Das Krematorium der Träume

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    • Das Krematorium der Träume

      Das Krematorium der Träume

      Die wenigsten wissen, dass jeder einzelne Traum wie ein Stern am Himmel ist. In irgendeiner Welt fern am Rand von Raum und Zeit funkeln und strahlen sie. Wenn dort ein Blick gen Himmel fährt, vielleicht gebiert ein Traum dann einen neuen Traum. Sie spriessen oft in diesen ruhigen Stunden, da nichts das Herz aufzuwühlen vermag und wir mit Gelassenheit in den nächtlichen Himmel blicken.

      Doch wie es auch den Sternen am Himmel beschienen ist, so verlöschen selbst Träume und fallen wie Tränen in Form von glanzlosen Kristallen hernieder. Sie werden von den Geistern der Hoffnungslosen eingesammelt – jenen, die glücklos starben und ohne ein Lächeln auf den Lippen in die nächste Welt hinübergingen. Sie bringen die toten Träume zu ihrem Krematorium, das wie ein Altar aus Stein auf einer Hügelkuppe steht.

      Rings umher erstrecken sich weite Felder und Wiesen, deren Gräser sich leicht wiegen – stets, auch wenn kein Wind zu gehen scheint. Über eine Treppe schaffen die Hoffnungslosen ihr wertvolles Gut hin zu dem Ofen, der wie in unserer Welt nur zu einem Zweck erbaut wurde. Wie ein Brunnen ist er geformt, kreisrund, und ein Feuer hebt sich aus seinen Tiefen mit eisig blauer Flamme gen Himmel.

      Sie werfen die toten Träume hinein und ein Seufzen ertönt. Es klingt wie der dahinschwindende Klang eines Glockenspiels, zart, lieblich und irgendwie wehmütig. Das Feuer des Krematoriums grollt und verwandelt das, was ihm anvertraut wurde, in glitzernde Asche, bis nichts mehr übrig ist. Ein süsslicher Geruch liegt in der Luft und für das Auge des Betrachters mag die Szenerie etwas überaus Friedvolles an sich haben. Doch die Hoffnungslosen rasten nicht – niemals. Immerfort schleppen sie Traum um Traum, Kristall um Kristall, und bringen sie hin zur Flamme. Sie fragen nicht nach dem Warum, auch wenn manchmal ein leises Echo zu hören ist, wenn wieder ein Traum mit leisem Klingklang verbrennt. Eine ferne Erinnerung dessen, was er einst gewesen war.

      Jeden Tag stirbt irgendwo ein Traum und verglüht irgendwann ein Stern. Eine leichte Brise geht über den Feldern. Er trägt den fernen Klang eines Glöckchens mit sich. Ein letztes Seufzen. Stille…
      Zwischen Tag und Nacht zerrissen,
      Ganz und gar - und doch zerschlissen,
      Scheint mein Fell im Mondenglanz
      Und lodert in der Sonne Tanz.
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