Der neoliberale Mensch

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    • Der neoliberale Mensch

      Du bist ein Menschenkind, ein kleines nur,
      fühlst dich als Wicht und wärest gerne groß.
      Von Größe hast du nicht die kleinste Spur,
      die fiel dir bei Geburt nicht in den Schoß.

      Sieh dich doch um: Nur Feinde ringsumher!
      Die musst du treten, mach die Lumpen klein!
      Du gehst kaputt so ohne Gegenwehr!
      So ist die ganze Welt, so muss sie sein.

      So haben sie‘s dir beigebracht, mein Freund.
      Du hast gelernt, hast diese Welt studiert
      und fühlst dich jetzt von Feinden bloß umzäunt,
      und jeder nennt dich schlicht nur couragiert.

      Weshalb du trittst, wo man bloß treten muss.
      Du schlägst die Bande auf dem eignen Feld,
      gibst ihr am Ende noch den Bruderkuss,
      tust dicke dich, fühlst dich als großer Held.

      Und doch, du bückst dich, wo es angebracht.
      Das Bücken zahlt sich einmal aus, wer weiß.
      Das steckst du ein, wär schließlich ja gelacht -
      das musst du ab und zu, das ist der Preis.

      Die Professoren haben es mit dir nur gutgemeint,
      glaubst du. Du fühlst dich gleich als ganzer Mann.
      Weißt nicht, wer deine Freunde sind, wer Feind.
      Ein Menschenbild, das so nicht stimmen kann.

      Du kannst dich ändern, Freund, erinnre dich:
      Da war doch was, was dir zu Herzen ging.
      Die Welt - wie liebtest du sie inniglich,
      du warst ein Offener, ein Ankömmling.

      Wo ist sie hin, die Zeit, die du versäumt,
      aus dir den Mann zu machen, der du bist?
      O nein, du hast die Zeit ja nicht verträumt,
      jetzt bist du groß - ein großer Egoist.

      Doch manchmal brichst du aus dem Käfig aus.
      Du grämst dich über dich, die ganze Welt.
      Ein Fenster öffnet sich, du blickst hinaus:
      Hier geht’s mal gar nicht um das liebe Geld.

      Ja, Freund, es gibt noch eine andre Welt,
      wo jeder Mensch des Menschen Kamerad,
      dir hilft und dich umarmt, ganz unverstellt -
      ein wahrer, echter Mensch. Kein Imitat.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Angelika ()

    • Danke, Elmar, dass du reingesehen hast. So richtig zufrieden bin ich damit nicht, es ist noch lange nicht alles gesagt. Ich wollte bloß nicht so ein ellenlanges Elaborat schreiben, deshalb musste ich meinen Dichterdrang stoppen. Das ist ein Thema, das auch eine andere Gedichtart verlangt.

      Angelika
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