Die Novizin

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    • Gestern war ich ja im Kloster in E: bei der feierlichen Einkleidung einer Novizin. Die Vornamen sind Pseudonyme und nicht die realen Namen der erwähnten Personen im folgenden Gedicht, das heut morgen unter dem Eindruck der gestrigen Erlebnisse entstand:


      Die Novizin


      Festliche weiße Bluse,
      schwarzer Rock dazu,
      so schreitet sie zum Altar.
      Die Augen groß und leuchtend
      Und gleichzeitig voller Entschlossenheit und Ernst.
      Sie ist bereit.
      Sie ist bereit sich hinzugeben – sich Gott ganz hinzugeben.
      Ihre ganze Haltung strahlt das aus.
      Ihr Gehen, Schreiten, der Rhythmus ihrer Schritte.
      Die Schultern gerade,
      der Kopf emporgehoben zum Himmel, aber nicht angespannt,
      sondern locker und freudig, natürlich.
      Als ob es die natürlichste Sache der Welt wäre eine Nonne zu werden.


      Die letzten Minuten als Melanie Weiß sind angebrochen,
      gleich, gleich wird sie Um Aufnahme bitten in den Orden der Franziskanerinnen.
      Sie wird ihre Tracht empfangen und das hölzerne Kreuz der Novizin.
      Sie wird das Versprechen ablegen, ab nun Jesus noch ernster und konsequenter nachzufolgen als bisher, den Menschen zu dienen, sich zurückzunehmen in allem.


      Eine große, große Auf-gabe wartet ihrer.
      Sie wird dieser Aufgabe gerecht zu werden suchen in der Gemeinschaft ihrer Schwesternschaft.
      Sie ist sich so sicher, es ist ihr Weg.
      Gott hat sie gerufen und sie antwortet mit der Umorientierung ihres bisherigen Lebens.
      Gleich, gleich ist es soweit.
      Der Chor singt schon:
      Da wohnt ein Sehnen tief in uns o Gott,
      nach Dir
      dich zu sehn.
      Dir nah zu sein.


      Und jetzt ist der Augenblick gekommen!
      Die Oberin und ihre Noviziatsleiterin
      Schwester Friederike und Schwester Myriam stehen ihr am Altar gegenüber.
      Sie steht vor ihnen, ihre Füße wirken fest verwurzelt mit der Erde,
      der Blick ist zielgerichtet und entschlossen auf das Kreuz geheftet,
      Die Oberin schaut Melanie an und fragt sie ernst:
      Willst Du künftig als Schwester unserer Gemeinschaft Gott und den Menschen dienen, die Liebe zum Ziel Deines Lebens machen, allezeit nach Gottes Willen suchen und ihm allein in allem die Ehre gehen?
      Willst Du in Gehorsam Deinen Weg gehen in unserer Gemeinschaft, auf Dein Herz hören und Gott suchen in allem?
      Eine kleine Pause entsteht, Schweigen ein kurzes, die Gemeinde hält den Atem an und dann:
      Ertönt ein jubelndes, festes von Herzen kommendes JA! Ich will von Melanie.


      Darauf überreicht Schwester Friederike ihr das schwarze Ordenskleid und den weißen Schleier die Tracht der Franziskanerinnen.
      Melanie empfängt und trägt das Kleid und den Schleier triumphierend, während sie unter dem Halleluja der Gemeinde die Kirche verlässt , um ihre weiße Bluse und den schwarzen Rock abzulegen und die Ordenstracht anzuziehen.


      In der Kirche ist es jetzt 10 Minuten während dessen stille, nur ab und zu ein Räuspern und ein Flüstern von Gemeindemitgliedern, die die lange Stille nicht aushalten.
      Dann, dann ist es soweit!
      Man hört, auch ohne zu sehen, wie die Kirchentür hinten aufgeht und
      Es ist wirklich wahr!
      Ein neuer Mensch betritt, flankiert von Schwester Friederike und Schwester Myriam, das Kirchenschiff.
      Melanie ist auf den ersten Blick nicht wiederzuerkennen.
      Jetzt ist die kleine Prozession erneut am Altar angelangt und!
      Die Oberin spricht der Novizin ihren neuen Namen zu.
      Nicht mehr Melanie sollst Du heißen rezitiert sie, sondern
      Schwester Maria Therese.


      Schwester Maria Therese!
      Viel ist äußerlich geschehen in diesem feierlichen Gottesdienst.
      Eine Frau legt ihre weltlichen Kleider ab, empfängt die Tracht und einen neuen Namen.


