Steht

    • Steht


      Da hat einer wacker
      steine bewegt – diesen berg
      hang hin auf
      ihr wißt schon den da
      bei dem alles wieder runter
      rollt was man rauf
      rollt

      Die leber hat der gin
      gefressen – das tonic
      hat er gespart & den
      greif

      Vogel fliegen lassen da
      mit ihm die sonne die
      federn versengt:
      nun steht er schwer
      atmig breit beinig &
      röchelt seinen
      schmerz ans firmament
      Motto: "Gelegenheit.Macht.Dichtung"
      (c) Walther - Abdruck/Verwendung gegen vorherige Freigabe durch mich durchaus erwünscht!
      www.zugetextet.com

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Walther ()

    • Hallo Walther,

      wenn ich es richtig verstehe, schreibst du hier von Sisyphos, einer Figur der griechischen Mythologie. Meisterausbrecher, Aufersteh-Männchen, Schlitzohr …
      Doch am Ende nutzt ihm all seine Gerissenheit nichts … und er 'röchelt seinen Schmerz ans Firmament'.

      Deine Wort'spielereien' gefallen mir: Wacker/steine, Gin / Tonic ...

      Meine Lieblingszeilen:
      Die leber hat der gin
      gefressen – das tonic
      hat er gespart

      Camus (Der Mythos des Sisyphos) hat geschrieben, man müsse sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen denken … hm … da Lob ich mir dein Gedicht; das ist für mich (etwas) leichter zu verstehen.
      Auch bei deinen Zeilen muss ich mir Zeit lassen, sie Zeile für Zeile lesen, was ich sehr gern gemacht habe. Und ich kann mir die Fragen stellen, welche Sisyphosaufgaben ich zu stemmen, zu 'stehen' habe, welche die Welt etc. - Ein spannendes und bedenkenswertes Werk.

      Gern gelesen, gern sinniert.

      LG
      Berthold
      Ein großes Stück vom kleinen Kuchen -
      mehr ist es nicht wonach wir suchen.
    • Berthold schrieb:

      Hallo Walther,

      wenn ich es richtig verstehe, schreibst du hier von Sisyphos, einer Figur der griechischen Mythologie. Meisterausbrecher, Aufersteh-Männchen, Schlitzohr …
      Doch am Ende nutzt ihm all seine Gerissenheit nichts … und er 'röchelt seinen Schmerz ans Firmament'.

      Deine Wort'spielereien' gefallen mir: Wacker/steine, Gin / Tonic ...

      Meine Lieblingszeilen:
      Die leber hat der gin
      gefressen – das tonic
      hat er gespart

      Camus (Der Mythos des Sisyphos) hat geschrieben, man müsse sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen denken … hm … da Lob ich mir dein Gedicht; das ist für mich (etwas) leichter zu verstehen.
      Auch bei deinen Zeilen muss ich mir Zeit lassen, sie Zeile für Zeile lesen, was ich sehr gern gemacht habe. Und ich kann mir die Fragen stellen, welche Sisyphosaufgaben ich zu stemmen, zu 'stehen' habe, welche die Welt etc. - Ein spannendes und bedenkenswertes Werk.

      Gern gelesen, gern sinniert.

      LG
      Berthold
      Lb Berthold,

      danke fürs reinlesen. sprache ist zum malen, spielen und freude daran haben da. leider wird sie auch noch mißbraucht, für krieg, schmerz zufügen und andere schlimme dinge.

      wir poeten müssen die guten geister der sprache, ihre umsorger sein.

      danke, daß du dabei bist!

      :wbb_w_xmas12: lg W.
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    • Hallo Walther,

      die Wackersteine lagen dereinst auch dem bösen Wolf schwer im Magen,
      ebenso frisst stetes Heben von Hochprozentigem die Leber auf, die aber bei
      uns irdischen Kleingeistern nicht mehr nachwächst.
      Das

      „… schwer
      atmig breit beinig &
      röchelt seinen
      schmerz ans firmament“

      ordne ich -im übertragenen Sinn- mal der geschundenen Erde zu, die hin und wieder Aschewolken in
      den Himmel stößt.

      Ein Text der einiges an- und ausstößt.



