Kaffee für lau

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    • Kaffee für lau

      Is noch kälter heute morjen
      int Jenicke und am Zeh
      werd ma Kaffe gleich besorjen
      denn die Kälte tut ma weh

      Schnell noch raff ick meene Decken
      Schirm is schon zusamm jebaut
      muß se nur noch schnell verstecken
      das meen Bette keener klaut

      hab doch bloß die Sandaletten
      und die Socke hatt'en Loch
      meene Zehe kaum zu retten
      humpeln aber jeht ja noch

      kannst de mir een Kaffe kofen
      frarig eenen junge Mann
      mir is kalt, ick hab keen Ofen
      brauch watt Warmet dann und wann

      Jibt da mir ne blanke Mark
      soll ma selber eenen holen
      hin zum Imbiss da am Park
      mach ick ma uff meene Sohlen

      mit dem Becher inn'e Hand
      seh ick da een schönet Weib
      sitzt uff diese lange Bank
      hat een alla Basta Leib

      Sockenloch nach vorn jezerrt
      steck'et unter meene Zehn
      hat sich schon so oft bewehrt
      kann jetz zu der Dame jehn

      Een Jespräch beim Kaffe trinken
      wärmt ja och und muntert uff
      kann danach se kurz noch winken
      bin für heute dufte druff
      silbern ist mein Haar nicht grau, bin so jung wie ich mich trau !
    • Hallo die3.Jeije!
      Ein Gedicht, was ich besonders gerne gelesen habe. Ein berührendes Stück, das trotz tragischem Hintergrund so leichtfüßig und sympatisch daher kommt. Den Berliner Dialekt mag ich ja sowieso, das gibt dem Ganzen so eine menschliche Note.
      Es handelt sich hier offenbar um einen Obdachlosen, der sein Schicksal noch mit einem gewissen Humor zu tragen versteht.
      Ein sehr einfühlsames Stück ist dir da gelungen.
      Liebe Grüße
      Wilde Rose

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Wilde Rose ()

    • Wie immer musste ich mich etwas durch das Mundartliche durchkämpfen, aber es macht mir Spaß.
      Kaffee ist doch eigentlich eine gute Idee, lieber Heinz. Vielleicht können wir uns ja im Sommer mal auf einen treffen. Ich..sorry Ick, stopf´ Dir das Loch in der Socke und Du bringst mir die Mundart bei.
      Ein paar Pflaster sollten wir allerdings einpacken, bei meinem Vermögen, was Handarbeiten angeht. ;)
      "Ich bin eitel, hochmütig, tyrannisch, blasphemisch, stolz, undankbar, herablassend-bewahre aber das Aussehen einer Rose" Pita Amor
    • über so ein Treffen vor irgendeinem Szene-Kaffee würde ich mich sehr freuen. Kannst ja deine liebe Frau mitbringen und ich lade euch zu Kaffee und Kuchen ein.
      Es wäre sowieso eine super Idee mal alle unsere lieben "Mit-Dichter" an einem Frühlingsnachmittag zu treffen...oder?

      schönen Abend dir ...oder euch
      Heinz
      silbern ist mein Haar nicht grau, bin so jung wie ich mich trau !
    • Hallo Heinz,

      wenn man sich darauf einlässt wird diese kleine Erzählung fast herzzerreissend.

      Und man lässt sich leichter darauf ein - ich zumindest - weil es im Dialekt verkleidet auftritt und einen durch das Schmunzeln darüber und den sachte eingewebten Humor zuerst weichmacht, dadurch das Herz öffnet und die Tragik bittersüß mit einfließen lässt. Denn eigentlich reagieren wir doch auf Obdachlose meist mit Abwehr. Es könnte ja keiner mehr in Frieden leben, wenn er jedes menschliche Unglück, selbstverschuldet oder nicht - wirklich an sich heranlässt. Sicher spielt auch eine Rolle, dass dein LI niemanden anklagt und auch nicht selbstmitleidig rumheult und in der letzten Zeile sogar mehr als einen Hauch Fröhlichkeit verbreitet.

      Und so wird aus etwas alltäglichem, das man selbst schon von der anderen Seite aus öfter erlebt hat ("Haste ma ne Maak?") ein Kabinettstückchen der Sozialkritik und der Mitmenschlichkeit.

      Vom sprachlichen her, dem Versmaß etc. ist mir nichts negativ aufgefallen. Lediglich im Geschriebenen bin ich über den "alla Basta Leib" gestolpert. Müsste das nicht auch im Dialekt ein "Allabastaleib" sein? (hochdeutsch Alabasterleib).

      Sehr gerne mitgefühlt

      Ruedi
    • Hallo 3. Jeije,

      ein Obdachloser oder einer, der sich aus welchen Gründen auch immer, im Abseits befindet. Klingt irgendwie nach U-Bahnhof Kottbusser Tor oder so. Da habe ich schon ein paarmal "eene Mark" gehabt. Hier bei uns ist mir das noch nie passiert.

      Aber zu deinem Berlinisch muss ich doch was sagen: Du drückst zu sehr auf die Tube, es ist zu breit. Einen viel komisch-traurigen Effekt erreichst du doch, wenn du zum Beispiel halb berlinisch und halb hochdeutsch schreibst. Dann wird dem Leser klar: Der ist einer, dem ging es mal besser als heute, der hat sich bloß angepasst an seine "Wohlstandslage". Damit bringst du den Leser zum Denken und nicht bloß zum Rühren. Das hat außerdem den Vorteil, dass dein Gedicht von jedem Nichtberliner auf Anhieb verstanden wird. Ich selbst, die ich geborene Berlinerin bin, habe mich mit deinem Berlinisch ganz schön quälen müssen. Und außerdem verzichtest du darauf, mit Hilfe der Sprache deinen Protagonisten zu charakterisieren. Und das finde ich wesentlich. Ein kleines Berliner Witzchen hätte dem Gedicht auch nicht geschadet. Also das reine Durchberlinern ist es nicht, lieber Dichter.

      Das Gedicht hat mich gerührt, nicht mehr. Denn da ist zu viel Harmonie und stillschweigendes Einverständnis mit der Existenz von Menschen, die "rausgefallen" sind. Aber die Kritik, die überhaupt nicht ausgesprochen werden muss, fiel dabei unter den Tisch. Und das finde ich schade bei diesem Thema.

      Angelika

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Angelika ()

    • Hallo 3jeije
      Die kesse, Direktheit des Berlinerischen Dialekts gefällt mir. Den Anfang deines Gedichts habe ich mit einem innerlichen Schmunzeln gelesen, mittig wurde ich sehr nachdenklich. Der positive und lebensbejahende Schluss gefiel mir dann besonders gut.
      Dialekte mag ich sehr. Die ersten Worte, die ich gesprochen habe waren plattdeutsch, spreche ich auch heute noch so oft wie möglich.
      LG Josina
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