Scherbenregen

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    • Scherbenregen

      Klirrend fällt bunter Scherbenregen,
      schneidend ins Neon unserer Nacht.
      Klingengewitter, die Träume zersägen,
      die Borderline wird vom Schnitter bewacht.

      Blutiger Backstein, wir können nicht bleiben,
      Kälte zieht auf, selbst die Liebe gefriert.
      In Fetzen das letzte Begnadigungsschreiben,
      innige Schwüre aus den Büchern radiert.

      Kein Blick zurück, wo nur Abgründe gähnen,
      nur Deine Hand, die noch Hoffnung verheißt.
      Die Augen schon blind, von gläsernen Tränen,
      panisch taste ich nach Deinem Geist.

      Gleich hier ist der Ausweg, wir lösen die Ketten,
      ich kann Dein Schild sein, Dein Wille aus Stahl.
      Nichts kann uns passieren, ich werden uns retten,
      lüge ich lächelnd ein weiteres Mal.

      ©Yue
      She is the gold at the end of the rainbow
    • Hallo Sushan,

      hier offenbart sich mir eine menschliche Beziehungs - Apokalypse. Die Metaphern sind stark (innige Schwüre aus den Büchern radiert), aber zum Teil auch erklärungsbedürftig.

      Neon unserer Nacht?
      Klingengewitter - vielleicht Schwerter, Messer?
      Borderline - welche Grenze ist hier gemeint? Schamgrenze? Toleranzgrenze?

      Blutiger Backstein gefällt mir gut, das ist eine prima Alliteration, genau so wie Hand - Hoffnung und Schild - Stahl.
      Und der Schlussvers ist auch stark.

      Ich kann zwar nicht alles deuten , aber das Gedicht gefällt mir.

      LG Alces
      Poesie ist die Muttersprache des Menschengeschlechts.
      Johann Gottfried von Herder
    • Hallo Sushan,

      dein Gedicht gefällt mir.

      'Scherbenregen' (griffiger Titel) erzählt - so wie ich es lese - aus der Welt
      der Persönlichkeitsstörung, die auch oder gerade auf der Beziehungsebene
      jede Menge 'Klingengewitter' und 'bunte Scherben' produziert ...

      Abmachungen, Versprechungen etc., so scheint es, werden gebrochen,
      das LD scheint sich in sich zurückzuziehen, ...

      Die letzte Strophe gefällt mir besonders: Das LI steht dem LD zur
      Seite, verspricht das Blaue vom Himmel, um ihm zu helfen - und weiß
      doch, dass es nur 'ein weiteres Mal' lügt.
      Klasse letzter Vers.

      Ein schwer verdauliches Werk mit starken Bildern.

      Gern gelesen.

      LG
      Berthold
      Ein großes Stück vom kleinen Kuchen -
      mehr ist es nicht wonach wir suchen.
    • Ich antwortet euch mal beiden zusammen, denn Berthold hat es schon sehr gut und richtig gedeutet.


      Alces schrieb:

      Neon unserer Nacht?

      Ich habe das tatsächlich nachts geschrieben, im Auto, als ich vor dem Krankenhaus gesessen habe. Man kann von der Straße das Zimmer sehen, wo meine Freundin liegt und alles kam mir so unglaublich düster vor.
      Aber es eigentlich ist die Nacht dort taghell, denn das Krankenhaus ist mitten in der Stadt. Jede Menge Reklame, Blaulichter, Straßenbahnen. Irgendwie fand ich, dass es eigentlich die Stimmung konterkarikiert.


      Alces schrieb:

      Klingengewitter - vielleicht Schwerter, Messer?
      Borderline - welche Grenze ist hier gemeint? Schamgrenze? Toleranzgrenze?

      Borderline ist hier wörtlich gemeint, woraus sich dann auch die Klingen erklären. Ich finde übrigens, von allen Krankheiten die ich kenne, diese mit dem besten Namen versehen. Es ist einfach unglaublich passend. Eine fruchtbare Krankheit.


      Berthold schrieb:

      Die letzte Strophe gefällt mir besonders: Das LI steht dem LD zur
      Seite, verspricht das Blaue vom Himmel, um ihm zu helfen

      Ehrlich gesagt war ich mir bei dieser Strophe am wenigsten sicher.
      Die anderen sind sehr organisch und in einem Rutsch entstanden, aber hier habe ich lange herumgeschraubt.
      Aber Du hast recht. Das blaue vom Himmel versprechen passt gut, während man sich selbst ständig fragt, ob man der Sache gewachsen ist.
      Vielleicht ist das auch gar nicht mutig und stark, wie viele immer glauben. Sondern pure Selbstsucht, weil man sich sagt, es dient ja einem guten Zweck.
      Da bin ich noch nicht zu einer abschließenden Bewertung gekommen.

      Danke euch fürs Lesen und Beteiligen.
      LG Yue
      She is the gold at the end of the rainbow
    • Guten Abend Sushan,

      auch mir gefällt dieses Gedicht, es ist sehr gut geschrieben. Aber dieses Thema berührt mich sehr und es war deshalb etwas schwer diese Zeilen zu lesen.
      Ich kann mich nicht so gut ausdrücken, wie meine beiden Vorgänger, aber ich denke, du weißt, wie ich es meine.
      Beim Lesen habe ich Zeile für Zeile Bilder gesehen - die mich in einer gewissen Hilflosigkeit zurück lassen ...

      Herzliche Grüße
      die eiselfe
      Wahre Worte sind nicht immer schön, schöne Worte sind nicht immer wahr

      Was sein wird, wird sein
    • Hallo Sushan,
      ich lese eine Beziehung im Spannungsfeld zwischen (Selbst)Verletzung und Liebe.
      Aber kann man ihr, sich selbst trauen. Scherben sollen ja Glück bringen oder ist das eine Lüge?
      Für mich, trotz aller Hermetik, ein bisschen zu sehr auf Effekt geschrieben, aber das ist wohl Geschmackssache. ;)
      LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • eiselfe schrieb:

      du weißt, wie ich es meine.

      Na klar, wir verstehen uns doch, liebe Eiselfe und ich weiß Deine Worte immer zu schätzen. Danke schön.


      Perry schrieb:

      Für mich, trotz aller Hermetik, ein bisschen zu sehr auf Effekt geschrieben, aber das ist wohl Geschmackssache.

      Nun ja, ein bisschen Hollywood ist der Sache ganz angemessen, Du kennst sie nicht. Borderliner haben einen ausgeprägten Sinne fürs Dramatische und können Dein Leben in Minuten in eine soap opera verwandeln. ;)
      Und ich selbst bin ja auch manchmal eine kleine Dramaqueen, was meine Werke angeht. So ein bisschen Herzschmerz und das ein oder andere Bad in der Melancholie ist irgendwie ganz schön, wie ich finde.
      Danke für Kommen.
      She is the gold at the end of the rainbow
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