Wie bin ick in zwanzich Jahr'n ?

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    • Wie bin ick in zwanzich Jahr'n ?

      "Jeh bei Seite oller Mann
      bist wohl nich janz dicht"


      ich den Weg nicht finden kann
      find mein Haus ganz einfach nicht

      "Mach da aus de Einfaht weck
      das ick rinfahn kann"


      such doch nur mein Häuser Eck
      kommt doch gleich der Kohlenmann


      "Wo wohnst de denn, in welche Straße ?
      zei ick dir vielleicht den Weech"


      ich wohne in der Herrmanngasse
      gleich beim Konsum hier in Schwedt

      "Kreuzberch bist de, bist ja Jut,
      hast da aber weit valoofen?"


      ach jetzt geht's mir garnicht gut
      will nach haus an meinen Ofen


      "Opa bist bestimmt schon neunzich
      sicher achtzich oder drüber ?"


      Nein seit gestern bin ich dreizig
      Mutti kam zum Kaffe rüber

      "Ne dit kann ick ja nich haben
      ruf mal bei de Bullen an."


      Plötzlich kommen da zwee Damen
      aus dem Heim von nebenan

      Komm mal Max wir bringen dich
      in die schöne Hermanngasse

      Das ist gut, da freu ich mich
      mach euch gleich 'ne Tasse Kaffe

      "ick hätt den Kerl fast umjefahn
      wie bin ick in 20 Jahr'n ?"
      silbern ist mein Haar nicht grau, bin so jung wie ich mich trau !

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von die3.Jeije ()

    • Hallo die3.Jeije,

      das Vergessen konnte ich in allen Facetten bei Menschen, mehr oder weniger nahe stehend, beobachten bzw. miterleben. Wie geht man damit um, wie regiert man richtig?! Immer wieder werden Gedächnislücken mit "normaler"Altersvergessenheit abgetan, bis, ja bis erst sehr spät auffällt, dass da was nicht stimmen kann und es wir vielleicht ein DemTect gemacht um Klarheit zu haben.

      Momentan lebt in meiner Nachbarschaft ein Senior, den ich erst letztens nach Hause gebracht habe, er schaftte es nicht eine vielbefahrene Bundesstrasse zu überqueren. Für den Fall der Fälle hat er einen Zettel mit seiner Adresse in der Hosentasche.

      Natürlich habe ich mir schon oft Gedanken darüber gemacht, was ist wenn ich auf dem Weg in den Nebel bin und vorraussichtlich werde ich die angesprochnen, in der Zukunft liegenden 20Jahre noch erleben werde. Jetzt mit Ü60 stelle ich Gedächnislücken fest, hoffend, dass es nur die niedliche und völlig normale Vergessenheit ist, da drei Schritte weiter mir wieder einfällt was ich wollte.

      Du, die3.Jeije, hast sehr gut beschrieben wie die Mitmenschen oft und auch kopfschüttelnd in ihrer Ahnungslosigkeit reagieren wenn sie auf einen an Demenz erkrankten Menschen treffen, was man eigentlich in einem kleinen geduldigen Gespräch recht schnell feststellen kann.

      Wie werde ich in 20Jahren sein?, eine bange Frage auf die ich keine Antwort wissen möchte.


      LG Sternwanderer
      Sobald du weißt, was du willst, hast du keine Illusionen mehr.

      © Sternwanderer
    • Dritte Geige,
      bisher habe ich von dir immer nur Gedichte im sogenannten Berliner Dialekt gelesen. Warum ich sogenannt schreibe, erkläre ich weiter unten. Meiner Ansicht nach muss man da auswählen, wann man den Dialekt einsetzt und wann nicht. Dieser Text zum Beispiel hat das Gewicht, hochdeutsch geschrieben zu werden. Dann müsstest du zwar auf einige Berliner Redewendungen verzichten, die mir übrigens ein bisschen zu plump dajerkommen. Oder zumindest hättest du den Dialekt so einsetzen müssen, wie wenn einer nicht vom Hochdeutschen wegkommt, weil er nomalerweise nur Hochdeutsch spricht und glaubt, sich in Berlin sprachlich anbiedern zu müssen, und deshalb ein paar Berliner Kraftwörter benutzt. Das wäre dem Inhalt, wenn schon Dialekt, eher gerecht geworden. So aber kann ich mich mit diesem Gedicht nicht so recht anfreunden.

