Schande-Gärtner

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    • Schande-Gärtner

      Ein greiser Mann, dessen weißer Bart über die Brust und die Hüfte, bis hin zu seinen Füßen wuchert, sitzt mit geschlossenen Augen und in sich versunken auf einem Baumstumpf in der Mitte eines Wäldchens.


      Stille ist das Wort, mit dem man den Wald beschreiben kann. Eine Ruhe, welche nicht einmal durch den Atmen des Mannes durchbrochen wird. Sie paart sich mit der kalten, trockenen Luft, die den alten Herren erschaudern lässt, doch nichts desto Trotz fühlt er sich wohl.
      Er stellt sich vor, wie sich die Gipfel der Bäume langsam und leise von der einen zur anderen Seite biegen, wie der Wind erst hinter dem Wäldchen beginnt seine ganze Kraft zu entfalten und jedes Reh, jeder Kauz, ja jedes Insekt ihn aus einiger Entfernung beobachtet und eben still die beschriebene Szenerie genießt. Niemand will sie brechen, diese Stille.
      Unter seinen nackten Füßen spürt er den Morast. Kalte Erde, Torf, ein wenig Gras und Farn, doch sonst ist alles beinah wie tot.
      Der Ast, dessen Brechen als Echo plötzlich durch den Wald hallt, ist nicht morsch, sondern kräftig und frisch. Wie ein mutiger Weckruf wirkt das Knacken des Holzes. Ein einzelner, schwarzer Vogel erhebt sich schwerfällig aus dem Gebüsch und zieht mit wenigen Flügelschlägen von dannen. Der Wind kämpft sich durch das Geäst jedes Baumes und Strauches, bis er den Greis erreicht hat und diesen mit schrillem, lautem Pfeifen auf das Ende einer Zeit vorbereitet.
      „Ich spür die Nachricht wohl, doch stört es mich nicht zu wissen, wer sie überbringt.“, flüstert der alte Mann und öffnet dabei vorsichtig seine Augen. „Und du bist dir sicher, du seist der Empfänger?“, entgegnet ihm eine junge weibliche Stimme, die aus allen nur erdenklichen Richtungen zu kommen schien. „Wenn man den Absender nicht kennt, ist die Wahrscheinlichkeit stets hoch, dass einen die Nachricht nicht erreichen sollte.“, fügt sie hinzu.
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