ÜBER DIE DICHTUNG / ein Interview (neu zusammengefasst)

    • Kritik erwünscht

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    • Holger schrieb:

      Sehr interessant ! Hmm, der Mensch weiß viel, doch das innere Gespinst von Erinnerungen, Urinstikten (Es - Ich - Über-Ich), leitet und lenkt
      uns in einer Weise, die oft unterschätzt wird. - Schon wenn der Versuch erfolgt, den Anfang einer Kausalkette zu finden, die unser Verhalten prägt,
      stößt man auf Schwierigkeiten; und schon sind wir bei der Macht des "dunklen Willens" im Sinne von Arthur Schopenhauers Lehre. - Irgendwo
      im Verlaufe der besagten Kausalkkette, wird demnach jenes "repräsentiert" was Du im Zitat ansprichst. - Ob/das nun der freie Wille durch die Ursachen von Ursachen, die uns unbewußt prägten/ prägen, einer gewissen Lenkung unterworfen ist , kann eigentlich nicht bestritten werden. - "das ist nichts, worüber ich nach Hause schreiben würde" ist demnach gleichbedeutend mit "Das ist nichts besonders" aber die Káusaltät der Beurteilung eines Sachhaltes speist sich aus den Gliedern der besagten Kausalkette... - Deshalb werden Sachverhalte von Menschn so unterschiedlich beurteilt, sofern sie aus dem Bereich von Reflexhandlungen herausfallen. - Das ist die Vernunftbasis von Toleranz und Mitgefühl.
      Ich möchte dem bloß noch eine Idee hinzufügen.
      Wir können aber schon eingreifen in die Erfahrungen (Ursachen von Ursachen), die uns prägen und in gewisser Weise lenken. Auch im Bereich der Reflexhandlungen haben wir Spielräume, die sich erstaunlich weit ausdehnen lassen bei entsprechender Ausdauer und Konzentration. Nicht jeder Mensch, der die gleichen Erfahrungen gemacht hat, hat die gleichen Reflexe in bestimmten Situationen. Nicht jeder, der mal geschlagen wurde, schlägt zurück, wenn er bedroht wird. Ich glaube, wenn wir tief genug in uns schauen, und eben Teil der Kausalkette ausfinding machen und überzeugt sind von einer alternativen Idee, dann können wir sie so tief verinnerlichen, dass sie auch aus unseren Reflexen spricht. Was ich damit kompliziert ausdrücken will: Wir können auch unser Unterbewusstsein beackern - es bleibt aber trotzdem unser Unterbewusstsein.

      Holger schrieb:

      Dies Erlebnis im Zen wiederum ist kein Theorem und auch kein apriorisches Gedankenbild, sondern eine persönliche Erfahrung, die
      tiefer nicht sein kann. - Ich möchte Dir sagen, dass das "weitaus Größere" existent ist, liebe Sushan !
      Dem kann ich nur zustimmen und möchte Sushan damit Hoffnung machen. Allerdings würde ich auch hier gerne eine Kleinigkeit einschieben.
      Solche Erfahrungen kann man auch außerhalb des Zen machen. Wenn man z.B. Texte von manchen christlichen "Mystikern" ließt, ist auch offenbar, dass sie solche tiefen Erfahrungen gemacht haben. (An dieser Stelle sei Jörg Zink genannt) Und auch andere Meditationstechniken wie das Vipassana ermöglichen solche Erfahrungen (wobei dabei nicht die Erfahrung im Mittelpunkt steht sondern die Einsicht). Du selbst erwähnst ja auch "Fragmente der Kultur der Aborigines" als weitere Möglichkeit.
      Meine hier veröffentlichen Gedichte Die Quelle und Tiefer als Worte reichen versuchen, solche Erfahrungen in Worte zu fassen. (Ich kann gut verstehen, wenn man sagt, dass sie zu persönlich sind, als dass man sie öffentlich teilen möchte, ich habe es aber trotzdem versucht)

      Holger schrieb:

