seine Wälder schlugen Wesen Schneisen:
      Sie machen aus dem Schnee nurmehr Trara.

      Es tönt ein Pfiff. Sind es die großen Ratten,
      Die ich seit kurzem sehe, wenn ich fliege?
      Es sind die Männchen, die gesehen hatten,

      Wie ich am Himmel hoch den Sturm besiege.
      Da klettert die Gestalt mit Seil und Eisen,
      Die doch nichts andres kennt als Gier und Kriege.
      Motto: "Gelegenheit.Macht.Dichtung"
      (c) Walther - Abdruck/Verwendung gegen vorherige Freigabe durch mich durchaus erwünscht!
      www.zugetextet.com

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Walther ()

    • Hallo Walther!

      Nach dem 5. Lesen habe ich langsam kapiert, daß das ganze Gedicht aus der Perspektive des Adlers geschrieben ist, nicht erst ab Strophe 3.

      Richtig?

      Der Bruch in der Mitte der zweiten Strophe irritiert mich ziemlich. Erst steigt der Adler in der Ich-Perspektive auf und ruft "Jikrah" wie seine Artgenossen "die in Schluchten kreisen". Und ohne Überleitung sind wir wieder beim Berg aus der 1. Strophe (oder Bergwald?) und der Adler erzählt von den Wesen, die Schneisen schlugen (wir Menschen, nehme ich an?). Das macht diesen schönen Text ziemlich rätselhaft. Ist das Absicht?

      Beste Grüße
      Ruedi
      © Rüdiger Jess

      Verwendung der Texte nur nach schriftlicher Zustimmung des Rechteinhabers


      In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders! 8)
    • Hi Ruedi,
      danke für den besuch meines naturgedichts. nein, die perspektive wechselt nicht. ob der protagonist ein adler ist oder sich nur so fühlt, ist m.e. unwichtig. wichtig ist, was er und wie er das sieht, was er sieht. den bruch gibt es also gar nicht.
      der adler lebt in den bergen - das tut der paraglider auch. inzwischen gibt es ja noch die motorisierten glider. es gibt also auch diesen bruch nicht.
      der text trägt die schlüssel, die der leser braucht, offen an seinem schlüsselbund, das er in seinen gürtel eingehakt hat. er ist also nicht verrätselt, verlangt aber das langsame und sicher wiederholte eintauchen in bezüge und bedeutungsebenen. am ende erzählt er sich und den lesern eine geschichte, die sich aber im leser erst entfaltet.
      lg W.
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      (c) Walther - Abdruck/Verwendung gegen vorherige Freigabe durch mich durchaus erwünscht!
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    • Hallo,

      nun, ich kann nicht sagen, ob ich den Schlüssel des Autors gefunden habe - aber ich fand einen. Auch wenn der Bezug jetzt vielleicht sonderbar erscheinen mag, ergibt er doch Sinn: Als die Astronauten damals aus dem All die Erde erblickten, beeinflusste das in sehr hohem Maße deren Gefühle und Gedanken, auch längerfristig.

      Für mich entsteht hier der Eindruck, dass die 'Adler-Perspektive' einen Menschen die Welt mit anderen Augen sehen lässt - vergleichbar mit einem Adler.

      Sehr schön die inhaltliche Struktur des Sonetts, der - nicht individuellen - Betrachtung in der ersten Strophe folgt der persönliche Blick in der zweiten.

      Was ich hier sehr interessant finde, ist die Deutlichkeit der in den Terzetten herausgearbeiteten Distanz zu den 'Männchen', die mit Hilfe ihrer 'technischen Hilfmittel' den Gipfel zu erklimmen versuchen. Aber - frei fliegen, nun, das können sie nicht. Ein gelungener Rückbezug zum zuvor erwähnten Trara, die Gier und die Kriege.

      Es gibt eine Kleinigkeit, die mich etwas stört - könntest du vielleicht darüber nachdenken, statt 'Jikrah' eventuell 'Jirah' als lautmalerische Darstellung des Adlerschreis in Erwägung zu ziehen? An dieser Stelle stutzte ich einen Moment, denn 'Krah' assoziiere ich in dieser Hinsicht doch eher mit Raben oder Krähen statt Adlern. Aber - keine Kritik, nur eine persönliche Anmerkung bezüglich der Wirkung, die diese Stelle auf mich hat.

      Es war mir eine Freude, hier zu lesen. :)

      LG,

      Anonyma
      ______________________________
      Zitate:

      Mensch: Ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.

      Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.

      Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

      I <3 Kurt Tucholsky! :D
    • Ruedi schrieb:

      Nach dem 5. Lesen habe ich langsam kapiert,

      Ruedi schrieb:

      Adler in der Ich-Perspektive auf und ruft "Jikrah"

      Anonyma schrieb:

      statt 'Jikrah' eventuell 'Jirah'
      Ich halte mich ehrlich raus... vielleicht ist es zu warm heute...

      Ich hatte Jikrah jetzt wirklich bei google gesucht :whistling:
      es tut mir leid Walther, es steckte keine böse Absicht dahinter, habe wohl beim 1. mal lesen DAS ein oder andere überlesen.
      kreative Grüße
      Nils
    • Anonyma schrieb:

      ...

      Es gibt eine Kleinigkeit, die mich etwas stört - könntest du vielleicht darüber nachdenken, statt 'Jikrah' eventuell 'Jirah' als lautmalerische Darstellung des Adlerschreis in Erwägung zu ziehen? An dieser Stelle stutzte ich einen Moment, denn 'Krah' assoziiere ich in dieser Hinsicht doch eher mit Raben oder Krähen statt Adlern. ...

      LG,

      Anonyma
      Hi Anonyma,
      danke für eintrag und vorschlag. ich hatte das Yeehaa! im ohr, also umgesetzt "Iih-ha!", entschied mich aber für eine deutsche form dieser lautmalerei. so entstand das. über die perfekte intonation des adlerschreis kann man wirklich streiten, zumal das echo in einer schlucht diesen auch noch verzerrt. es spricht schon das eine oder andere für deine version. ich denke noch ein wenig nach.
      lg W.

      Nils schrieb:

      Ruedi schrieb:

      Nach dem 5. Lesen habe ich langsam kapiert,

      Ruedi schrieb:

      Adler in der Ich-Perspektive auf und ruft "Jikrah"

      Anonyma schrieb:

      statt 'Jikrah' eventuell 'Jirah'
      Ich halte mich ehrlich raus... vielleicht ist es zu warm heute...
      Ich hatte Jikrah jetzt wirklich bei google gesucht :whistling:
      es tut mir leid Walther, es steckte keine böse Absicht dahinter, habe wohl beim 1. mal lesen DAS ein oder andere überlesen.

      lb Nils,
      kein thema. wenn die sonne scheint, muß man an die frische luft. [img]https://www.poeten.org/wcf/images/smilies/saint.png[/img]
      lg W.
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