Die Ballade vom Schicksal

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Die Ballade vom Schicksal

      Die Ballade vom Schicksal

      …Sonne…Staub…Wind…!
      Im Flimmern der Hitze auf staubigem Grund
      Die Hände voll Schwielen, ein Tuch vor dem Mund
      Da stand ein böser Mann mit mürrischem Blick
      Ihm zu Füßen zerrißen das Stück vom Strick

      Ein Röcheln und Keuchen drang nun an sein Ohr
      Denn aus der Schlinge schaut` der Kopf noch hervor
      Der alte konnt`s beileibe nicht glauben
      Das Leben wollt die Rache ihm rauben

      Unlängst da hatten sich Geier erhoben
      Sie schwebten weit hoch und starrten zu Boden
      Als der Mann aus Wut zu lachen begann
      Und ihm der Schweiß aus allen Poren rann

      Ein Fluch auf den Lippen zum Pferde er eilt`
      In den Taschen ein neuer Strick noch verweilt`
      Und mit flinken Fingern den Knoten knüpft`
      So die Schlinge neu um den Halse schlüpft`

      Der künftig Tote begann schon zu taumeln
      Dem Ende gewahr, im Wind sollt` er baumeln
      Doch wie`s das Schicksal dem Bösen vergällt
      Sein Opfer erneut hier zu Boden fällt

      Dem Wahnsinn nah, sofort die Götter verflucht
      Hat um Hilfe dann alle Teufel ersucht
      Da zog er den Colt und er zielte bloß
      Drückte…doch der Schuss ging nach hinten los

      Vom Pulver geschwärzt war sein zweifelnd` Gesicht
      Sollt` das Schicksal verhindern dies Standgericht
      Und es kam die Frage >was tu ich hier?<
      >Trotz Sonn` im Himmel im Herzen ich frier!<

      So im Staube er nun auf die Knie ging
      Erkenntnis sich also in seinen Geiste hing
      >Böses verachten, zum Guten bereit<
      Und der Bube war vom Tode befreit

      Als neuer Mensch gebor`n stand auf er dann
      Ob neuen Mutes sich auf sein Pferde schwang
      Und wie im Sande nun die Zeit verrinnt
      Ritt er davon durch Sonne, Staub und Wind!




      "Dichtung ist keine Meinung, die man äußert. Es ist ein Gesang, der sich aus einer blutenden Wunde oder einem lächelnden Mund erhebt." (Khalil Gibran)

      [/(Alle Gedichte entspringen meiner poetischen Quelle und unterliegen dem Urheberrecht)/]

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Homo_Ingenuus ()

    • Der Inhalt wieder sehr stark...aber immer noch muss ich den mahnenden Zeigefinger erheben und auf das Metrum verweisen.

      Außerdem:

      "So im Staube er nun auf die Knie ging
      Erkenntnis sich also in seinen Geiste hing"

      Müsste es nicht seinem heißen? Bzw. der Satz macht eher wenig Sinn oder ist schlecht gewählt.
      Sollte ich allerdings den Grund für die Verwendung dieses Satzes nicht erkannt haben, bitte ich um Aufklärung.

      Freienweide
    • ;) du darfst gerne entsprechende Stellen mit holperndem Metrum aufzeigen, somit ich gegebenenfalls Anpassungen vornehmen kann. Andersweitig wirkt die "Kritik" haltlos - so ganz ohne Beispiel.

      Die Erkenntnis wird, wie soll ich sagen, leicht personifiziert, insofern "sie" sich "in" etwas hinein hängen kann. Der Satz wurde allerdings leicht modifiziert, da die alte Fassung damals als Zeile Überlänge aufwies.
      Wie genau fasstes du den Satz auf, wenn du meinst, er mache "wenig Sinn"?
      Viele Rückschläge bei der geplanten Hinrichtung, es stellen sich tiefergehende Fragen, auch jene nach dem Sinn des Bösen, und ob nicht doch das Gute die bessere Wahl wäre. Eine Erkenntnis also, die ins Bewusstsein, in den Geist vordrang und haften blieb...hängen blieb...
      "Dichtung ist keine Meinung, die man äußert. Es ist ein Gesang, der sich aus einer blutenden Wunde oder einem lächelnden Mund erhebt." (Khalil Gibran)

      [/(Alle Gedichte entspringen meiner poetischen Quelle und unterliegen dem Urheberrecht)/]
    • Hmhm, die letzte Strophe der Ballade war, vor allem diese beiden Zeilen, ein kleiner Knackpunkt des Werks, das erkanntest du richtig. Allerdings ist auch die gerade aktuelle Version lediglich temporär, sprich es wird von Zeit zu Zeit daran gefeilt (wie an eigentlich allen Werken, denn mit der Zeit kommt die Erfahrung, Verse und Rhythmen werden aus anderer Perspektive betrachtet).