      Ja A., wie ich es schon in der letzten Antwort formuliert habe: [...]löst sich das Äußere als Projektion/Illusion des Geistes auf.
      Damit stimmen ich dahingehend überein mit Deinem Gedanken, dass die Realität ein gemaltes Bild des Geistes ist, der in jedem Augenblick neu unsererm Innersten Kern entspringt.
      Die Überwindung der Illusion gelingt uns im Zen oder im Rahmen anderer Meditationsformen (von LSD würde ich abraten^).
      Am Urgrund des innersten Kern finden wir die allumfassende Liebe, die Ursache von Allem ist. - Insofern scheint unser Leben
      auf Erden ein Spielplatz für Erfahrungen und der Wahrnehmung einer dreidimensionalen Welt zu sein.
      Ich glaube, wir reden hier noch ein bisschen aneinander vorbei. Aber das ist nur verständlich. Mit Worten über solche Themen reden zu wollen, ist wie die berühmte Hand, die versuch ein Bild von sich selbst auf sich selbst zu zeichnen. Dass man sich dabei schnell im Kreis dreht, ist ja nur klar. Allerdings würde ich es vorerst erstmal dabei belassen, weil es sonst zuviel wird und es eben auch noch andere und fruchtbarere Zweige unseres Gespräches gibt.

      Holger schrieb:

      Nun, im Idealismus stellte man die These auf, dass die Welt "geistgeschaffen" ist. - Demnach gibt es ohne Geist keine Materie; darauf
      baut meine These auf, dass der Verstand gewissermaßen unfrei ist, weil er durch das ständige Selektieren geistgeschaffener Materie
      gezwungener Maßen focussiert (die Welt wird stets immer nur als Ausschnitt des Ganzen wahrgenommen). - Demnach "tötet" der Verstand durch den Prozess der Wahrnhemung Teile der geistgeschaffenen Welt. - Hinter dem "harten Stoff" stehen also ganz einfache Gedanken, lieber A..^
      Ich dachte immer, das wäre der Konstruktivismus: Die Lehre darüber, dass es keine Außenwelt außerhalb des eigenen Geistes gibt? Ich denke, jeder der sich schon mal ernsthaft einer solchen Idee verschrieben hat, weiß auch, wie unpraktisch sie ist. Wenn man nicht nur im stillen Kämmerlein daran glauben wollte, sondern auch mit Wort und Tat, könnte ja nach belieben destruktiv handeln, z.B. an der Supermarktschlange die Menschen vor einem KO schlagen, um schneller dran zu kommen - schließlich würde das ja nichts anderes bedeuten, als einen bestimmten Gedanken nicht mehr zu denken.
      Also ich denke, man muss der Relativen Welt schon einen gewissen Grad an "Realität" beimessen, wenn man nicht gerade weggesperrt werden möchte. ;) (Auch hier kurz die Erinnerung: Ich glaube wir reden noch von verschiedenen Dingen wenn wir von Wirklichkeit, Realität und Materie sprechen)

      Holger schrieb:

      Hinter dem "harten Stoff" stehen also ganz einfache Gedanken, lieber A..^
      Dass Materie (Masse) und Energie, das gleiche sind, ist ja spätestens seit Einstein anerkannt. Nichts anderes sagt ja die genial einfache Formel e = mc2. Dass auch Gedanken eine andere "Manifestation" der Energie sind, die unserem Willen unterliegt, und wir somit - zumindest theoretisch - dazu in der Lage sind, Energie und somit Masse zu manipulieren oder gar zu erschaffen, ist mir schon öfters begegnet. Aber es ist eben eine Sache, einen Gedanken zu verstehen, und einen andere, ihn auch wirklich zu durchdringen, ihn in sich aufzunehmen und ihn einen Teil des Selbst werden zu lassen.
      Auch würde ich hierbei den Einfluss des Kollektiven Bewusstseins nicht unterschätzen. Ganz so "einfache" Gedanken stecken dann vielleicht doch nicht dahinter? Immerhin gelingt es uns ja kaum, unsere eigenen Gedanken zu kontrollieren oder über längere Zeit zu fokussieren (siehe früherer Abschnitt zur Idee des Guten).


