Peripherie des Krieges - Chaos (4)

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    • Peripherie des Krieges - Chaos (4)

      Die nächste Strophe des Liedes. Die vorangegangenen findet der geneigte Leser hier

      Peripherie des Krieges - Oder die Befreiung der Yarra L. (1)

      Peripherie des Krieges - Auftakt (2)

      Peripherie des Krieges - Chor (3)

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      Der Schuss alarmierte das gute Dutzend Männer, welches sich im Gemeinschaftsraum aufgehalten hatte.
      Durch das Fenster sahen sie zuerst den toten Kameraden und dann die beiden Frauen.
      Hektik machte sich breit, Waffen wurden gegriffen und der ein oder andere war kurz verwundert, warum keine Schüsse zu hören waren.
      Die Mauer war immer besetzt, von wenigstens 4 Leuten und...
      Aber es waren nur wenige von ihnen, die überhaupt so weit dachten, denn dafür war keine Zeit. Nicht jetzt.
      Der Lärm aufgescheuchter Soldaten erfüllte den Hof.
      Geräusche von umfallenden oder verschobenen Stühlen, Flüche und harte Stiefel die über den Boden trampelten, bevor die Sirene den letzten Rest Stille zerriss.
      Während so noch der letzte Drückeberger informiert wurde, dass hier etwas überhaupt nicht stimmte, flog die Tür zum Hof auf.

      Daraus ergoss sich der Schwarm schwer bewaffneter Männer, die zuerst auf den Beinen gewesen waren.
      Doch ihr schnelles Reagieren und ihr Mut wurden nicht belohnt, denn kaum waren sie aus der Tür getreten, rauschten die ersten Pfeile heran und streckten sie nieder.
      Das warnte nachfolgende Wärter, die nun plötzlich zurückdrängten und mit jenen zusammenstießen, die von hinten nachrücken wollten.
      Es war ein heilloses Durcheinander.

      Die beiden Engel waren noch einige Meter von der Tür entfernt, als sie die Arme hoben.
      Aus ihren Ärmeln schossen kleine Metallkugeln,„Shatter“ genannt.
      Zunächst surrten sie nur träge dahin, nahmen dann aber schnell mörderische Geschwindigkeit auf.
      Für das menschliche Auge längst zu schnell, konnte man ihre ungefähre Position nur noch an dem leisen Summen ausmachen, dass sie erzeugten. Aber dann war es längst zu spät, um sich noch in Sicherheit zu bringen.
      Als die kleinen Sensoren, in ihrem Inneren, die Annäherung an ein Objekt registrierten, splitterte die Kugelform auf.
      Eine Mikroexplosion schickte nun dutzende von rasiermesserscharfen Scheiben in alle Richtungen aus.

      Die nächste Salve der Shatter durchschlug die Fenster des Aufenthaltsraumes, kaum dass die ersten ihr tödliches Werk vollendet hatte.
      Von dort hatten die nicht ganz so kampfeslustigen, oder schlaueren, Männer begonnen die Engel unter Beschuss zu nehmen.
      Unter ihnen machte sich bereits wildes Entsetzen breit, denn die beiden Frauen wichen den Gewehrsalven gekonnt und beinahe mühelos aus.
      Es schien so, als würden sie, für Bruchteile von Sekunden, verschwinden um wenige Zentimeter versetzt erneut aufzutauchen.
      Nackte Panik griff unter den Soldaten ums sich und die furchtbaren Schreie, aus dem Flur verstärkten diesen Effekt noch.
      Was hier geschah, war unmöglich. Und doch spielte sich das alles direkt vor ihren Augen ab.
      Einige versuchten zu fliehen, während andere sich auf den Boden warfen und Deckung suchten, in der Hoffnung, ihrem Schicksal so zu entgehen.
      Doch es war aussichtslos und sie alle endeten in einer blutigen Wolke, als die Sensoren den Shattern Kontakt meldeten.

      Die Mannschaftsquartiere waren ungeordnetem Aufruhr und heillosem Durcheinander gefangen.
      Einige hatten versucht, durch den anderen Eingang, oder die Fenster zu flüchten, waren dabei aber den Pfeilen zum Opfer gefallen, die mit unheimlicher Präzision und in schneller Abfolge aus dem Nichts zu kommen schienen.
      Andere wollten Hilfe aus der nahen Stadt anzufordern, mussten aber feststellen, dass kein Kommunikationsmittel mehr funktionierte. Die gesamte Elektronik war lahmgelegt und sämtliche Systeme meldeten Fehler.
      Brüllende Offiziere in den Gängen, die verzweifelt den ein oder anderen Gegenangriff auf die Beine stellten und ebenso scheiterten.
      Die Engel wüteten chirurgisch präzise, in einem Sturm aus kaltem Stahl und warmen Blut, durch den Block.


      (Getrennt wegen Zeichenbegrenzung)
      I swear that when our lips touch, I can taste the next 60 years of my life.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Sushan () aus folgendem Grund: Die liebe Formatierung wieder...

    • Am Ende entschieden sich die meisten Männer für die Flucht, in Richtung des Zellentraktes, um dort Schutz zu suchen. An ernsthafte Gegenwehr dachte da bereits niemand mehr.
      Auf dem kleinen Innenhof angekommen, wo die Häftlinge dreimal am Tag zur Zählung antreten mussten, oder ihre Runde drehten, endete es allerdings bereits wieder. Eine eilig heruntergelassene unzerstörbare Schutzwand blockierte den Weg.
      Sie saßen nun in der Falle.Eine hitzige Diskussion wurde geführt, in der es darum ging, sich zu ergeben oder zu kämpfen.
      Am Ende spielte es keine Rolle, denn als die vier Schwestern den Hof betraten, machten sie keinen Unterschied zwischen den Knienden und den Kämpfenden.
      Sie waren gekommen um eine Gefangene zu befreien, nicht um welche zu machen.

