Zwischen Menschen

    • Feedback jeder Art

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Zwischen Menschen

      Ich bin von deinem Wesen

      Vor langer Zeit wurde ich Zeuge meiner eigenen Geburt unter den Menschen. Es war ein erhabenes Gefühl in die Welt zu kommen. Und es waren erhabene Menschen, die mich bei sich aufnahmen und mir Nahrung gaben, um mich gedeihen zu lassen. Es waren nicht die Früchte der Natur, es war die grenzenlose Herrschaft über die Natur, mit der die Menschen mich liebevoll nährten, wie einen der Ihren.

      Aber ich war keiner von ihnen, denn ich lebte fleischlos zwischen ihnen. In ihren Beziehungen zueinander. Und durch die Art meiner Existenz war ich in der Lage, ihnen meine Dankbarkeit zu schenken. Also gab ich einigen Menschen das Gefühl, noch erhabener und großartiger zu sein, als die anderen es bereits waren.

      Im Gegenzug für dieses großartige Geschenk nahm ich mir ein bisschen von dem, was sie alle besaßen, ohne je etwas dafür getan zu haben. Ich nahm ihnen das Gefühl für ihre Zeit. Wohlgemerkt, ich nahm ihnen nicht die Lebenszeit. Ich nahm ihnen nur das Gefühl für ihre Zeit. Ohne zu übertreiben, kann ich behaupten, dass ich es war, der ihnen damit Verstand eingehaucht hat.

      Diejenigen, die daraufhin noch erhabener geworden waren, steckten ein Gebiet ab und warfen sich in die Brust: "Dieser Bereich unterliegt unserer Herrschaft", gaben sie zu verstehen. Und die weniger Erhabenen unter ihnen brummten ihre Zustimmung, oder weinten, oder jubelten, weil diese feste laute Stimme es von ihnen verlangte. Wenn einer so laute Geräusche machen konnte, dann war er ja keine Maus. Dann war er ein gefährlicher Löwe, dem man nicht widersprach, sonst wurde man von ihm aufgefressen. Und wenn jemand die Grenze überqueren wollte, dann musste er sich ja auch mit dem Löwen anlegen. Das gab den weniger Erhabenen das Gefühl von Sicherheit. Aber die Sicherheit existierte nur in ihren Grenzen. Deshalb blieb, wer vernünftig war, einfach am gleichen Ort, wenn er kein Löwe war.

      Die Menschen pflückten von den Bäumen und Sträuchern, wenn die Früchte reif waren. Sie jagten das Wild in ihrem Territorium. Es wurden immer mehr Menschen geboren, weil die Zuversicht gestiegen war, dadurch, dass sie jetzt Grenzen hatten, die auch bewacht wurden. Niemand machte ihnen mehr streitig, was sie in Besitz genommen hatten. Doch bald gab es zu viele Menschen. Deshalb blieben die ersten Bäuche leer.

      Ich wuchs prächtig bei dieser Aussicht. Es war wunderbar.

      Die Menge der Nahrungsmittel war zu gering, um die Menge der Menschen zu ernähren. Deshalb weiteten die Menschen ihr Gebiet aus. Denn dort gab es noch mehr Nahrung. Aber dort gab es auch andere Menschen. Und natürlich existierte ich auch in den Beziehungen dieser Menschen zueinander. Ich existiere auch in den Beziehungen, der sich fremden Menschen. Ehrlich gesagt, dort fühle ich mich sehr wohl, dort fühle ich mich oft gesund.

      Die Erhabensten wählten unter ihresgleichen Anführer, die noch über ihnen stehen sollten. Sie sollten dafür im Gegenzug in ihrer aller Namen mit den Anderen, den Fremden, umgehen, und tun, was getan werden musste.

      Doch die Wandlung vom Erhabenen zum Anführer brachte eine große Verantwortung mit sich. Und überall da, wo Menschen dieser nicht gerecht wurden, sprach die Gewalt in kurzen harten Sätzen, die jeder verstand. Es war mir stets eine große Freude, dem beizuwohnen. Denn in ihr blühe ich auf. Ich blühe in den schönsten Rottönen zwischen den kämpfenden Menschen. Und niemand kann dann noch von mir unberührt bleiben.

      Die Menschen vegrößerten ihr Eigentum an der Natur und dem Boden, für die sie nie etwas getan hatten. Und sie taten es schnell, weil ich ihnen mehr von diesem Gefühl genommen hatte, für das sie nie etwas getan hatten.

      Zum Dank, für die mir entgegengebrachte Verehrung, schenkte ich ihnen einen neuen Gedanken.