      Später mehr,
      Dichtung heißt, Realität zu Poesie machen und Poesie zu Realität.
    • Holger schrieb:

      Die deterministische Weltsicht wurde zwar Anfang des Jahrhunderts durch die Quantenphysik angegriffen, jedoch nicht in einer für die Willensfreiheitsdebatte relevanten Art und Weise, sodass sie auch heute noch eine ernsthafte Herausforderung für die Willensfreiheitsthese darstellt (Hoefer, 2016).
      Witzig, dass du Quantenphysik erwähnst. Tatsächlich habe ich u.a. an Quantenphysik gedacht, als ich schrieb, dass wir wahrscheinlich die gleichen Erkenntnisse erlangen, ob wir nun in die Tiefen in uns Selbst schauen, oder in die Tiefen des Universums. Du schreibst ja auch selbst "Ist es nicht erstaunlich, dass verifizierte Quantenphysik quasi das bestätigt, was Buddha vor über 2500 Jahren postuliert hat". Ja, das ist faszinierend und erstaunlich*. Aber dann auch wieder nicht. Wenn man davon ausgeht, dass es eine unterliegende Wahrheit gibt und nicht alles wilkürlich und änderlich ist (wobei natürlich die Veränderung auf einer bestimmten Eben die große Konstante ist, aber ich spreche hier von einer anderen Ebene), dann ist es ja nur natürlich, dass diese Wahrheit auch durchscheint - und zwar in allen Facetten des Lebens. Das Universum scheint eine komplexe Maschine zu sein, die auf das Menschliche Denken reagiert.
      Spannend an der modernen Physik ist dabei ja auch das Zusammenhängen von Raum und Zeit. Wie ich vorher schon schrieb, sind sie für mich ein Teil der "relativen Illusion des Getrennt-Seins". Es ist z.B. immer eine schöne Übung, Zeit als mittel zur Kausalität abzulegen (wie es ja auch in einem der Links vorgeschlagen wird): Haben wir Frieden geschlossen, weil der Krieg so grausam war - oder haben wir einen so grausamen Krieg geführt, damit wir Frieden schließen könnten? Welches Ereignis ist hier Ursache und welches Wirkung? Solche "Übungen" finde ich immer schön, um den Geist und die Vorstellungskraft zu lockern und um dem Relativen zu entfliehen. Der nächste Schritt wäre dann, die Trennung der beiden Ereignisse hinter sich zu lassen und damit die Notwendigkeit für Kausalität. Es braucht keine Kausalität, zwischen Krieg und Frieden, wenn Krieg-Frieden eine und das selbe Ding sind - verzerrt durch die Brille von Raum und Zeit. Damit gelingt einem dann auch ein etwas versöhnlicherer Blick auf das Leid. Aber natürlich stellt sich auch hier wieder der Frage, wie praktisch nutzbar solche Sichtweisen sind - man möchte ja nicht die Leute in der Supermarktschlange wegboxen.
      Ich denke, die Kunst es gerade, die verschiedenen Bewusstseins- und Seinsebenen miteinander harmonisch zu verbinden. Vielleicht würdest du hierzu das Buch "Gott 9.0" spannend finden. Darin wird eine Theorie der 8 bzw. 9 aufeinander aufbauenden Bewusstseinsstufen aufgestellt, die sich in Gesellschaft, Intellekt, Emotion und in den verschiedenen Weltreligionen wiederfinden lassen. An der Theorie wird von Menschen aus verschiedenen Kulturräumen gebastelt und hat den Anspruch, global zu sein, aber das von mir genannte Buch beschreibt die Theorie für Menschen aus einem christlichen Kulturraum. Mir selbst ging das Buch zwar nicht weit genug und es hat auch andere Schwachpunkte, aber dennoch konnte ich auch vieles Nützliches darin finden und es hat mein Denken geprägt. Manchmal lese ich ein Buch ein denke mir "Ahja, da war der Autor gerade bei Stufe Blau" oder ich sehe einen Herrn Trump und denke mir "Rot".

      Allerdings bin ich selbst leider völlig ungebildet im Bereich Quantenphysik, Kausalität etc. Daher stelle ich als erstes mal folgende Detailfrage zu dem ganzen Thema (und die bezieht sich dann auch auf das Zitat oben; entschuldige mein Abschweifen): Inwieweit ist die Quantenphysik keine Herausforderung für die Willenfreiheitsthese?