      Bewegend, einfach bewegend, die Worte des Evangeliums so sichtbar zu er-leben:
      Das Alte ist vergangen, siehe alles ist neu geworden.


      Zwar erst mal nur äußerlich.
      In äußeren Zeichen und das Noviziat wird zeigen,
      ob die Seele von Schwester Therese sich beugen darf unter die Gnade Gottes
      und immer mehr, die werden darf, wie Gott sie sich gedacht hat.


      Mögen der Liebe und Gnade Gottes weder Menschen noch Kirchenvorschriften
      Ins Handwerk pfuschen
      Das ist mein Wunsch und mein Gebet für Schwester Therese.
      Gottes reicher Segen sei mit ihr.
      Aus Mauern durchbrochen von Türen und Fenstern, baut man ein Haus. Aber der Leerraum -
      das Nichts - macht es erst bewohnbar.
      So ist das Sichtbare zwar von Nutzen, doch das Wesentliche bleibt unsichtbar. Laotse
    • Hallo Montag,

      das Klosterleben kenne ich recht gut. Ich ging in eine Klosterschule, seinerzeit nur für Mädchen und war einmal bei einer Profess dabei. Später habe ich in einem kleinen von Nonnen geleitetem Stift gearbeitet. Dort habe ich alle Facetten des Nonnenleben mitbekommen.
      Wie du schon schriebst, solch ein Eintritt und dem Abschwören allem Weltlichen ist ein sehr bewegender und emotionaler Moment den du schön beschrieben hast.

      LG Luise
      Immer den Kopf hoch und lächeln
    • Sehr schöner Erlebnisbericht, so bildhaft beschrieben das man als leser das gefühl hat dabei gewesen zu sein ;o)

      Montag schrieb:

      Eine große, große Auf-gabe wartet ihrer.
      Für mich persönlich wäre das wohl nichts, dieses "aufgehen" in einer gemeinschaft, vielleicht fehlt mir auch einfach nur der glaube ;o)
      Ich kann aber gut nachvollziehen das es menschen gibt die das starke bedürfniss empfinden gerade diesen weg zu gehen und hege respekt für solch eine entscheidung.
      Wie bei so vielem wird erst die zukunft zeigen wie richtig diese entscheidung war denn letztendlich gilt wohl auch hier die einfache losung: "es kommt drauf an was man draus macht" ;o)
      Von mir jedenfalls die besten wünsche für schwester maria-therese ;o)
      Ein Gruß zum Schluss,

      Uloisius
    • Liebe Luise,


      Das ist ja interessant, dass Du das Klosterleben so gut kennst. Ich bin ja evangelisch und für mich war es absolutes Neuland. Ja, es war für mich ein sehr, sehr eindrückliches Erlebnis und da musste ich natürlich dichten, wie immer, wenn mich was bewegt.
      Aus Mauern durchbrochen von Türen und Fenstern, baut man ein Haus. Aber der Leerraum -
      das Nichts - macht es erst bewohnbar.
      So ist das Sichtbare zwar von Nutzen, doch das Wesentliche bleibt unsichtbar. Laotse
    • Lieber Ulosius!

      Uloisius schrieb:

      Sehr schöner Erlebnisbericht, so bildhaft beschrieben das man als leser das gefühl hat dabei gewesen zu sein ;o)
      Danke schön! Das hast Du schön ausgedrückt.
      Nein, für mich wäre ein Aufgehen in einer Gemeinschaft auch nichts, obwohl ich stark in Gott verwurzelt bin. Aber es ist einfach nicht mein Weg.
      Schwester Thereses Weg ist es jedoch, das hat man so gespürt. Und mir geht es, wie Du ich habe auch voll Respekt vor Menschen, die diesen Weg gehen. Obwohl ich auch da manche Kritik dran habe. Es menschelt halt überall , auch im Kloster und nicht alles, was da geschieht, wie überall halt, ist Gottes Wille. Möge Schwester Therese ein Gespür und eine Intuition dafür entwickeln dürfen, welchen Weg sie Gott führen will und nicht die Menschen.
      Und auch ich wünsche Schwester Therese alles, alles Gute, viel Kraft und Weisheit.
      Aus Mauern durchbrochen von Türen und Fenstern, baut man ein Haus. Aber der Leerraum -
      das Nichts - macht es erst bewohnbar.
      So ist das Sichtbare zwar von Nutzen, doch das Wesentliche bleibt unsichtbar. Laotse
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