Ein Er

    • Ein Er

      Es schneit, es zeigt sich eine weiße Welt.
      Stille ist, der Schnee schluckt all das Laute.
      Er liebt diese Stille, und Schneefall wirkt auf ihn beruhigend.
      Nur manchmal da ist Totenstille, die ist für ihn beängstigend.

      Manchmal ist er überschwänglich glücklich,
      dann saugt er jeden Milliliter Leben in sich auf.
      Manchmal ist er unermesslich traurig,
      dann isst er nicht, dann ist er nicht und fürchtet sich.

      Manchmal umarmt er Jeden und die ganze Welt,
      voll Kraft, voll Mut, voll Gottvertrau`n und Zuversicht.
      Manchmal weint er bitterlich, enttäuscht und wie von Sinnen -
      wie konnte ihm das Leben nur so ahnungslos entrinnen?

      Er kennt dies` Bild schon länger ganz genau.
      Der Vater hat sich aus dem Staub gemacht,
      die Mutter sah erst spät in ihm den Sohn.
      Ein Gleichgewicht, das gab es nicht - gar nicht oder viel zu spät,

      das prägt, die Seele ist zersägt.
      Es gibt nur rechts und links, Lachen oder Weinen,
      glücklich oder traurig, früh oder spät,
      dazwischen wächst Grauen von Teufeln gesät.

      Die gold`ne Mitte kennt er nicht.
      Wie Rilkes Panther umschleicht er eine Mitte;
      erkennt sie nicht und lebt sie nicht
      und hält deshalb kein Gleichgewicht.

      Was der Verstand begreift, fühlt das Herz noch lange nicht.
      Es schneit, er liebt diese heilsame, durch Schnee bedeckte, Stille.
      Die Suche nach dem Ebenmaß bleibt immerfort für ihn besteh`n.
      Nun denn, noch will er den dicksten Schnee, Schritt für Schritt, begeh`n.

      Martin Heide

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