Abschied von deinem Menschen

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    • Abschied von deinem Menschen

      Abschied von deinem Menschen

      Du hebst den Kopf so unausweichlich schwer,
      blickst nur noch trübe in das Lächeln deines Menschen.
      Die vielen Jahre Seit` an Seit` scheinen unendlich her,
      dass sich die Schmerzen legen, das wirst du dir wünschen.

      Was du stets wedelnd vor Begeisterung
      am liebsten von dem Tische deines Menschen fraßt,
      bleibt nun verdorben Opfer der Bekümmerung,
      weil dich die Zeit mitnahm, die stetig weiter rast.

      Geschwächt, das Licht, dass nichts so grell dich blendet,
      in seinem Schimmer bist du ich, unfähig aller Tränen,
      die ich schon damals oft geweint, nicht eine war verschwendet,
      als du ganz winzig noch und viel zu oft nicht die Gefahr konnt`st wähnen.

      Vielleicht schon morgen wird das Kissen schmerzvoll Leere sein,
      wird sich kein aufgewühltes weißes Haar mehr treiben lassen
      im sanften Zug, der jeden Raum mit dir erfüllte, dieses Heim,
      das nur noch Stille dann umschließt, ich werde es ganz sicher hassen.

      Du hebst noch einmal deinen Kopf, schenkst mir ein Lächeln tief,
      die Hand, die dich oft führte, manchmal zu hart die Leine zog,
      schleckst du wie in den Tagen, als deines Menschen Salz dich rief
      und mich die Wärme deines Atems still durch kalte Nächte wog.

      Nun werde ich noch etwas bleiben, wenn du auch gehst,
      mich darum kümmern, dass stets Futter in den Näpfen liegt,
      falls du einmal noch hungrig spät durch `s offne Fenster wehst,
      damit du weißt, dass deine Liebe jeden Schmerz in Glück aufwiegt.


      https://www.youtube.com/watch?v=RkH_701__k0

      © Herbert Gerke
      Stell dir mal vor

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Herbert Gerke ()

    • Hallo Herbert,

      der Abschied vom vierbeinigen Freund.. die verschiedenen Gefühle kommen mit viel Ausdruck bei mir an.
      Den Versuch zum Teil aus der Sicht des Hundes zu schreiben finde ich etwas heikel, ich tue mich mit Begriffen wie "deines Menschen" schwer. Auch Aussagen wie "das wirst du dir wünschen" vermitteln den Eindruck genau zu wissen wie sich der Hund fühlt. Auf der anderen Seite entsteht dadurch natürlich auch ein Bild der Verbundenheit.

      Herbert Gerke schrieb:

      Die vielen Jahre Seit` an Seit` scheinen unendlich her,
      Hier finde ich die zeitliche Angabe unvollständig, das "unendlich" spielt zwar auf eine zeitliche Dauer an, aber ein "lange" wäre konkreter. Damit der Vers nicht zu lange wird gingen natürlich auch Beschreibungen wie "scheinen ewig schon her".
      Die beiden folgenden Strophen gefallen mir sehr gut, hier wird das zwischenmenschliche (zwischentierliche?) Erleben deutlich, vergangenes ebenso wie Abschattungen der einsamen Gegenwart.

      Herbert Gerke schrieb:

      als du ganz winzig noch und viel zu oft nicht die Gefahr konnt`st wähnen.
      Dieser Vers wirkt dann wieder etwas gezwungen, die Wortstellung fällt aus dem vorigen Lesefluss. Der Anfang ist gut, "als du ganz winzig noch", danach fehlt mir eine kürzere, oder klarere Aussage. Meiner Meinung nach würde der Vers durch eine leichte Kürzung an Ausdruck gewinnen, hier eine Idee:
      "als du ganz winzig noch und die Gefahr nicht konntest wähnen."