      * Ich weiß noch, ich war sehr erstaunt darüber, als ich von dem Atommodell der alten Griechen laß. Dass sie damals schon dachten, dass alle Materie aus atomaren Bausteinen zusammen gesetzt ist und dass es von diesen relativ wenige verschiedene gibt und sich die wahrnehmbare Materie vor Allem in der Zusammensetzung der "Atome" unterscheidet. Darauf gekommen sind sie nicht beim Beobachten durch Elektronenmikroskope, sondern beim Betrachten von Treibgut am Strand. Wirklich faszinierend.



      Eigentlich wollte ich noch ein paar Dinge anmerken, aber dann hat mich etwas gezwickt und ich habe erstmal über das Gespräch hier nachgedacht mit dem Ergebnis, dass ich mich erstmal zurückhalten werde mit solchen ausschweifenden Antworten. Das war ja schon ein ziemliches Wortvergießen auf dem Turnierplatz der Ideen - und das ist ja auch eine feine Sache. Nur, dass es eben auch ganz schön viel war in kurzer Zeit. Ich möchte mir jetzt erstmal in Ruhe einen Überblick verschaffen über das, was ich geschrieben habe und über das, was ich gelesen habe. Das muss sich erstmal setzen und sowas braucht Zeit. Wenn das in dem Tempo weitergehen würde, würden die Dinge nur verpuffen und das wiederspricht meinem Credo dazu, was ein angemessener Umgang mit anderen Menschen ist.
      Ich werde weiter hier mitlesen und stehe auch gerne für einzelne Fragen zur Verfügung, aber ich möchte definitiv einen Gang oder zwei runterschalten.


      LG,
      A. Akke
      Dichtung heißt, Realität zu Poesie machen und Poesie zu Realität.
    • A. Akke schrieb:

      ich möchte dem bloß noch eine Idee hinzufügen.
      Wir können aber schon eingreifen in die Erfahrungen (Ursachen von Ursachen), die uns prägen und in gewisser Weise lenken. Auch im Bereich der Reflexhandlungen haben wir Spielräume, die sich erstaunlich weit ausdehnen lassen bei entsprechender Ausdauer und Konzentration. Nicht jeder Mensch, der die gleichen Erfahrungen gemacht hat, hat die gleichen Reflexe in bestimmten Situationen. Nicht jeder, der mal geschlagen wurde, schlägt zurück, wenn er bedroht wird. Ich glaube, wenn wir tief genug in uns schauen, und eben Teil der Kausalkette ausfinding machen und überzeugt sind von einer alternativen Idee, dann können wir sie so tief verinnerlichen, dass sie auch aus unseren Reflexen spricht. Was ich damit kompliziert ausdrücken will: Wir können auch unser Unterbewusstsein beackern - es bleibt aber trotzdem unser Unterbewusstsein.
      Du hast natürlich recht mit Deiner klugen Ergänzung: Aus einem gegebenen Grund (Ursache) erfolgt eine gewissen Notwendigkeit, die sich im Handeln und Denken des jeweiligen Menschen manifestiert/widerspiegelt und schließlich zur Ausführung kommt. - Es liegt in der Natut der Sache/des Menschen, dass Ursachen ganz individuell interpretiert werden, so dass ein riesiger Handlungsspielraum, je nach Anlage und Prägung der Person erwächst.
      Es kennzeichnet dioe alternative Idee von der Du sprichst, die uns den Freiheitsrahmen schenkt, der in der Art unserer Existenz möglich ist. - Der eine
      schaut tief, der andere nicht so tief hinein ins Reich der alternativen Ideen: der Kreativität des Lebens.

      Holger schrieb:

      Dies Erlebnis im Zen wiederum ist kein Theorem und auch kein apriorisches Gedankenbild, sondern eine persönliche Erfahrung, die

      tiefer nicht sein kann. - Ich möchte Dir sagen, dass das "weitaus Größere" existent ist, liebe Sushan !

