Das Haus

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    • Das Haus

      Ein Fenster, scheibenlos, in einem schmucklosen Haus. Tiefste Dunkelheit, mit bedrohlichen Wolken. Spürbare, schon fast schmerzende Melancholie und Herzklopfen verursachende Beklommenheit steigt in mir auf. Zum weglaufen! Doch wohin, wohin sollte ich gehen? Irgendwas hält mich fest. Diese Magie, mit der ich den scheibenlosen Rahmen betrachte, ist mir unverständlich. Da ist doch nicht's und bin im Begriff mich abzuwenden. Es läuft mir ein Schauer über den Rücken und ich schaue noch einmal genauer hin. Was ich da sehe ist kaum zu glauben und lässt mich an meinem Verstand zweifeln.

      Es glimmt ein kleines Licht auf, da, ja daaaa auf dem Fenstersims, in der tiefen Schwärze.

      Hell leuchtet es in die Nacht hinaus und mutet wie ein fröhliches Lachen der Kerzenflamme an.





      Die Kerze ist ja gar nicht allein und meine Augen werden immer größer bei dem Anblick von dem bunten Nussknacker und dem kleinen Heer von Zinnsoldaten. Ein Rauchgoldengel mit seinem langen, lockigen Haar steht allein in einer Ecke, mir scheint: Er beobachtet mich!

      Das kann doch nicht sein. Rauschgoldengel kenne ich aus meiner Kinderzeit und weiß genau: Sie sind aus gefaltetem Staniolpapier, der Kopf ist aus Wachs und das Gesicht ist aufgemalt. Also ist nichts mit beobachten. Doch dieser merkwürdige Zauber hält mich gefangen und meine Augen suchen das Fenster weiter ab. Mein Blick bleibt an rotem Lametta hängen, das wie eine Girlande das Fenster schmückt. Wie kitschig, denke ich und will mich kopfschüttelnd umdrehen, da steigt mir ein Duft in die Nase der mich an Oma denken lässt. Printen! Mein längst verstorbene Oma hat immer dieses Lebkuchengebäck gebacken. Nicht genug der Erinnerungen, es versprühen plötzlich Wunderkerzen mir ihre kleinen Sternchen entgegen und Räucherkerzen verströmen den altbekannten Tannenduft.

      Stirnrunzeln stehe ich immer noch, gebannt von der Magie des Unmöglichen vor dem Hausruine, an der ich auf meinem späten allabendlich Spaziergang vorbei gekommen bin. Warum bin ich nicht meine gewohnte Strecke gegangen? Was oder Wer lenkte mich hierher, zu dem alten Haus, das Fenster ohne Scheiben hat?

      Während ich mit nachdenken beschäftigt bin höre ich plötzlich ein Geräusch, das ich nicht einordnen kann. Ein Nervenstreich? Es ist ein leises Wispern, das immer eindringlicher wird und aus vielen Mündern zu stammen scheint: Halleluja! erklingt es swingend im Stil der 20er Jahre. Ach ja -, es ist Advent und seelenwarm erstrahlt das verlassene Haus, in dem ein altes Grammophon aufspielt.

      © Sternwanderer
      Als ich eine Träne weinte
      nährte sie meine Seele
      nachdem ihre Spuren
      getrocknet waren war
      mein Stolz größer denn je.

      © Sternwanderer

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Sternwanderer ()

    • Hallo Sternwanderer;

      Mir kam spontan das Seelenhaus in den Sinn als ich deine Zeilen zu Ende las;
      Das hineinfühlen in die Kindheit, an Geschehen, in Erlebtes.. und sehe das LI in seinem Schaukelstuhl sitzend
      senieren.. über das was war und was einen als Kind behütet und aber auch Angst gemacht hat;
      Die Kerze, die Zinnsoldaten sprechen mich friedlich an, die Geräusche hingegen bedrückend, also ob das LI auf etwas warten würde;
      Natürlich kann ich mit meiner Interpretation voll daneben liegen, ist mir durchaus bewusst;
      Doch sind wir nicht alle irgendwo auf den Weg in die Vergangenheit, gerade an Weihnachten? An das was war und das was uns so beseelt hat? Was uns lachen lies aber auch was unser Herz beengt hat.. ein eintauchen ins Gestern, wohl auch mit dem Wissen das wir heute daran nur nagen können, aber wir nagen gerne an dem was uns geformt und geleitet hat..

      Mfg. Behutsalem
      ©Behutsalem
      Ohne Poesie wäre das Leben ein Irrtum!
    • Hallo Behutsalem,

      ganz recht – ein unstetes Seelenhaus, das eine Zeitreise mit der Protagonisten macht.

      Einer „ungläubigen“ Figur, die plötzlich erkennen muss wie allein und verloren sie im Jetzt ist.

      Ich danke dir für‘s ausgraben meiner ollen Kamellen → dieser kleinen Geschichte und den „Auffälligkeiten“.


      LG Sternwanderer
      Als ich eine Träne weinte
      nährte sie meine Seele
      nachdem ihre Spuren
      getrocknet waren war
      mein Stolz größer denn je.

      © Sternwanderer
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