      Gern gelesen und LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • Perry schrieb:

      Hallo Walther,

      die Wackersteine lagen dereinst auch dem bösen Wolf schwer im Magen,
      ebenso frisst stetes Heben von Hochprozentigem die Leber auf, die aber bei
      uns irdischen Kleingeistern nicht mehr nachwächst.
      Das

      „… schwer
      atmig breit beinig &
      röchelt seinen
      schmerz ans firmament“

      ordne ich -im übertragenen Sinn- mal der geschundenen Erde zu, die hin und wieder Aschewolken in
      den Himmel stößt.

      Ein Text der einiges an- und ausstößt.



      Gern gelesen und LG
      Perry
      hi Perry,

      danke für deine interpretation, die zeigt, daß man die mythologischen wurzeln des texts nicht zu nennen braucht, um ihm nachzuspüren. anstoßen sollte mein gedicht - es ist schön zu hören, daß es das tat ...

      lg W.
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      (c) Walther - Abdruck/Verwendung gegen vorherige Freigabe durch mich durchaus erwünscht!
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    • Walther schrieb:

      Steht


      Da hat einer wacker
      steine bewegt – diesen berg
      hang hin auf
      ihr wißt schon den da
      bei dem alles wieder runter
      rollt was man rauf
      rollt

      Die leber hat der gin
      gefressen – das tonic
      hat er gespart & den
      greif

      Vogel fliegen lassen da
      mit ihm die sonne die
      federn versengt:
      nun steht er schwer
      atmig breit beinig &
      röchelt seinen
      schmerz ans firmament
      .
      Hallo Walther,

      lass ich mal meinen mythologisch ironischen Böewinden freien Lauf , ;)

      Wehrt sich hier [ letztlich aussichtslos ] der Berg Olymp quasi gegen die Hurerei und Sauferei der selbstverliebten und selbsternannten Götter, die sich diesen Berg zu eigen machten, speit Olymp immer mal wieder erwehrend und ablehnend gegen ... seinen Rauch aus, nützt es leider nichts, die Zeus-Melange scheint den mächtigeren Arm zu besitzen,

      ja umso mehr, amüsierten sich die oberen Götter über das immer wieder Feixen des Berges [ hier quasi dafür das Sisyphos-Bild des sinnlosen Versuchens und Tuns ] und lassen sein gegen_Begehren, sein Speien quasi wie Ikarus in der Sonnenglut verglimmen.

      Walther, hi hi, hat mir dieser myth-ironie'eske denk_Trip aus deinem Text heraus echt Freude bereitet, selbst, wenn's einzig meine Kopfspielerei bedeutete , :) ... dir wieder ein Tschüss, Dichtel ...

      sehr fein frei-rhythmisch gewortet , :) ... allein schon dieses Wortespiel mit: (W)wacker und Steine


      ... ach ja, und zu dem Titel: Steht

      lassen die Götter dem Berg trotz und dennoch seine Existenz, würden sie sich ja sonst ihrer eigenen Behausung berauben ...

      -
      Gabel im Mund / nicht so hastig

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Dichtel ()

    • Dichtel schrieb:

      Walther schrieb:

      Steht


      Da hat einer wacker
      steine bewegt – diesen berg
      hang hin auf
      ihr wißt schon den da
      bei dem alles wieder runter
      rollt was man rauf
      rollt

      Die leber hat der gin
      gefressen – das tonic
      hat er gespart & den
      greif

      Vogel fliegen lassen da
      mit ihm die sonne die
      federn versengt:
      nun steht er schwer
      atmig breit beinig &
      röchelt seinen
      schmerz ans firmament
      .Hallo Walther,

      lass ich mal meinen mythologisch ironischen Böewinden freien Lauf , ;)

      Wehrt sich hier [ letztlich aussichtslos ] der Berg Olymp quasi gegen die Hurerei und Sauferei der selbstverliebten und selbsternannten Götter, die sich diesen Berg zu eigen machten, speit Olymp immer mal wieder erwehrend und ablehnend gegen ... seinen Rauch aus, nützt es leider nichts, die Zeus-Melange scheint den mächtigeren Arm zu besitzen,

      ja umso mehr, amüsierten sich die oberen Götter über das immer wieder Feixen des Berges [ hier quasi dafür das Sisyphos-Bild des sinnlosen Versuchens und Tuns ] und lassen sein gegen_Begehren, sein Speien quasi wie Ikarus in der Sonnenglut verglimmen.