      Du bist ziemlich auf Metren fixiert, kann das sein? Du darfst mir gerne Satzbau-Vorschläge machen, insofern es in deinem Bereich des Möglichen liegt. Konstruktive Kritik solcher Art nehme ich immer gerne an, wächst man ja gerade daran, nicht?
      (Mich irrititieren oft Kommentare, die zwar verbesserungswürdige Aspekte eines Werkes aufzeigen, aber dennoch keine Verbesserungsvorschläge bieten... nicht falsch verstehen: Ich will lernen :) )
      "Dichtung ist keine Meinung, die man äußert. Es ist ein Gesang, der sich aus einer blutenden Wunde oder einem lächelnden Mund erhebt." (Khalil Gibran)

      [/(Alle Gedichte entspringen meiner poetischen Quelle und unterliegen dem Urheberrecht)/]
    • Hallo Homo Ingenuus,

      habe mir deine 'Westernballade' zum Kommentieren herausgesucht. ;)

      *******

      Zweimal versucht das LI ein LD zu erhängen, doch beide Mal reißt der Strick. Dann eben erschießen; doch der Schuss geht 'nach hinten los'. Schicksal? Das LI beginnt zu zweifeln, gelangt zu der Erkenntnis, fortan Gutes zu tun, schwingt sich auf sein Pferd und reitet los …
      Eine gute Idee, sie gefällt mir.
      Sechs Strophen lang müht sich der Bösewicht redlich, aber vergeblich sein Opfer zu töten. Eine Strophe widmest du dem Zweifel, eine Strophe der Umkehr und eine Strophe dem Ausklang. Nach meiner Einschätzung könntest du die Hinrichtungsversuche des LI verknappen und stattdessen die Figurenzeichnung, den aufkeimenden Zweifel, vielleicht einen Dialog o.ä. einbauen. Allgemein formuliert: Elemente einbauen, die einen Konflikt verdeutlichen und die Spannung erhöhen.

      Du schreibst neun Strophen zu vier Versen im Paarreim. Die Reime passen, das Versmaß wechselt häufig. Die Betonung der Versanfänge ist uneinheitlich, die der Versenden stimmig.

      Homo Ingenuus, der Kommentar zeigt dir meine Sicht auf dein Werk. Wenn du damit etwas anfangen kannst, freut mich das, wenn nicht – ab damit in die Tonne. :!:

      *******

      Die den Strophen vorangestellten Worte 'Sonne, Staub, Wind' halte ich für entbehrlich (Redundanz), da zum einen der erste Vers der ersten Strophe bereits 'Hitze' und 'Staub' beinhaltet, zum anderen der Wind in deiner Ballade keine Rolle spielt.

      1. Strophe
      Im Flimmern der Hitze auf staubigem Grund
      Die Hände voll Schwielen, ein Tuch vor dem Mund
      Da stand ein böser Mann mit mürrischem Blick
      Ihm zu Füßen zerrißen das Stück vom Strick

      In den Versen drei und vier stimmt das Metrum nicht mit dem der ersten beiden Verszeilen überein. (Du kannst das Metrum natürlich ändern wie es dir beliebt, aber es liest sich m.E. nicht gut.) Passen würde zum Beispiel:
      steht fluchend der Böse mit mürrischem Blick
      zu seinen Füßen ein Stück von dem Strick

      Unter dem Gesichtspunkt der Logik ist es für mich nicht nachvollziehbar, wie ein Stück von dem gerissenen Strick zu Boden fallen kann. Ein Teil des Strickes sollte an einem Galgen, an einem dicken Ast o.ä. baumeln, der andere Teil um den Hals des Opfers liegen. Oder?

      RS: 'zerrissen' statt 'zerrißen'


      2. Strophe
      Ein Röcheln und Keuchen drang nun an sein Ohr
      Denn aus der Schlinge schaut` der Kopf noch hervor
      Der alte konnt`s beileibe nicht glauben
      Das Leben wollt die Rache ihm rauben

      Hier wechselst m.E. in der zweiten und dritten Verszeile das Metrum.

      'Aus der Schlinge hervorschauen', das funktioniert einfach nicht. Wenn das Opfer zum Beispiel eine Kapuze tief ins Gesicht gezogen trüge, könnte es unter der 'hervorschauen'.

      Die Konjunktion 'denn' gibt Begründungen an für … (was auch immer.) Zu keuchen oder zu röcheln ist jedoch m.E. kein plausibler Grund dafür, dass des Buben 'Kopf aus der Schlinge hervorschaut'. Ich meine, 'denn' passt hier einfach nicht.