      Das Dialektschreiben hat seine Klippen. Nimmt man reinen Dialekt, dazu breit ausgelatscht, wie du das machst, dann gibt es eine Menge Leute, die erst mal nur Bahnhof lesen, weil sie den Dialekt gelesen nicht sofort verstehen. Damit verschenkst du Wirkung.

      Du weißt sicher auch, dass Sprache auch den gesellschaftlichen Rang ausdrücken kann. Lass doch den einen Hochdeutsch sprechen, so von oben herab über den dämlichen Alten, dann hast du eine doppelte Wirkung. Wie du geschrieben hast, geschieht das aber auf gleicher gesellschaftlicher Ebene, es gibt keine Höhen und Tiefen, es plätschert berlinisch dahin. Dein Berlinisch ist übrigens weniger Dialekt als vielmehr nachlässig Gesprochenes. Ich will dich nicht ärgern, aber meiner Ansicht nach geht es so nicht.

      Ich bin selbst Berlinerin, kann sogar noch älteres Berlinisch sprechen, und ich denke, ich kann das einschätzen.

      Angelika
    • Hallo Angeleika, ich habe hier versucht den alten Herren, weil er nicht aus Berlin kommt, hochdeutsch sprechen zu lassen und den Berliner eben umgangssprachlich berlinerisch. Ich schreibe ja zur Zeit viele meiner Gedichte oder Erzählungen in Hochdeutsch und nur einen Teil in berliner Mundart. Du weißt ja, dass "berlinerisch" nicht als Dialekt akzeptiert wird. Bei Mundart-Gedichten schreibe ich auch immer "in Mundart" darüber.
      Berliner haben vor 80 Jahren ganz anders gesprochen als heute. So wird heute zum Beispiel "dit Ding" gesprochen und früher sagte man "det Ding".
      Weil sich bei uns in Berlin der urige Berliner Sprachgebrauch immer mehr verwischt, finde ich es wichtig daran zu erinnern.
      Vor allem aber schreibe ich ausschließlich über Themen die ich in früherer Zeit oder auch kürzlich, wie diese Begebenheit, erlebt oder beobachtet habe
      und die mir erzählenswert scheinen.
      Lese doch bitte auch die nicht mundartlichen Gedichte von mir. Deine Meinung dazu würde mich interessieren.
      Grüße an dich
      Heinz, die3.Jeije
      silbern ist mein Haar nicht grau, bin so jung wie ich mich trau !
    • Hallo Heinz,

      es gibt ein paar Stellen, wo man über einzelne Worte diskutieren kann und über das Versmaß und wo die Orthographie etwas unscharf geraten ist. Hat mich aber nicht zu sehr gestört.

      Sehr gut fand ich die Idee der zwei Sprachebenen Berlinerisch /Hochdeutsch zur Abgrenzung der zwei Personen voneinander. Über die Qualität deines Berlinerisch äußere ich mich als Franke nicht, mir kam es authentisch vor.

      Inhaltlich habe die Vorredner alles Wesentliche gesagt.

      Du wirst immer besser.

      LG

      Ruedi
    • Danke Ruedi, für's lesen und kommentieren.
      Die alte Proletensprache der Berliner um 1900, ist eine Mundart die sich über die vielen Jahrzehnte geändert hat. Selbst der Arbeiter spricht heute kein berlinerisch mehr sondern vermischt hochdeutsch, bzw. umgangssprachliches deutsch mit den Resten der berliner Mundart. Ich versuche an die alte Mundart zu erinnern, die ich von meiner Oma (eine Urberlinerin ) übernommen habe. Du weißt ja wie man in Gedichten um die Reime kämpft, da muß man schon mal ein wenig schummeln um das Versmaß und den Reim hin zu bekommen.
      Vor allem gibt es ja vom "berlinerisch" keine Schreibweise. Berlinerisch ist kein Dialekt. Also alles was man schreibt ist immer ein Versuch bzw. ein Kompromiss um einen nicht Berliner die Aussprache lesen zu lassen.

      Mal nachschlagen was es vieleicht von dir noch neues gibt
      Gruß Heinz
      silbern ist mein Haar nicht grau, bin so jung wie ich mich trau !
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