Heimatkunde

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    • Zu jenen Zeiten
      als man die Lüge eine Lüge nannte,
      als die Dichter Verse auf Flügeln schrieben,
      überstieg der Wert eines Lebens
      alles Menschengemachte.

      Wir sagten Brot, wir sagten Wasser,
      und wir meinten das Brot und das Wasser,
      wir sagten Rosen, und wir rochen ihren Duft
      schon beim Wort, und ein Apfelbaum
      war ein Apfelbaum.

      Die Zeit schlägt ihre Alterssitze auf,
      sie spricht ihre genormten Wahrheiten aus,
      die Dichter hausen in Eiffeltürmen,
      und der Zeitwert menschlichen Lebens
      bemisst sich in Nanosekunden.

      Ich sage, meine Sonne
      ist die Trauer, ich bin ein Schatten,
      und ich weiß, wohin ich
      fallen werde.
    • Hallo Angelika,
      ja die Wahrheit hat in Zeiten der Internetanonymität stark an Vertrauen verloren und Düfte kommen oft aus dem Reagenzglas.
      Auch, dass die Dichtung längst ihrer streitbaren Flugblattzeit entwachsen ist und die alten Meister in "Elfenbeintürmen (Eiffeltürmen?)" ihr Dasein fristen ist bedauerlich. Aber noch gibt es LyrikerInnen die Schatten werfen. ;)
      LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • Perry, mit der Internetanonymität hat das nichts zu tun. Aber ich meine tatsächlich Eiffeltürme, nicht Elfenbeintürme. Denn ganz oben, wo Eiffel sich eine Wohnung eingerichtet hatte, lebte oder lebt noch ein Dichter. Tatsächlich. Ich weiß nicht, ob er provozieren will oder ob er sich vom Alltagsleben abschotten will, auf alle Fälle hockt da oben und hat mit dem Leben nichts mehr zu tun.

      Danke für deinen Kommentar.

      Angelika
    • guten Abend Angelika,

      sehr tiefsinnig und wohlgeformt dein Gedicht. Leider bin ich mit 66 nicht alt genug, um die Zeit erlebt zu haben, in der man noch sagte was man meint.
      Schlimm ist es, wenn man z.B. sagt, "ich werde alles für das Volk tun" und meint "ich will von euch Trotteln wieder gewählt werden". Aber wir haben gelernt mit den Lügen zu leben und sie als solche zu erkennen.
      Worauf sich auch immer deine Zeilen im Konkreten beziehen, sie stimmen mich nachdenklich und lesen sich gut.

      Gruß Heinz
      silbern ist mein Haar nicht grau, bin so jung wie ich mich trau !
    • Dritte Jeije,

      die Zeit ist nicht so lange her, dass du mit 66 Jahren nicht wüsstest, was gemeint ist. Du sagst es ja selbst, heute ist Krieg Frieden, heute ist Zensur Freiheit, heute ist Lüge Wahrheit, ihre Wahrheit. Ich benutze absichtlich keine politischen Begriffe, sondern Metaphern, die aber leicht zu entschlüsseln sein dürften. Dieses Gedicht hat etwas mit unserem Lebensgefühl zu tun, mit unserer Unverstelltheit, mit unserer Menschenfreundlichkeit. All diese Dinge sind heute beschädigt oder sogar vernichtet. Im Fernsehen läuft gegenwärtig eine Debatte über die DDR, und es ist unerträglich, welche Lügen dort von den Rednern verbreitet werden - die übrigens auch in der DDR gelebt hatten und genau wissen, dass das, was sie am Rednerpult verbreiten, Lügen sind. Sie werden also einen Grund für ihre Lügen haben. Natürlich tut es nicht nur mir weh, dass wir uns so verändern mussten, dass wir unser ehemals sauberes Leben so beschmutzen müssen, um in diesem Land nicht ganz unterzugehen. Sie benutzen jede Möglichkeit, um auf die DDR einzuschlagen, und sei es die Anleitung für ein Häkelmuster. Deshalb dieses Gedicht.

      Angelika
    • Hallo Angelika
      ich stimme ja manchmal nicht mit dir überein, aber das was du hier über unsere Heimat schreibst und wie sie die verunglimpfen und uns ausreden wollen, dass wir eine Heimat hatten in der DDR, ist sowas von wahr. Ich glaube ich krieg schon Magengeschwüre wenn ich diesen Mißt hören oder lesen muß, der mein Leben und schaffen in den fast 5 Jahrzehnten darstellt als waren wir alle doof, faul und ungebildet. Sicher ist, das ich für meine Arbeit hoch geachtet wurde und das ist heute nicht mehr so.
      Aber wir haben uns mit der neuen Situation arrangiert und nehmen auch die Vorteile war.

      Man könnte stundenlang darüber reden
      aber es frustriert mich zu sehr
      Heinz
      silbern ist mein Haar nicht grau, bin so jung wie ich mich trau !

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von die3.Jeije ()

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