      Herbert Gerke schrieb:

      das nur noch Stille dann umschließt, ich werde es ganz sicher hassen.
      Auch hier ein kleiner Vorschlag, anstatt "ich werde es ganz sicher hassen" vielleicht lieber ein Bezug zur Gegenwart. So wirkt die Aussage auf mich sehr hart und ein wenig wie eine Trotzreaktion eines Kindes. Wenn die Bedeutung bestehen bleiben soll könnte man kleines verändern, zb "das nur noch Stille dann umschließt, schon lern' ich sie/es zu hassen" (sie - die Stille, es - das Haus, kann beides gemeint sein).

      Herbert Gerke schrieb:

      falls du einmal noch hungrig spät durch `s offne Fenster wehst,
      Ich denke das ist Geschmackssache, ich persönlich würde "noch einmal" und nicht "einmal noch" schreiben, geht natürlich beides.

      Der letzte Vers ist wunderschön, eine Botschaft des Trostes an das LI selbst, obwohl zugleich ausdrücklich an der Hund gerichtet. Du lässt den Leser/mich dadurch mit dem Gefühl eines inneren Friedens zurück, wo zwar Schmerz ist, aber Versöhnung mit diesem möglich.

      Habe Dein Gedicht gerne gelesen!
      LG
      Lichtsammlerin
      Überleben allein ist unzureichend
    • Hallo Herbert Gerke,

      dein Gedicht hat mich sehr berührt. Ich selbst bin Katzenhalter, fühle mich meinen zwei Mitbewohnern aber nicht weniger verbunden, als dein LI seinem lyrischen Hund. Es liegt nahe, hier ein reales Erlebnis zu vermuten, da es so genau beobachtet wirkt, das kann man als Leser aber ja nie genau sagen. Jedenfalls kann ich mich sehr gut in diese Gefühlslage hineinversetzen, die Trauer, den unvermeidlichen Abschied, den Schmerz bereits bevor der Gefährte wirklich weg ist. Ich fürchte mich auch vor dem Tag, an dem unser Kater, ein Freigänger, vielleicht einmal nicht mehr heimkommt. Insoweit ist dein Gedicht sehr gelungen.

      Handwerklich hat Lichtsammlerin dir einige gute Vorschläge gemacht. Da will ich nicht noch einen draufsetzen. Im Idealfall kann die gewählte Form mit Versmaß, Reimformen etc. den Inhalt noch unterstützen. Wie bei jeder Fertigkeit heißt es auch hier einlesen, natürlich üben und feilen. Falls das überhaupt dein Ziel ist.

      Viel Freude weiterhin am schreiben und dichten.

      Ruedi
    • Hallo Lichtsammlerin!
      Vielen Dank für dein detailliertes Feedback. Ich finde deine Anregungen äußerst wertvoll. Hätte nicht gedacht, dass sich jemand so intensiv in einen Text eindenkt. Ich werde mir die einzelnen Punkte zu Herzen nehmen und eine optimierte Version überlegen.
      Danke nochmals.

      Hallo Ruedi!
      Auch dir vielen Dank.
      Ich schrieb das Gedicht unmittelbar, nachdem unser Hund, der fast 15 Jahre alt geworden, eingeschläfert war.
      Vor mir lag die Aufgabe, unserem kleinen Sohn am nächsten Morgen zu erklären, was mit seinem Kumpel, unserem Familienmitglied geschehen war.
      Es wurde eine lange Nacht.
      Danke nochmals und Gruß

      Herbert
      Stell dir mal vor
    • Danke Zoe!
      Es tut weh.
      Dazu kommt, dass es etwas Unbegreifliches ist.
      Du hältst den Kopf in deinen Händen, schaust in die trüben Augen.
      Du spürst den Schmerz.
      Fragst dich, ob es nicht ein wenig länger hätte gehen können.
      Begreifst es nicht.
      Und irgendwann legst du eine warme Decke auf einen kalten Körper.
      Ja, es tut weh.
      Gruß
      Herbert
      Stell dir mal vor
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