      RS: 'Der Alte' statt 'Der alte'

      Der Inhalt der vierten Verszeile ist kryptisch bzw. sehr unpräzise formuliert. 'Das Leben raubt Rache'? Wie soll ich mir das vorstellen? - Das Leben lauert hinter einem großen Baum, den Revolver in der Hand, das Halstuch vor das Gesicht gezogen. Da kommt auf einem Klepper ein betrunkener Cowboy angeritten, die Satteltaschen voller Rache … (Ich weiß, dass ich hier Unfug schreibe, aber es war deine Verszeile, die diese Bilder entstehen ließ.)
      Eher:
      Das Schicksal versagt ihm, sich zu rächen. / Die Götter wollen nicht, dass er seinen Rachedurst stillt … o.ä.


      3. Strophe
      Unlängst da hatten sich Geier erhoben
      Sie schwebten weit hoch und starrten zu Boden
      Als der Mann aus Wut zu lachen begann
      Und ihm der Schweiß aus allen Poren rann

      In dieser Strophe ist die Betonung des Versanfangs m.E. uneinheitlich.
      In der ersten Verszeile betont, in der zweiten bis vierten Verszeile unbetont (bei der dritten Verszeile bin ich mir nicht sicher!)

      Was den Handlungsverlauf anbelangt, stagniert deine 'Geschichte' in dieser Strophe. Geier tauchen auf, kreisen in der Luft und verschwinden wieder aus der Handlung. Das LI schwitzt und ist wütend. Die Wut des LI halte ich für handlungsrelevant, den Rest für entbehrlich. - Hier sehe ich Kürzungspotential.


      [Die Strophen vier bis sechs lasse ich außen vor. Es fehlt mir die Zeit.]


      8. Strophe
      So im Staube er nun auf die Knie ging
      Erkenntnis sich also in seinen Geiste hing
      >Böses verachten, zum Guten bereit<
      Und der Bube war vom Tode befreit

      In der ersten Verszeile sind gleich zwei Füllwörter: 'so' und 'nun'. Der Satzbau ist, wohl dem Reim geschuldet, arg verbogen; auch in der folgenden Verszeile. Was den Inhalt betrifft, so ist der zumindest unscharf. Ich glaube, du meinst sinngemäß: Der Bösewicht kniet auf dem staubigen Boden der Prärie? Oder?
      Das Adverb 'also' passt nicht. Ihm fehlt ein sinnhafter (Rück-)Bezug. (Weder der Staub, noch das Auf-die-Knie-Sinken sind Ursache für den 'Erkenntniszuwachs' bzw. haben diesen zur Folge.)

      Die Betonung am Versanfang ist uneinheitlich, das Metrum wechselt.


      Hier nun hat das LI sein 'Damaskuserlebnis'. 'Erkenntnis hängt sich in seinen Geist'. Diese Erkenntnis lautet: 'Böses verachten, zum Guten bereit'. Ist allerdings für meinen Geschmack ein wenig überraschend, weil unmotiviert (Deus ex machina). Ein konkretes Ereignis, einen konkreten Grund für die Wandlung des LI nennst du (leider) nicht. - Ja, in der siebten Strophe beginnt das LI zu zweifeln und hadert mit seinem Schicksal. Da aber die Wandlung des LI innerlich verläuft, und ich davon lediglich das 'Frieren im Herzen' mitbekomme, fällt es mir sehr schwer bzw. müsste ich dir einfach glauben – dass sie passiert ist. Dieser Prozess bzw. diese Wandlung sollte m.E. das Kernstück deiner Ballade sein ...


      Den Titel deiner Ballade halte ich für passend. Der Bösewicht ändert sein 'Schicksal', da er schlussendlich darauf verzichtet, den mehrfach versuchten Mord auszuführen.


      Mein Fazit:
      Eine gute Idee.
      Ein Gedicht mit Potential. Ein Gedicht mit 'Baustellen'.

      Homo Ingenuus, ich habe dein Gedicht gern gelesen.
      LG
      Berthold
      Ein großes Stück vom kleinen Kuchen -
      mehr ist es nicht wonach wir suchen.
    • Danke dir, Berthold,
      DAS nenne ich einmal eine ausführliche und konstruktive Meinungsäußerung zu einem Werk, und ist demnentsprechend gerne von mir angenommen und verinnerlicht worden :)

      => mit "Sonne ... Staub ... Wind" war mir an einer Verstärkung bzw. einer vorhergehenden "Erschaffung" des Szenerie-Rahmens gelegen, aber du behälst Recht, wenn du sagst, es sei eher entbehrlich.