      A. Akke schrieb:

      Dem kann ich nur zustimmen und möchte Sushan damit Hoffnung machen. Allerdings würde ich auch hier gerne eine Kleinigkeit einschieben.
      Solche Erfahrungen kann man auch außerhalb des Zen machen. Wenn man z.B. Texte von manchen christlichen "Mystikern" ließt, ist auch offenbar, dass sie solche tiefen Erfahrungen gemacht haben. (An dieser Stelle sei Jörg Zink genannt) Und auch andere Meditationstechniken wie das Vipassana ermöglichen solche Erfahrungen (wobei dabei nicht die Erfahrung im Mittelpunkt steht sondern die Einsicht). Du selbst erwähnst ja auch "Fragmente der Kultur der Aborigines" als weitere Möglichkeit.
      Meine hier veröffentlichen Gedichte Die Quelle und Tiefer als Worte reichen versuchen, solche Erfahrungen in Worte zu fassen. (Ich kann gut verstehen, wenn man sagt, dass sie zu persönlich sind, als dass man sie öffentlich teilen möchte, ich habe es aber trotzdem versucht)
      O ja, die Möglichkeiten Dinge zu erfahren/zu erleben, die unsere normale Existenz entscheidend übersteigen, sind sehr vielfältig: - Rilke
      geschah so ein Augenblick während eines Spazierganges an den Hängen von Schloß Dino; so wurden die Duineser Elegien geboren.
      Ergänzend zum Thema ein Zitat:

      [...] "....Im ersten Fall, bei San Juan de la Cruz, bedenken wir, daß
      er die höchste Erfahrung erreicht hat, zu der die Seele eines
      Menschen fähig ist - das Erleben von Ekstasen, die Verschmelzung
      einer menschlichen Seele mit der Seele der Göttlichkeit, mit der
      Seele der Gottheit, Gottes. - Als er diese unausprechliche Erfahrung
      gemacht hatte, mußte er sie irgendwie in Metaphern mitteilen. - Da er
      das "Hohelied" zur Hand hatte, nahm er (wie viele Mystiker es taten)
      das Bild der sexuellen Liebe als ein Bild der mystischen Vereinigung
      zwischen dem Menschen und seinem Gott, und er schrieb das Gedicht. "

      Jorge Luis Borges


      Auch Meister Eckhart und Jakob Böhme - zwei Mystiker aus dem christlichen Raum - seien erwähnt.

      Bei entsprechenfder Hingabe führt jede Meditationstechnik zum gleichen Ergebnis: einer Gotteserfahrung.

      Zu Deine beiden Gedichten habe ich jeweils einen Kommentar geschrieben.



      Holger schrieb:

      "Nun, im Idealismus stellte man die These auf, dass die Welt "geistgeschaffen" ist. - Demnach gibt es ohne Geist keine Materie; darauf
      baut meine These auf, dass der Verstand gewissermaßen unfrei ist, weil er durch das ständige Selektieren geistgeschaffener Materie
      gezwungener Maßen focussiert (die Welt wird stets immer nur als Ausschnitt des Ganzen wahrgenommen). - Demnach "tötet" der Verstand durch den Prozess der Wahrnhemung Teile der geistgeschaffenen Welt. - Hinter dem "harten Stoff" stehen also ganz einfache Gedanken, lieber A..^"

      A.Akke:


      Ich dachte immer, das wäre der Konstruktivismus: Die Lehre darüber, dass
      es keine Außenwelt außerhalb des eigenen Geistes gibt? Ich denke, jeder
      der sich schon mal ernsthaft einer solchen Idee verschrieben hat, weiß
      auch, wie unpraktisch sie ist. Wenn man nicht nur im stillen
      Kämmerlein daran glauben wollte, sondern auch mit Wort und Tat, könnte
      ja nach belieben destruktiv handeln, z.B. an der Supermarktschlange die
      Menschen vor einem KO schlagen, um schneller dran zu kommen -
      schließlich würde das ja nichts anderes bedeuten, als einen bestimmten
      Gedanken nicht mehr zu denken.
      Also ich denke, man muss der Relativen Welt schon einen gewissen Grad an
      "Realität" beimessen, wenn man nicht gerade weggesperrt werden möchte. [img]https://www.poeten.org/wcf/images/smilies/wink.png[/img]
      (Auch hier kurz die Erinnerung: Ich glaube wir reden noch von
      verschiedenen Dingen wenn wir von Wirklichkeit, Realität und Materie
      sprechen)

      Antwort:

