Tod des Schneemanns

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    • Tod des Schneemanns


      Weint nicht, Kinder, jammert nicht!
      Klag´ ich denn, dass mein kaltes Herz
      kaum da mich die Himmelsbraut geküsst
      vor ihrem Angesicht für immer schmilzt?

      Die Milch der Weisheit trank ich nie,
      doch war´s mein ew´ger, heil´ger Stolz,
      dass keines Kindes Träne je sollt´ fließen
      um meinetwegen. Dies freut mein müdes Herz.

      Noch hör´ ich euer Lachen, als ihr mich erschuft.
      Mit flinker Hand gabt ihr mir die Gestalt und ein Gesicht,
      und trotz des flücht´gen Augenblickes stolz und kühn
      stand ich auf diesem Platz und wusste, wer ich war.

      Der eis´ge Wind und eine frostig-heit´re Welt
      erblüht aus Eis und Schnee, sie gaben mir die Kraft
      in der Gewissheit der Vergänglichkeit
      und stets das Unabänderliche warm vor Augen,

      für eine Weile noch dem verräterischen Hauch
      des Südwinds die verfließend-kalte Stirn zu bieten.
      Doch nun ist´s aus mit mir. Gerichtet bin ich,
      dem Untergang geweiht. Bald werd´ ich nicht mehr sein.

      Doch klag´ ich nicht, wenn ihr nicht klagt!
      Denn wer unter den Sterblichen ist befugt,
      das Unabänderliche mit kühner Hand zu wenden?
      Auch tut´s nicht Not: Der nächste Winter wartet schon!
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