Das Lyrische Ich - Eine kleine persönliche Abhandlung

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    • Das Lyrische Ich - Eine kleine persönliche Abhandlung

      Das Lyrische Ich - Eine kleine persönliche Abhandlung

      Hallo LI !
      Die Würde des Menschen ist unantastbar.
      Also: Ich brauche Dich nicht.
      Es heißt, Feiglinge glauben nicht an die
      Wahrheit. Hm: Was ist dann die Wahrheit?
      "Wahr sind nur die Erinnerungen, die ich in mir trage,
      die Wünsche, die ich spinne und die Sehnsüchte,
      die mich treiben - damit will ich mich bescheiden."
      Meine Wahrheit sagt mir: Ich kann sein, wer ich in
      Wahrheit sein will.

      Ich möchte beim Schreiben so gut es geht deutlich
      machen, dass der Leser davon ausgehen darf,
      es mit mir zu tun zu haben - anstatt eines erdachten Ich.
      Ob ich jemals bewusst ein Lyrisches Ich verwenden werde?

      Ich weiß es nicht - ich habe jetzt weniger das Bedürfnis
      nach Schutz und je älter ich werde, desto mehr, so bemerke
      ich, nimmt mein Schutzbedürfnis ab - im Gegensatz zu
      meinem Verlangen nach Liebe und dem Liebe geben,
      an dessen steten Vorhandensein sich bis zu meinem
      Tod hoffentlich nichts ändern wird.

      Ich meine, dass vollkommenste Gedicht ist jenes,
      bei dem ich kein Verlangen nach Deutung oder gar
      Bewertung verspüre, es fraglos in mich aufnehme,
      mich an ihm erfreue und daran wachse.
      So zu schreiben, danach will ich gern streben.

      LI, Du würdest mir all das in Frage stellen und
      den Zweifel in mir hegen - das will ich nicht.

      Verstehen heißt, im anderen ein Stück
      von sich selbst zu erkennen.

      Martin
    • Martin Heide schrieb:

      Meine Wahrheit sagt mir: Ich kann sein, wer ich in
      Wahrheit sein will.

      Das klingt mir sehr nach "in sich ruhen". Bis zu einem gewissen Grad ist das sicherlich machbar und ich strebe selbst danach.
      Leider kommt man dennoch nicht umhin, sich hier und da mehr anzupassen, als man es eigentlich möchte. Das ärgert mich oft, zeigt aber, wie unglaublich gut das System konstruiert ist, welches wir Gesellschaft nennen.
      Normen und Werte die bestehen und auch benötigt werden. Was auffällt ist nur zeitweise deren Dehnung und die Doppelmoral, mit der diese bisweilen ausgelegt werden.
      Viele davon sind gut und richtig und da sind wir alle auf einem guten Weg. Andere sind nur geheuchelt und gelten nur solange, wie sie nicht allzu frei sind und damit gefährlich werden.
      Der Mensch scheint Angst vor Freiheit zu haben.


      Martin Heide schrieb:

      Ich möchte beim Schreiben so gut es geht deutlich
      machen, dass der Leser davon ausgehen darf,
      es mit mir zu tun zu haben

      So geht es mir auch, aber manchmal frage ich mich, ob das so gut ist.
      Ich glaube ja, man spürt es, wenn jemand da wirklich sein Herz öffnet. Derjenige muss dann aber auch ein dickes Fell haben, es kommt nicht immer gut an.
      Weißt Du ja selbst.
      Die Menschen werden manchmal ungern herausgerissen, aus ihrer comfort zone, die sie um sich selbst errichtet haben.
      Mir fällt das manchmal bei politischen oder Gesellschaftlichen Themen auf, wo es dann heißt "Das will ich nicht hören..".
      Wahrheit ist unbequem und sogar schockierend manchmal.


      Martin Heide schrieb:

      sich bis zu meinem
      Tod hoffentlich nichts ändern wird.

      Ich glaube, da stehen die Chancen gut für Dich. ;)


      Ein schöner Text, der mich sehr zum Nachdenken angeregt hat!
      I swear that when our lips touch, I can taste the next 60 years of my life.
    • Sushan schrieb:

      Der Mensch scheint Angst vor Freiheit zu haben.
      Es gibt nicht die eine Freiheit, jeder hat ein anderes Verständnis von ihr. Ich glaube, ein dickes Fell schützt, aber es hindert mich auch daran, mutig an die eigene Freiheit zu glauben.

      Sushan schrieb:

      So geht es mir auch, aber manchmal frage ich mich, ob das so gut ist
      Ja, es ist gut. Wenn Du vor dem Spiegel stehst und Dich fragst, bin ich mir selbst treu geblieben, kannst Du mit JA antworten.
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