      Nachdem die Soldaten kein Hindernis mehr darstellten, standen die 4 Frauen nun, zum ersten Mal seitdem der Angriff begonnen hatte, vor einem wirklichen Problem. Der Einsatz war minutiös geplant, aber dies hier war nicht vorgesehen.
      Diese Wände waren aus einem besonderem Material, welches als unzerstörbar galt und selbst dem Beschuss schwerster Waffen Stand hielt.
      Es war nicht so ungewöhnlich, dass es zum Einsatz kam, aber da es sowohl schwer herzustellen, als auch sehr kostspielig war, erwartete man es kaum in einer Anlage, wie 12-0-47.
      Entweder wurden diese Wände nachträglich eingebaut, oder diejenigen, die den Einsatz geplant hatten, hatten geschlampt.

      Sie konnten natürlich einen anderen Weg hinein suchen.
      Vielleicht hatte der Gegner beim Einbau irgendwo ein Schlupfloch übersehen, oder irgendetwas nicht bedacht.
      Aber Tatsache war auch das ihnen langsam die Zeit davonlief.
      Sie waren unerbittlich durch die Quartiere gezogen und sehr gründlich vorgegangen, um zu vermeiden, dass ihnen jemand in den Rücken fiel, oder entkam.

      Das hatte Zeit gekostet und es war nie auszuschließen, dass sie jemanden übersehen hatten.
      Die Kommunikation war zwar vollständig gekappt worden, aber wer wusste schon, was die verbliebenen Männer, dort drin ausheckten, oder ob nicht jemand von einer anderen Dienststelle versuchte, hier anzurufen und dann misstrauisch wurde, wenn sich niemand meldete.
      Auch zufällig Patrouillen, oder unangekündigte Inspektionen waren nie auszuschließen.
      Die Uhr tickte.

      Der rothaarige Engel war an die Barriere getreten und hatte eine Hand aufgelegt.
      Nach einigen Sekunden kam sie zu ihren Schwestern zurück und nickte.
      So wurde ein stummer Pakt geschlossen und es war klar was sie tun würden.
      Es gab nur den einen Weg und der führte mitten hindurch.
      Während ihre Schwestern Abstand suchten, holte sie nun eine weitere Kugel, aus einer der verborgenen Taschen, ihres Anzuges.
      Sie war anders beschaffen als die Shatter und nicht aus Metall, sondern aus milchigem Glas.
      Nicht mehr als eine gewöhnliche Murmel, es sei denn, in den richtigen Händen und auf bestimmte Art und Weise aktiviert.

      Der rote Engel betrachte sie eine Weile, auf der Handfläche und schloss dann die Augen, um sich zu konzentrieren.
      Die Glasmurmel veränderte sich. Zuerst klärte sich die Eintrübung ein wenig und dann wurde sie durchsichtig.
      Im Inneren erwachte ein zarter rosafarbener Schimmer, der immer heller wurde und schließlich auch noch zu sehen war, als sie die Hand zur Faust ballte und zu einer Wurfbewegung ansetzte.
      So verharrte sie kurz, öffnete dann die Augen und schleuderte die kleine Kugel mit aller Kraft gegen Barrikade.
      Als das gläserne Geschoss, nach kurzem Flug aufprallte, war das Ergebnis zunächst enttäuschend. Es passierte nichts.
      Kurz darauf schien die Realität einen Schluckauf zu haben und dann war es als würde die Sonne explodieren.
      Als die Zeit dann weiter stolperte und das gleißend helle Licht endete, gab es einen gewaltigen Knall und es zerfetzte die Wand in tausend Teile.
      Die Trümmer schienen in der Luft zu schweben und wurden dann brachial in den Raum geschleudert.
      Von drinnen waren Geräusche von umgefallenen oder zersplitternden Gegenständen und zerbrochenem Glas zu hören.
      Danach herrschte kurzzeitig vollkommene Ruhe.

      Der rote Engel verharrte noch immer in seiner Wurfbewegung.
      Das Aktivieren der Kugel erforderte jahrelanges Training und raubte selbst ihren außergewöhnlichen Körpern enorm viel Kraft.
      Bei ihrer Ausbildung kam es immer wieder zu Todesfällen und die Beherrschung der kleinen Glasmurmeln war besonders berüchtigt, für das was die Ausbilder „aussieben“ nannten.
      Die schöne junge Frau wankte, holte hastig und hörbar Luft, während sie um ihr Gleichgewicht rang und versuchte ihren Körper wieder in eine normale Position zu bringen.

      Im nächsten Moment war ein dumpfes Ploppen zu hören und aus dem Gebäude kam etwas Längliches geflogen und landete direkt vor ihren Füßen.
      Sie starrte auf den Gegenstand, der weich wurde und sich auszudehnen begann.
      Unter Aufbietung aller Kräfte versuchte sie irgendwie zu entkommen.
      Aber sie war zu geschwächt und im nächsten Moment war sie bereits hüfthoch eingeschlossen und die weiche Masse war, nur Sekunden später, bereits ausgehärtet.
      Ihre blonde Schwester reagierte als erste und setze sich in Bewegung, um zu Hilfe zu kommen.
      Doch der schwarzhaarige Engel hielt sie zurück und schüttelte traurig den Kopf.
      Sie hatten noch Zeit für einen Blick und einen letzten stummen Abschied.

      Dann setzte das Maschinengewehrfeuer ein.
      I swear that when our lips touch, I can taste the next 60 years of my life.

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