      Walther, hi hi, hat mir dieser myth-ironie'eske denk_Trip aus deinem Text heraus echt Freude bereitet, selbst, wenn's einzig meine Kopfspielerei bedeutete , :) ... dir wieder ein Tschüss, Dichtel ...

      sehr fein frei-rhythmisch gewortet , :) ... allein schon dieses Wortespiel mit: (W)wacker und Steine


      ... ach ja, und zu dem Titel: Steht

      lassen die Götter dem Berg trotz und dennoch seine Existenz, würden sie sich ja sonst ihrer eigenen Behausung berauben ...

      -
      Lb Dichtel,

      du formulisierst und spintisierst wieder nachdenkliches - vielen lieben dank dafür. bei deinen kommis habe ich manchmal das gefühl, sie sind besser als der ursprungstext - hier auch wieder.

      natürlich sind die lieben götter immer auch schwerenöter. nur haben sie eben die muckis, und der schwache mensch das nachsehen. aber Prometeus wird erlöst, allerdings muß sich Chiron dafür opfern.

      lg W.

      Luise Maus schrieb:

      Hallo Walther,

      Wackersteine im Bauch
      Leber hat zu tief geschaut
      und Phönix der auf
      seinem Höhenflug zuviel wollte

      Eine Bauchlandung par excellence.

      Toller Text

      LG Luise
      Lb Luise,

      danke für deine enträstselung der bilder. viele der mythen und sagen enthalten wie die märchen weises, wahres und kluges. der mensch hat sich nicht sehr geändert über die generationen. manchmal sollte man sich das ins gedächtnis rufen.

      lg W.
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    • Hallo Walther,

      für diesen Text habe ich mir ein wenig Zeit gelassen und bin meinen Gedanken nachgehangen, die mich in die „Sinnentlosigkeit“ des Lebens, in seiner unreflektierten alltäglichen Form, führten und sich nun die Frage stellt:
      Wie der Mensch, als gefühls- und vernunftsbegabtes Wesen, mit dieser Erkenntnis umgehen kann.

      Nun schaue ich mal, wo dieser Text mich hinführt und welche Fragen er auf der Folie des Sisyphos-Bildes stellt.

      Ich fange mal beim Titel an. Er greift hinein in die letzte Strophe: dort steht der Mensch, breitbeinig, schwer atmend und röchelt seinen Schmerz ins Firmament.

      Was genau sein Schmerz ist, entnehme ich der ersten Strophe, dem Sisyphos-Bild: Da ist einer in einer Tätigkeit verfangen, die keinen Erfolg verspricht und dennoch beginnt er sie immer von neuem. Welch eine Absurdität.

      Wofür steht dieses Sisyphos -Bild? Es leuchtet das Dasein des Menschen auf dieser Welt aus:
      Das DaSein eines „Suchenden“, der ohne Antwort auf die letzte Sinn-Frage bleibt und ohne Erfüllung seines Glücks-Verlangens.

      Der (Gefühls)-Mensch sucht nach Glück, das innere Verlangen danach ist in ihm verwurzelt und er spürt in dieser Suche die Monotonie und die Kälte der Welt. Der (Vernunfts)-Mensch sucht nach Wahrheiten und Gewissheiten, nach Welt-Verstehen und dem Sinn seines Lebens auf dieser Welt. Die einzige Gewissheit, die er findet, ist der Tod.

      Seine Suche nach einem „Warum“ trifft auf ein Schweigen der Welt. Darin liegt eine Absurdität und die Erkenntnis dieser Absurdität ist eine Bürde.

      Ich kann sie verdrängen, mit Gin und anderem (so lese ich Strophe 2), erfolglos, aber nicht ohne Folgen.

      Oder ich kann „Aufwachen“ und mit dieser Absurdität leben. Damit raube ich den Dingen den trügerischen Schein eines Sinns, mit dem ich sie umgeben habe. Verweise damit auch die „Hoffnung“ auf einen wackligen Stuhl.

