Diabolische Klänge

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    • Diabolische Klänge

      Irgendetwas spielt schmerzliche Musik in mir. Ist es die Unsicherheit über den Schritt, den ich gegangen bin? Wo auch Tage nach der Entscheidung Sonnenschein war, ziehen erste Wolken auf. Innerlich wird es dunkel. Die Finsternis legt sich wie ein Schleier auf mein Gemüt. Vor meinen Augen ist Dunkelheit. Ich kann nicht mehr klar sehen. Das Gedankenkarussel fühlt sich wohl in der Dunkelheit und erhält zusätzlichen Schwung durch die düsteren Schwingungen des Cellos.

      Es ist ein unbeschreiblicher Eindruck. Ein Gefühl der Lethargie. In diesem Augenblick möchte ich Gott spielen und die Wolken in meinem Haupt einfach wegpusten. Jeden Ton würde ich verstummen lassen. Es sind die plötzlichen Bilder auf der Bühne meines Geistes, die mich erstarren lassen. Ich weiß, dass es richtig war! Doch der Einfluss aus meinem Bauch sagt mir, es war falsch. Mein Bauchgefühl und mein Kopf liefern sich einen unerbittlichen Kampf über richtig und falsch. Wer obsiegen wird?

      Ich ergebe mich dem Schicksal und dem Kampf. Wie zwei streitende Boxer gehen sie aufeinander los. Ich stehe als Zuschauer in der zweiten Reihe und bin trotzdem der Mittelpunkt des Geschehens. Ich möchte fliehen, doch ich kann nicht. Fliehen vor dem Cello in mir, das die Saiten immer härter und aggressiver spielt. Wo einst sanfte Töne meinen Tag begleiteten, spielt es jetzt Sonaten meiner Zukunft in Moll. Sentimentale Wiederhalle füllen die Räume meines Kopfes.

      Ich kämpfe permanent gegen das Cello an, versuche die Saiten zu beruhigen, versuche den wohlwollenden Klang zu finden, der mir Freude schenkte. Das Gefühl ist mir bekannt. Schon einmal übernahm der diabolische Dirigent das Instrument. Eine prägende Erfahrung, die sich nie wiederholen sollte. Doch das Leben ist ein ständiger Wechsel zwischen forte und piano. Zwischen Tönen, die einen träumen und fliegen lassen. Und Tönen, die jeden Raum wie ein Gefängnis fensterlos machen.

      Ich suche in mir den Dirigenten, der diese melancholischen Töne anleitet. Ich muss ihn finden! Ich werde ihn finden! Diese Hoffnung bleibt mir. Und wenn ich ihn gefunden habe, werde ich ihm die Notenblätter entreißen, austauschen durch schöne Symphonien, die wie Balsam die Seele streicheln und die Nacht zum Tag machen. Willkommen du schönste aller Symphonien. Willkommen, du Leben!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kartoffelbrei ()

    • Hallo Kartoffelbrei,
      Willkommen hier in der PoetenWG!
      Mit deinem Erstling hier nimmst Du mich als Leser gleich voll mithinein in den inneren Kampf des LI.
      Zwar kann man nur mutmaßen um welchen "diabolischen" Streit es geht, aber der Wille des LI, dem inneren "Cello" wieder schöne Klänge zu entlocken, kommt gut rüber.
      Konstruktiv ist mir das "austuschen" im Schlussbild aufgefallen, das zwar im weitesten Sinne auch vorstellbar wäre, aber vermutlich doch "austauschen" gemeint war.
      LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
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