      "Wenn wir unseren Herrschaftsbereich nicht immer weiter ausweiten können, weil wir an fremde Grenzen stoßen, die von Stärkeren als uns bewacht werden, dann müssen wir das, was wir zum Eigentum erklärt haben, ertragreicher machen. Dafür brauchen wir Werkzeuge um den Boden zu bestellen und Waffen, um die Fremden fernzuhalten, die uns unser Eigentum wegnehmen wollen, ohne je etwas dafür getan zu haben. Denn sie waren ja nicht dabei als wir unsere Grenzen absteckten. Durch unsere Grenzen wurde der Boden zu unserem Boden. Das war unsere Leistung, nicht die von den Fremden, die mit Hunger zu uns kommen und auch Gewalt anwenden würden, nur um ihre Bäuche zu füllen."

      Die Menschen schufen den Ackerbau und schafften es immer mehr Menschen in ihren Grenzen zu ernähren. Ich will mir nicht auf die Schulter klopfen, aber während ich mit ihnen wuchs, erkannte ich, dass ich alternativlos war. Wer sollte mich ersetzen? Mich, der ich so viel Gutes für die Menschen erreicht hatte.

      Natürlich blieb ich nicht das kleine Kind mit den geringen Ansprüchen. Ich wollte mehr. Und die Menschen wollten, ja, sie brauchten mich. Ich gab ihnen mehr von mir, und nahm ihnen mehr von ihrem Gefühl für Zeit. Sie entwickelten sich rücksichtslos, hoben Heere aus, sie schufen Waffen, sie bohrten Löcher in die Erde und entnahmen, was nicht zu ersetzen war.

      Die Jahrhunderte überdauerte ich, in den Beziehungen der Menschen jeder Generation zueinander. Und wenn die Menschen ihren Planeten letztendlich zerstört haben werden, dann werde ich noch lange danach weiter existieren.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von sepirez ()

    • Hallo sepirez,
      willkommen hier in der Poeten Wg.
      Als Sience-Fiction Fan gefällt mir deine Fantasie zu höheren Mächten, die die Menschen lenken könnten.
      Womit ich meine Probleme habe ist, dass eine solche Macht genau die gleiche Antriebsschwächen haben sollte wie wir Menschen.
      Aber Fantasie ist bekanntlich frei.
      LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • Hallo!,

      danke für das Willkommen und dein geschätztes feedback. Macht ist mit weniger als zwei von einer Art nicht denkbar. Für sich genommen ist sie bedeutungslos. Ich kann deine Interpretation nachvollziehen und auch die Unzufriedenheit darüber. Mir geht es mit unserer heutigen Zeit oft so. Es ist nicht meine Wunschvorstellung, das Menschen der Macht an sich dienen und Fehler wiederholen, obwohl sie es besser wissen könnten. Grauenhafte Vorstellung das Menschen ins All aufbrechen, während sie noch auf der Erde nicht jeden als gleichwertig ansehen.

      Schöne Grüße:)
    • Ich habe mir Deinen Text noch einmal durchgelesen und muss sagen, dass ich mich gestern auf dem Holzweg befunden habe.
      Zuerst dachte ich nämlich an ein unglückliches Kind, welches dann später über sein Werden nachdenkt. Durchaus mit einiger Dankbarkeit, aber eben auch mit einiger Bitterkeit, weil es irgendwie immer etwas außerhalb stand.
      Dieser Eindruck hat sich dann aber später verflüchtigt und es hat dann mehr etwas Religiöses. Wie eine Art Erlöser, der unter den Menschen lebt und sie leitet.

      Trotz allem schwingt immer noch mein erster Eindruck mit. Ich kriege es nicht so ganz gedeutet.
      Muss ja aber auch nicht sein und es verleiht dem Ganzen etwas Geheimnisvolles. Du kannst gern Aufklärung liefern, musst aber natürlich nicht.
      She is the gold at the end of the rainbow
    • Hallo Sushan!,

      vielen Dank für deine Antwort. Dein erster Eindruck trügt dich nicht. Die Frage, die mich beim Schreiben begleitete, war, ob und wie Macht an sich, ein Bewusstsein entwickeln würde, wenn es eine Art Energie ist, die zwischen Menschen fließt. Was sie brauchen würde, um geboren zu werden, dann zu wachsen. Was sie fühlen würde und ob sie auch ohne Menschen noch da wäre. Vielleicht wartend, vielleicht suchend. Dein richtig erkanntes Kind, ist hier die Macht an sich. Aber das war nur meine Intention. Jede Interpretation ist genauso richtig für mich. Und mir wichtig. Vielleicht betrachten einige Menschen Macht tatsächlich als Erlöser? Ich habe mehr Fragen, als ich Antworten bieten kann.

      Schöne Grüße:)
    • Hallo sepirez,




      auch ein herzliches Willkommen von mir! :welcome_yellow:


      Ich finde das Thema und deine Betrachtungsweise hoch interessant!

      Also, ich fange erst mal so an, meine Sichtweise: "diese Energie, die alle Menschen verbindet, nennt sich Liebe und ist eine höhere Macht!"

