am noschmorkt

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    • am noschmorkt

      am noschmorkt de leit, san frech
      oba gscheid,
      sagt de dame zum herrn vom gemüse:
      a gurke bitte, so groß wie diese.
      sogt der: madam, nehmans zwa mit ham,
      daun kennans ane essn.
      der schani is a gfernster besen.

      wos mocht da brave ehemau,
      nochn schnacksln,
      waun a nimma kau,
      er stellt sich unter die brause
      und daun geht er nach hause.

      am grobn frogt ein feiner herr
      einen jungan kiwarer:
      wo ist den die bellaria?
      der mant: die madln kenn i a,
      oba s´is a gfret,
      de nauman merk i ma ned.

      wos in da schönlaterngossn bsunders is,
      ist der schiache basilisk,
      im kölla zwischen menschenbana,
      woarta auf japaner,
      die si zweid vire lahna.
      do wird da huschi,
      menschlicha suschi


      (für nichtwiener ein kleines wörterbuch:
      "da noschmorkt" (naschmarkt) ist der größte lebensmittelmarkt wiens, auch fress und flaniermeile. in wien sagt man, dass der balkan am naschmarkt beginnt.
      "gfernst" kann man nicht übersetzen, aber "ausgefuchst" wäre eine annäherung, "schani" kurzform von johann, meint aber einen diener und in wien ist fast jeder ein "schani" nach oben und ein herr nach unten, das gewöhnt man sich nach vierhundert jahren habsburgern nicht so schnell ab.
      "da grobn" (der graben) römischer stadtgraben, der sich mittlerweile zur nobelsten adresse wiens gemausert hat, trotzdem auch für seine (nobel) bordsteinschwalben (prostituierte), die man "grabennymphen" nennt bekannt. die "bellaria" ist aber keine von ihnen, sondern eine rampe in die kaiserliche residenz, die dazu diente, dass maria theresia mit ihrer kutsche bis in ihre räume fahren konnte, die im zweiten stock liegen. "schnacksln" erklärt sich wohl selbst, "kiwarer" ist ein polizist. der schiache "basilisk" ein drache, der unter einem haus in der schönlaterngasse in einem keller wohnt, der, der sage nach, getötet werden kann indem man ihm einen spiegel vorhält. da die häuser im zentrum wiens bis zu sechs stockwerke kellergewölbe unter sich haben, wundert es mich nicht, dass ich ihm noch nie begegnet bin. ich hätte, fataler weise, auch keinen spiegel dabei gehabt.)

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