nørre lyngvig

    • nørre lyngvig

      auf dem kaminsims steht die hölzerne
      nachbildung des leuchtturms von dem
      wir lichtsignale ins ungewisse schickten

      nun rollt aus der ferne der winter heran
      streut mit weitausholender hand schnee
      über das von dünen geschützte land

      mit schwung fällt die axt den stamm
      zerteilt das eingeritzte herz in scheite
      unvergessen wärmender momente
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • Perry schrieb:

      auf dem kaminsims steht die hölzerne
      nachbildung des leuchtturms von dem
      wir lichtsignale ins ungewisse schickten

      nun rollt aus der ferne der winter heran
      streut mit weitausholender hand schnee
      über das von dünen geschützte land

      mit schwung fällt die axt den stamm
      zerteilt das eingeritzte herz in scheite
      unvergessen wärmender momente
      Lieber Perry,

      hach, wem fiele hier nicht Lyngvig Fyr ein, dieser schnucklige Leuchtturm an der dänischen Nordseeküste. Und der Søndervig *schmelz. Hinzu kommt der hereinbrechene Winter, der die Dünen überstäubt - auch das ein wunderbarer Anblick.
      Das Gedicht beschränkt sich allerdings nicht auf das Naturbild, berichtet vielmehr anhand von Metaphern über abgekühlte Gefühle, in gewisser Weise auch über weitere bekannte Metaphern.
      Auf dem Kaminsims, der dir wohl für Wärme und Traulichkeit steht, gibt es eine Nachbildung dessen, was einmal Liebe war und hoffnungsvoll Licht ins Dunkel sendete, vielleicht auch jetzt noch verhalten funkt. Überrollt von einer übergroßen Macht, dem nahenden Winter (sehr schön, wie du im Bild des Wassers bleibst / "rollen"), erliegt das geschützte Land.
      Am Ende wird selbst das Herz Opfer winterlicher Tätigkeiten - es wird zerhackt, zerteilt, zerstört.
      In den Schlussversen kehrst du zum Anfang deines Gedichts zurück, schließt den Bogen zum beheizten Kamin, der eben diese (?) zerhackten Scheite in Flammen aufgehen lässt.
      Lichtsignal zu Lichtsignal.
      In meinen Augen ein besonders schönes, kunstvoll verdichtetes und poetisches Gedicht.

      Applaudierende Grüße
      Jack
      Mein Maul ist ein Löwe / mein Herz ein Kaninchen;
      von fern bin ich Zora / von Nahem: Sabinchen.

      (Simone Borowiak)
    • Hallo Jack,
      dein Kommentar wärmt natürlich mein Dichterherz, denn nichts freut einen Schreiber mehr, als eine treffende Reflexion seiner Intentionen. Gerade in der dunklen Jahrenzeit kommen die Erinnerung an schöne Zeiten wieder hoch und wärmen die fröstelnde Seele. In dem schwungvollen Axtschlag liegt (wenn auch versteckt) der Wille mit der Wärme der Erinnerung den Aufbruch in einen neuen Frühling zu wagen.
      Danke für deinen wertschätzenden Komm und LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
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