      Nun, der Konstruktivismus unterliegt eher politischen Erwägungen und beschreibt bei weitem nicht die
      philosoiphischen Tiefen des Idealismus.
      Der Mensch hat sich - insbesondere nach Kants Maxime (dem Kategorischen Imperativ) einem besonderen Regelwerk unterworfen, so dass Gesetze und Richtlinien ethisch und moralisch unsere Gesellschaft prägen. - Daran hält sich jedes (mehr oder weniger) vernünftiges Individuum- schon weil es
      sonst mit empfindlichen Folgen zu rechnen hat.. - Aber klar, die Urmenschen in der Höhle hatten diese Regeln nicht.^- Um aber auf Deine Einlassung zurückzukommen: das die Idee "unpraktisch" ist, ändert ja nichts daran, dass sie möglicherweise wahr ist, wie das Wasser nass ist, auch wenn´s unangenehm ist, wenn es uns mit unerwünschter Kälte übergießt. -
      Aber gewisse "Unbegreiflichkeiten" sind schwer zu fassen. - Hierzu ein Vierzeiler von William Blake:

      "Siehst du in ein Atom,
      und in jedem Atom,
      die ganze Welt,
      so hast du das Unbegreifliche erlangt."


      Später mehr...
      Sieh, das Blau in großer Höhe - alles scheint so schrecklich fern: Sag dir leis: Ich kann, ich sehe! - Freund, dann erreichst du jeden Stern.
    • Liebe(r) A.Akke,

      nun haben wir mit unseren breitgefächerten Gedanken das Thema Dichtung ein wenig verwässert, dennoch hoffe ich, dass der eine oder andere
      ein wenig interessiert war/ist an den Zeilen; ein wenig Hoffnung habe ich auch noch, dass weitere Einlassungen von Lesern folgen werden, die sich auf das Thema Dichtung im Interview beziehen.^
      Aber Dir danke ich ganz besonders für das Ertasten von Wissensregionen, die an den Grenzen des Möglichen rütteln; sehr gern werde ich noch einige Gedanken beisteuern:



      Holger schrieb: Hinter dem "harten Stoff" stehen also ganz einfache Gedanken, lieber A..^

      A. Akke schrieb:

      Dass Materie (Masse) und Energie, das gleiche sind, ist ja spätestens seit Einstein anerkannt. Nichts anderes sagt ja die genial einfache Formel e = mc2. Dass auch Gedanken eine andere "Manifestation" der Energie sind, die unserem Willen unterliegt, und wir somit - zumindest theoretisch - dazu in der Lage sind, Energie und somit Masse zu manipulieren oder gar zu erschaffen, ist mir schon öfters begegnet. Aber es ist eben eine Sache, einen Gedanken zu verstehen, und einen andere, ihn auch wirklich zu durchdringen, ihn in sich aufzunehmen und ihn einen Teil des Selbst werden zu lassen.
      Auch würde ich hierbei den Einfluss des Kollektiven Bewusstseins nicht unterschätzen. Ganz so "einfache" Gedanken stecken dann vielleicht doch nicht dahinter? Immerhin gelingt es uns ja kaum, unsere eigenen Gedanken zu kontrollieren oder über längere Zeit zu fokussieren (siehe früherer Abschnitt zur Idee des Guten).
      Der Umsturz des allgemeinen Weltbildes erfolgt schon aus den Schlussfolgerungen, die das besagte EPR Gedankenexperiment mittlerweile wissenschaftlich bewiesen hat: Nämlich das 1.) alles miteinander verbunden ist, was man der Materie und den Lichtteilchen zuordnen kann
      (die Fernverschränkung der Photonen: Einstein nannte das eine "spukhafte Fernwirkung", die er irrtümlich einer "verborgenen" Variable zuschrieb),
      und das 2.) jegliche Materie vom menschlichen Geist erschaffen wird (das Lichtteilchen kollabiert bei der Messung respektive der Beobachtung durch
      den Menschen in ein Materieteilchen (Doppelnatur des Teilchens)): und so wird aus Lichtenergie Masse - allein durch dem Geist geschaffen, ja, A. ich gebe Dir recht, wir sind quasi alle kleine Götter die fortlaufend (in jedem Augenblick neu) Welten schaffen (Buddha lässt grüßen). - Diese Erkenntnisse der Quantenphysik schockieren Nichteingeweihte ungeheuer, zumal, wenn man sie richtig verinnerlicht hat; und das ist auch für die Dichter, als Beschreiber und Besinger der Welt, äußerst interessant. Die Lehre von den morphogenetischen Felder mögen dieses Thema erweitern:

      sheldrake.org/deutsch/morphische-felder

      Die Rückschlüsse daraus nehmen Bezug auf Dein angeführtes "Kollektives Bewusstsein" lieber A.