      => "Steht fluchend der Böse mit mürrischem Blick" : eine bessere Variante als mein Vers, wird übernommen, danke :)

      => Ja, das "zerrissene Stück vom Strick" ist jenes, welches sich um den Hals des Opfers "windet", das denke ich, passt so schon, dürfte verständlich sein, wenn man Vorstellungskraft besitzt.

      => Strophe 2: fällt nun unter meine Rubrik "Bearbeitung" ...
      Wobei "Das Leben wollt die Rache ihm rauben" eine Personifikation darstellt. Es ist ersichtlich, daß der Böse auf Rache aus ist, und den Tot des Opfers erstrebt. Aber das "Leben" ist ungleich stärker, eine Macht also, die - vermenschlicht - alle Racheversuche vereitelt, ... die Rache "raubt"....damit unmöglich macht...

      => Strophe 3 : auch hier lag mir (damals wahrscheinlich) daran, die Szenerie mit einfließen zu lassen.

      => Strophe 8: etwas aprupt, da gebe ich dir Recht.... ich meine, es war damals auch so in etwa mein erster Versuch einer kleinen "Ballade".

      Manches Mal achte ich nicht so sehr auf das Metrum, wenn sich das Gedicht m.E. (wenn auch mit ein wenig Übung) gut lesen lässt. Die Versanfänge, ob betont oder unbetont...ich weiß nicht, ob man das so sagen kann, aber: kann nicht jede Silbe eines Wortes in irgendeiner Art "betont" werden...oder eben nicht?


      An dieser Stelle nochmals meinen Dank für deine Mühe und Aufrichtigkeit, die in deinem, doch längeren, Kommentar steckt. Das bin ich nicht wirklich gewöhnt und war überrascht - freudig allemal :)

      Grüße zum Abend
      Ingenuus
      "Dichtung ist keine Meinung, die man äußert. Es ist ein Gesang, der sich aus einer blutenden Wunde oder einem lächelnden Mund erhebt." (Khalil Gibran)

      [/(Alle Gedichte entspringen meiner poetischen Quelle und unterliegen dem Urheberrecht)/]
    • Hallo Homo Ingenuus,

      freut mich, dass du mit meinem Kommentar etwas anfangen konntest. Dann hat sich der Aufwand gelohnt. Prima.

      Du schreibst [gekürzt]:
      „Das Leben ist eine Macht, die Racheversuche vereitelt.“
      :gruebel: Hm? - Ich glaube ja fast alles, aber das? Nö. :gruebel:

      Mein Credo: Die 'Ballade vom Schicksal' ist dein Werk. Schlussendlich musst allein du von deinen Gedanken überzeugt sein. In diesem Sinne …

      Homo Ingenuus, ich wünsche dir weiterhin fröhliches Reimen. :saint:
      LG
      Berthold
      Ein großes Stück vom kleinen Kuchen -
      mehr ist es nicht wonach wir suchen.
    • Ja, allerdings konnte ich mit deiner Erläuterung sogar viel anfangen. :)

      Wenn ich schrieb "Das Leben ist...", dann meinte ich, mit der Formulierung des Verses, das personifizierte und pure Leben, das sich dem Tode entgegenstellt....
      Nehmen wir den weiten Kontext, außerhalb meiner Strophen (und das glaube ich, meintest du mit "Ich glaube ja fast alles..."
      -> dem dualen Prinzip zufolge war das "Leben" schon immer der Gegenspieler des "Todes", ferner gibt es ohne das eine das andere nicht. Das pure "Leben" ist sehr mächtig und ermöglicht zum Bleistift einem kleinen Löwenzahnsämling seinen Weg durch Asphalt... Natürlich ist in des Menschen "Alltagsleben" alles möglich - positives wie negatives....Aber das Thema würde echt den Rahmen sprengen...
      Im Werk, wie bereits Erwähnung fand, personifiziert sich das pure Leben dadurch, indem es den Unschuldigen "rettet", eben durch das "Rauben" der Rache, somit es dem Bösen nicht mehr möglich war, seine Exekution durchzuführen... :)

      Puuuh, ja, ich gebe zu, etwas sehr tiefe, philosophische Gedankengänge...solche dann noch in Zeilen zu fassen ist eben die Kunst des Poeten...

      Danke vielmals, Dir ebenfalls eine kreative Zeit...
      "Dichtung ist keine Meinung, die man äußert. Es ist ein Gesang, der sich aus einer blutenden Wunde oder einem lächelnden Mund erhebt." (Khalil Gibran)

      [/(Alle Gedichte entspringen meiner poetischen Quelle und unterliegen dem Urheberrecht)/]
    [ Die Gedichte, Geschichten und weiteren Werke, sind geistiges Eigentum der jeweiligen Autoren. ]



    © 2018 Poeten.org - Dichter und Denker Portal - All rights reserved.