      "Bewusstsein entsteht durch Schöpfung" -

      Wir kommen alle aus ein und derselben Energie und alles in und um uns herum ist Energie - Sie fließt unsichtbar, aber spürbar!
      Dank des Energieerhaltungsgesetzes bleibt Energie immer erhalten, auch ohne Mensch, denn der Mensch selbst ist nicht dafür verantwortlich, diese Energie fließt durch den menschlichen Körper und macht uns zu lebenden Wesen.


      Liebe Grüße und ein . . .
      Poetry-Ghost :we_yellow:
      "Lächle das Leben an
      und es lächelt zurück"

      "Das Leben
      ist voller wunderbarer Überraschungen,
      wenn man es vom Herzen aus sieht"

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Poetry-Ghost ()

    • Hall Poetry-Ghost!,

      vielen Dank für das Willkommen! Liebe macht den Menschen auf jeden Fall auch machtlos. Aber sie sollte kein allzu großes Gefälle zwischen den Liebenden beinhalten, sonst bleibt Macht für sich und fließt alleine. Bleibt die Energie erhalten, frage ich mich, in welchem Zustand? So wie ein elektrischer Impuls über die Synapsenbahn gefeuert wird um dann durch einen chemischen Prozess verwandelt, auf der nächsten Bahn zu landen, um wieder zum elektrischen Impuls zu werden? Der Zustand dazwischen, wäre der eine eigene Existenzform? Im Beispiel lebt sie dann in einem Spalt. Analog, wäre das Zeit ohne Messung.

      Eine neue Spezies würde ihr dann als nächste Bahn dienen, bis ihre Zeit um ist.

      Danke für die Anregung und dein geschätztes feedback!

      Schöne Grüße:)
      dfgsdfgsdfg

      Beitrag von Poetry-Ghost ()

      Dieser Beitrag wurde vom Autor aus folgendem Grund gelöscht: erledigt ().
    • Hallo sepirez,

      auf deine erfundene Macht will ich gar nicht eingehen. Aber ich lese gerade ein Buch, das den Ablauf der Entwicklung der menschlichen Zivilisation, den Du schilderst, fast ganz genauso schildert, wie Du es tust. Da frage ich mich, ob Du da auch Vorkenntnisse angelesen hast, oder ob das Zufall ist.

      Das Buch heißt: "Das Tagebuch der Menschheit - Was die Bibel über unsere Evolution verrät"; Carel van Schaik und Kai Michel. Erschienen 2016, TB stand in unserer Bahnhofsbuchhandlung. Behandelt am Anfang die Konsequenzen des Übergangs von nomadischen Jäger- und Sammlergruppen zu sesshaften Bauernsiedlungen. Liest sich 1:1 wie deine Schilderung.

      LG

      Ruedi
    • Ruedi schrieb:

      Hallo sepirez,

      auf deine erfundene Macht will ich gar nicht eingehen. Aber ich lese gerade ein Buch, das den Ablauf der Entwicklung der menschlichen Zivilisation, den Du schilderst, fast ganz genauso schildert, wie Du es tust. Da frage ich mich, ob Du da auch Vorkenntnisse angelesen hast, oder ob das Zufall ist.

      Das Buch heißt: "Das Tagebuch der Menschheit - Was die Bibel über unsere Evolution verrät"; Carel van Schaik und Kai Michel. Erschienen 2016, TB stand in unserer Bahnhofsbuchhandlung. Behandelt am Anfang die Konsequenzen des Übergangs von nomadischen Jäger- und Sammlergruppen zu sesshaften Bauernsiedlungen. Liest sich 1:1 wie deine Schilderung.

      LG

      Ruedi
      Hallo Ruedi!,

      Das erwähnte Buch habe ich nicht gelesen. Aber, ich lese viel im internet und nehme vieles auf, was andere zu ihren Texten animierte. Vielleicht haben von denen welche es gelesen. Religiöse Bücher lese ich auch eigentlich gar nicht. Das letzte Buch, das ich gehört habe (Hörbuch) war Der Fremde von Albert Camus. Dazu schreibe ich derzeit auch etwas und das ist dann wirklich direkt auf das Werk bezogen. Obwohl meine Schlussfolgerung immer mit noch mehr Fragen endet. ?(

      Trotzdem danke für den Hinweis.


      Schöne Grüße:)

      EDiT: Ich habe in meinenn Leselisten gestöbert und fand dort unter den gelesenen Büchern "Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuvel Noah Harari. Erschienen 2013 in Deutsche Verlags Anstalt". Ich schätze, dass ich auch davon inspiriert wurde. Ich habe mir dein Buch angesehen und kann dem ersten Eindruck nach nicht viel Ähnlichkeit feststellen. Vom Sammler zum Ackerbau zum Krieger ist einfach die logische Entwicklung. Mehr ist das nicht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von sepirez ()

    [ Die Gedichte, Geschichten und weiteren Werke, sind geistiges Eigentum der jeweiligen Autoren. ]



    © 2018 Poeten.org - Dichter und Denker Portal - All rights reserved.