      Später mehr...
      Sieh, das Blau in großer Höhe - alles scheint so schrecklich fern: Sag dir leis: Ich kann, ich sehe! - Freund, dann erreichst du jeden Stern.
    • A. Akke schrieb:

      Allerdings bin ich selbst leider völlig ungebildet im Bereich Quantenphysik, Kausalität etc. Daher stelle ich als erstes mal folgende Detailfrage zu dem ganzen Thema (und die bezieht sich dann auch auf das Zitat oben; entschuldige mein Abschweifen): Inwieweit ist die Quantenphysik keine Herausforderung für die Willenfreiheitsthese?
      Nun, lieber A., wir müssen uns mit der verifizierten Unbestimmtheit im Rahmen von Heisenbergs "Unschärferelation" beschäftigen, wenn wir uns dem
      Kern Deiner Frage nähern sollen: Demnach sind auf Quantenebene (und somit in der objektiven Wirkung auch auf der Makroebene) Ort und Impuls nicht gleich. - Wenn also der Impuls eines Teilchen gemessen wird, ist gleichzeit der "Ort " des Teilchens ein anderer. - Die Rückschlüsse aus dieser Feststellung sind so enorm, dass man sich erst einmal "setzen muss", um das Ergebnis überhaupt zu akzeptieren. - Nils Bohr sagte einmal: "Denn wenn man nicht zunächst über die Quantentheorie entsetzt ist, kann man sie doch unmöglich verstanden haben." - Dem ist unbedingt zuzustimmen.

      Aber zurück zu Deiner Frage: Wir müssen ein wenig zurückschauen auf Schopenhauers Denkmodell, dass nach meinem Empfinden im philosophischen Sinne den Sachverhalt am besten erfasst:

      Und so nähern wir uns der Lehre von der doppelten Natur der Welt; hier ist meine Meinung dazu: In der Welt als Vorstellung – also der geistgeschaffenen Erscheinungswelt – gibt es keine Willensfreiheit (weil ja die Willensbildung bereits bewusst oder unbewusst geistig erfolgt ist, was wiederum die "deterministisch festgezurrte" Kausalkette mit einbezieht); in der Welt als Wille – also der objektiven von uns nicht zu erfassenden Welt wie sie wirklich ist – gibt es die Willensfreiheit. Wir Menschen sind ja ein Teil (der Beweger) der Erscheinungswelt, und in diesem Sinne im Handeln unfrei, weil jeder seiner Willensakte kausal determiniert ist. - Jedoch ist er als Ausdruck des Willens als des Dinges an sich, d.h. seinem Wesen nach, frei; und hier schließt sich der Kreis: die Unschärferelation postuliert die Unabhängigkeit des Teilchen von einem Ort: hier ist also Materie nicht an das "Ausgangsblitzen" (den Impuls) gebunden. - Das weist Wege - hin zur absoluten Realität des Seins; was hinter diesem Horizont west und wirkt, wissen wir nicht. Da sich die Willenfreiheitsthese allgemein auf die Erscheinungswelt bezieht, hat in logischer Konsequenz meiner Ausführungen der Mikrokosmos der Quanten keinen Einfluss auf diese Welt, weil dieser peripher der Welt als Wille zuzuordnen ist.

      Ich hoffe, lieber A., dass ich Deiner Frage gerecht geworden bin.. - Vielleicht verspürst Du nun wieder den Antrieb, an dieser Stelle Deine wertvollen Gedanken auszubreiten - es würde mich wirklich freuen.^

      Herzlichst,


      Holger
      Sieh, das Blau in großer Höhe - alles scheint so schrecklich fern: Sag dir leis: Ich kann, ich sehe! - Freund, dann erreichst du jeden Stern.
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