      Hier ordne ich für mich die „Greifvogel“-Strophe ein. (das muss gar nicht deine Textintention gewesen sein), aber für mich steht sie für die Flucht in transzendente Hoffnungslehren.

      Die Sonne selbst nimmt diesem Trug-Vogel die Möglichkeit in „Paradiese“ zu fliehen und lässt ihn flügellos auf die Erde zurückfallen in seine bescheidene Bedingtheit.

      Zurück bleibt der Mensch, der Da-Steht, mitten in seiner eigenen Absurdität, der Kluft zwischen seinem „Verlangen nach Glück, dem Suchen nach Sinn“, zwischen Vernunft und Unvernunft. Diesem Zwiespalt, dieser Absurdität Sinn zu geben, geschieht einzig dadurch, dass er sie anerkennt, indem mit ihr lebt und sich Tag für Tag mit seinem Tun gegen sie auflehnt.

      Unser Schicksal und unsere Würde, die Anerkennung des Absurden zu bejahen, in Auflehnung DA zu STEHEN und nicht in Resignation.

      Walther, du siehst, dein Text hat mich ganz tief in eine Auseinandersetzung mit meinem DA in der Welt geführt. Und das einzige Wort, was mich stört, ist das Wort „röchelt“.


      Walther schrieb:


      Vogel fliegen lassen da
      mit ihm die sonne die
      federn versengt:
      nun steht er schwer
      atmig breit beinig &
      röchelt seinen
      schmerz ans firmament


      Der Mensch, der seinen Trug-Vogel „Hoffnung“ fliegen lässt, damit ihm die Sonne die Federn raubt, ja, der steht, auch wenn er schwer atmet, „breitbeinig“ da (ich deute das: fest und erdverbunden). Und er mag auch röcheln, weil er sich täglich diesem Erden-Schicksal stellt, aber seine Würde ist für mich der sich aufbäumende Schrei.
      In meinem Kopf lese ich: & stößt seinen Schmerz (oder & schreit seinen Schmerz) ans firmament.

      Walther, gerne gelesen.
      Noch einen letzten Gedanken: Die Poesie nimmt die Ungewissheit zwischen ihre Zeilen.

      LG.Tintenschnee
    • lb Tintenschnee,

      zuerst ganz herzlichen dank für deine sehr einfühlsame, detaillierte, ausführliche und kenntnisreiche besprechung. ich habe daher etwas zeit gebraucht, um sie zu "verarbeiten".

      meine texte, auch dieser, sollen solche assoziationsgewitter, wie du deines hier vorträgst, auslösen. das ist das poet(olog)ischen konzept hinter ihnen. es ist daher eine große ehre für mich - und sehr wichtig -, ein solches erlebnis einmal lesen und damit erfahren zu dürfen.

      das faszinierende an dieser technik ist für mich, daß jeder leser immer wieder neues und anderes entdeckt, auch dann, wenn der text nach einer gewissen weile nochmals gelesen wird. das hat man mir bereits berichtet. nicht alle meine versuche schaffen diese anregung zur reflexion. dazu müssen sie irgendwie etwas haben, was ihr erhofftes rückkoppeln auslöst.

      ich habe dieses etwas noch nicht herausdestilliert, aber über die zeit komme ich einer leisen ahnung, die stück für stück konturen gewinnt, immer näher. dein eintrag hat mir dazu sehr geholfen.

      zum inhalt: ich habe insgesamt - je nachdem, wie man es sieht - zwischen drei und fünf griechische mythen verarbeitet. das schöne ist, daß man die mythen nicht im detail erinnern oder kennen muß - die bilder versteht man dennoch. das freut und überrascht mich zugleich.

      lg W.
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    • Neu

      tintenschnee schrieb:

      Walther, es freut mich, wenn du meine Gedanken als eine von vielen Leserassoziation dem Text hinzufügen kannst.
      Ich habe mich über deine Antwort gefreut.

      LG Tintenschnee
      Lb Tintenschnee,

      ich habe dir zu danken! dein feedback ist für mich sehr sehr wichtig!

      lg W.
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