Das Lorbeerkind

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    • Das Lorbeerkind

      Vor nicht allzu langer Zeit
      Da war das Lorbeerkind noch klein
      Schutzlos der Welt ausgeliefert
      Wusste es nichts von seinen Gaben.

      Der Vater wusste keinen Rat
      Das Lorbeerkind war anders
      Es hörte und sah, sprach und liebte anders
      So schrie aus Angst der Vater, es solle sich benehmen.

      Das Lorbeerkind versuchte es
      Ohne Erfolg und mit großem Frust
      Schnitt Wunden in Fleisch und Seele
      Bis kein Tropfen Rot mehr übrig war.

      Doch eines Tages, da spuckte der Vater
      in die Wunden zum etlichen mal
      Diesmal wuchs das Brennen, wurd' immer stärker
      Verwandelt sich plötzlich in lodernde Flammen.

      Das Lorbeerkind schrie auf vor Schmerz
      Das Feuer taute die Seele auf und verbrannte sie zugleich
      Und von allem überfordert
      Riss das Lorbeerkind sein Herz heraus.

      So legte das Kind in Tränen
      Sein Herz in die goldene Schatulle
      Ein letzter Kuss versiegelt sie
      Auf ihm unbekannte Zeit.

      Das Lorbeerkind es rennt und rennt
      Schatulle und Schlüssel sollen verschwinden
      Vergräbt sie schließlich an geeignete Stellen
      An Orten, die nicht in der Vorstellung des Vaters liegen.

      Langsam verwandelte das Lorbeerkind
      Sich zu einem starken Felsen
      Die Spucke des Vater vom Regen verwaschen
      Auch das größte Feuer kann ihm nichts
      Und so vergeht die Zeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von Midnightstreets ()

    • Hallo Scathach,
      Freut mich, dass dir die Geschichte gefällt!

      Die Erzählung ist autobiografisch, aber das ist schon in Ordnung. Solche Erfahrungen bringen uns weiter und formen uns. Ohne sie hätte ich wahrscheinlich nie angefangen zu schreiben.

      Eins ist aber definitiv sicher, die Geschichte des Lorbeerkinds ist vielleicht vorbei, aber meine noch lange nicht. ^^

      Liebe Grüße
      Midnightstreets
    • Hallo Perry,
      Um ehrlich zu sein hatte ich "Lorbeerkind" zuerst nur von meinem eigenen Namen abgeleitet.
      Der Text war schon fast fertig als ich dann das Wort Lorbeerkind gegoogelt und das Märchen gefunden habe, das ich noch gar nicht kannte. Dann habe ich meinen Text ein wenig daran angepasst.
      Im Märchen bekommen die Eltern, die sich ein Kind wünschen nur einen Lorbeerkern. Sie werden enttäuscht, wie der Vater in meinem Text auch.

      Außerdem gibt es in der griechischen Mythologie den Sohn des Hermes Daphnis (griechisch Lorbeerkind), der in einigen Versionen seiner Geschichte an Liebeskummer stirbt, in anderen wiederum wird er in einen Stein verwandelt. Das war auch die Inspiration für die letzten Strophen.
      Mein Lorbeerkind reißt sich nämlich die Emotionen raus und verwandelt sich dann, um überleben zu können.

      Danke fürs Lesen! :)

      Liebe Grüße
      Midnightstreets

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Midnightstreets ()

    • Hallo Midnightstreets
      Dein Gedicht spricht mich sehr an und erinnert mich an Kinder, die aus irgendwelchen Gründen ‚anders‘ sind als die meisten als normal bezeichneten Kinder. Dabei tragen z.B autistische Kinder einen grossen Reichtum mit sich, der sich der Aussenwelt oft verbirgt. Aber vielleicht ist der Hintergrund für Dein Gedicht ein anderer. Es gibt vieles, das Erwachsene bei ihren Kindern verkennen und sie ihrer „idealen“ Wunschvorstellung gemäss formen wollen. Danke für die Zeilen !
      Liebgruss Amygdulus
      Amygdulus
      ______________________________________________

      Panta rhei
      Alles fliesst

      Heraklit ~500 v.Chr.
      _____________________________________
    • Hallo Amygdulus,
      Ich glaube die Geschichte kann auf jede Form des Andersseins übertragen werden. Alles was anders ist birgt Schätze, wenn man danach sucht und sie erkennt. Normal wird nie die Welt verändern können.

      In meinem Fall war meine Sexualität (liebte anders), mein künstlerisches Talent (hörte, sah, sprach anders) und mein kritisches Hinterfragen das "Problem". Das ist auch heute noch so, aber vielleicht wird auch mein Vater wie der Prinz des anderen Märchens irgendwann die Schönheit des Lorbeerkinds zu schätzen wissen...

      Liebe Grüße
      Midnightstreets

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    • Das Lorbeerkind, Akt II

      Das Lorbeerkind fühlte lange nichts,
      Keine Frust, keine Zufriedenheit,
      Seine Zeitrechnung stand still,
      Vergaß, was mal vor der Wende war.

      Eines Tages brach jedoch ein großes Feuer aus,
      Anfangs überwog die Gleichgültigkeit,
      Doch schnell stellte das Kind fest,
      Dass dieses Feuer von dichterer Beschaffenheit war,
      Mächtiger als alles zuvor.

      Die winzigen Partikel der Vergangenheit
      Fingen zu beben, gar zu glühen an,
      Und trotz des großen Schmerzes,
      Wuchs die Sehnsucht nach der Zeit,
      In der das Kind noch war.

      Das Kind musste etwas suchen,
      Doch die Erinnerung war zu schwach,
      Bilder von mystischen Orten tauchten auf,
      Aber wo konnten diese liegen?

      Verzweifelt suchte es jede Stelle ab,
      Reiste an die entferntesten Orte,
      Denn das Verlangen war groß,
      So groß, dass das Kind
      Mehrmals seine Seele aufgeben wollte.

      Dann war es da, plötzlich,
      An einem undefinierbaren Ort,
      Ein riesiges fluoreszierendes Feuer
      Und an seiner heißesten Stelle,
      Eine goldene Schatulle.

      Die Erinnerung brach ein,
      Füllte das Kind mit entsetzlicher Angst,
      Doch was hatte es zu verlieren,
      Wenn es bereit war seine Seele aufzugeben?

      Das Herz war kaum wiederzuerkennen,
      Verkohlt und staubig und fremdartig,
      Und als das Kind es schließlich einsetzte
      Trat der Schmerz mit Gewalt in seine Brust.

      Es kostete viel Kraft, übermenschlich viel Kraft,
      Nicht das Herz wieder herauszureißen
      Oder gar seine Seele,
      Doch das Kind wusste nun,
      Dass der Schmerz es nie von dieser Welt auslöschen,
      Sondern mit ihr verbinden würde.

      So lernte das Kind das Feuer zu zähmen,
      Das gutartige, erwärmende Feuer zu verteilen
      An vereiste Seelen,
      An vereiste Herzen.

      Die Vergangenheit des Kindes,
      Hallte in der Vergangenheit unzähliger anderer nach,
      Vor Glück weinend erkannte so das Kind,
      Dass es nie alleine war,
      Dass verbundene Seelen auch dem größten Schmerz standhalten.

      Nie wieder sollte das Kind nun sein Herz aufgeben,
      Denn wie soll es sein, wenn es nicht fühlt?

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