Vergeblich

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    • Was immer nun in diesem Leben
      ein Mensch erschafft ist gerad so eben
      und mit viel Mühe und Goodwill
      ein blankes, bloßes Nichts

      Es kann ja sein, daß er Heere bewegt,
      Nationen vereint und vor Gott besteht.
      Ragt er heraus, wird er eine Spur hinterlassen,
      die das All dann leis verweht.

      Ich befürchte, wir sind ganz einfach zu klein.
      Was wir taten weigert sich, mit uns zu sein.
      So gehen wir sehend unerkennend
      blind aufhorchend stumm vorbei.

      All uns’re Träume nimmt das Universum
      nicht zur Kenntnis und bleibt stumm.
      Wir gehen unbemerkt unsere Wege
      ins Vergessen und nicht sein.

      Und dabei
      bin ich noch nicht mal depressiv.
      © Rüdiger Jess

      Verwendung der Texte nur nach schriftlicher Zustimmung des Rechteinhabers


      In Wirklichkeit ist die Realität ganz anders! 8)
    • Hallo Ruedi,
      über die Bedeutung des Menschen im großen Gefüge der Natur und eventuell höheren Mächte nachzudenken, führt selten zu einem befriedigenden Ergebnis. Entweder ordnet man sich unter bzw. ein oder wird depressiv.
      Was die Spuren einiger sogenannter großer Menschen oder solcher, die sich dafür halten anbelangt, sind nur ganz wenige vom All aus zu sehen (Chinesische Mauer etc.).
      Zum Glück findet der Mensch aber auch andere Möglichkeiten Sinn und Glück im Leben zu finden.
      Gern Mitphilosophiert und LG
      Perry
      Es ist nett wichtig zu sein, aber viel wichtiger nett zu sein.
    • Hallo Ruedi - mir gefällt die angesprochene Thematik sehr, da es nebst Gedanken auch die Philosophie etwas piekst.

      Ruedi schrieb:

      Es kann ja sein, daß er Heere bewegt,
      Nationen vereint und vor Gott besteht.
      Ragt er heraus, wird er eine Spur hinterlassen,
      die das All dann leis verweht.

      ... oder sogar Gott selbst ist.

      Egal, wie groß, mächtig, intelligent, besonders jemand scheinen mag oder ist - alles und selbst die Erinnerungen sind temporärer Natur entsprungen.

      Dieses durch deine Worte gezeichnete Bild, Empfinden spricht mich besonders an.

      Ruedi schrieb:

      Ich befürchte, wir sind ganz einfach zu klein.
      Was wir taten weigert sich, mit uns zu sein.
      So gehen wir sehend unerkennend
      blind aufhorchend stumm vorbei.

      Hier bin ich mir noch nicht sicher, was genau ich loswerden mag - zumindest nichts Negatives. ^^
      Vielmehr die Frage, ob wir gänzlich Schuld haben oder nur zum Teil oder gar nicht, da das Schicksal - eine Aneinanderreihung von Zufällen - vorherbestimmt ...

      Ruedi schrieb:

      Und dabei
      bin ich noch nicht mal depressiv.

      Klingt nicht nur wie die Beschreibung eines Zustands - man sei nicht depressiv - sondern für mich auch etwas wie: "Ich habe noch nicht mal wirklich richtig angefangen!"
      Mit freundlichsten Grüßen
      Irithyll

      Es war in unseres Lebensweges Mitte,
      Als ich mich fand in einem dunklen Walde;
      Denn abgeirrt war ich vom rechten Wege
      Die Göttliche Komödie - Erster Gesang
      ________________________________________________

      Während das Leben an dir vorbeizieht - farblos und in sich zerfallend - merkst du, dass du glücklich wirst.
    • Hallo und vielen lieben Dank an alle, die sich mit diesem Text beschäftigt haben. Vielleicht noch ein paar Worte dazu von meiner Seite:

      Der Grundgedanke, der diesen Zeilen als Basis dient ist, dass nichts dauerhaft bleibt, wie es ist. Das gilt ja schon für Meere, Kontinente und Berge (im erdgeschichtlichen Maßstab), wieviel mehr noch für menschliche Werke und menschliches Gestalten. So wie die Dinosaurier ausgestorben sind und nach ihnen die Mammuts und die Dodos und viele Tiere mehr, so werden auch wir als Spezies irgendwann vergehen.

      Als Individuum natürlich noch viel schneller.

      Und nach unserem individuellen kleinen Tod, werden von uns genau zwei Dinge bleiben:

      1. Was man von uns erzählt - mündlich oder schriftlich, oder was wir selbst schriftlich hinterlassen haben. Und diese Zeit ist nur für wenige länger als die Lebensspanne ihrer Kinder. Für Leute wie Goethe, Schiller, Heine und Shakespeare natürlich. Aber was wissen wir von den vielen Handwerkern aus Hannover oder Hintertupfingen, die zu Millionen in den letzten 1000 Jahren und davor gelebt haben - nichts. Nichts persönliches und individuelles jedenfalls.
      Selbst jemand wie Helmut Kohl ("Nationen vereint") oder Konrad Adenauer wird irgendwann vergessen werden. Wer kennt heute die Geschichtsbücher der alten Ägypter? Welche Vorstellungen haben wir von den berühmten Namen wie Tut-Ench-Amun oder Ramses (oder Moses) als Menschen? Was ging an Wissen und Überlieferung verloren, von dem wir nicht einmal etwas ahnen? Wie klang die Sprache Latein als Cicero oder Cäsar sie sprachen? Wir werden es niemals wissen. Welche Helden waren in den 4000 Jahren der Geschichte Chinas wichtig - und wer kennt diese?

      2. Falls wir Kinder gezeugt haben, wird ein Teil unserer Gene in unendlicher Rekombination so lange weiterleben, wie unsere Nachfahren weiterhin Kinder zeugen. Hört das auf, ist für dieses spezielle Erbgut Schluss. Unwiederbringlich gelöscht.

      Kann sein, dass der Name Helmut Kohl in 200 Jahren durch Überlieferung noch ein Begriff ist. Aber irgendwann wird damit Schluss sein. Dieser Gedankengang liegt dem Text zu Grunde.


      Perry schrieb:

      Zum Glück findet der Mensch aber auch andere Möglichkeiten Sinn und Glück im Leben zu finden.
      Genau. Nach dem oben erwähnten Ruhm, der Unsterblichkeit durch Überlieferung, muss man nicht streben. Wenn er sich "zufällig" selbst ergibt, o.k. Aber man darf sein Lebensglück nicht daran aufhängen. Sonst müssten wir alle Filmstars oder Einsteins oder Shakespeares sein wollen. Und dann ist es nunmal so, dass Wettbewerb mehr Verlierer als Gewinner generiert. Oder jeder bekommt nur 5 Minuten Ruhm. Das Publikum ist limitiert.


      karlo schrieb:

      Ich bin seit Anbeginn durch Geist erschaffen und habe keinen Anfang und Ende. Wenn mein Körper stirb, sich auflöst in andere Formen, jedoch nichts geht verloren die Materie wandelt sich in andere Zustände. Der Geist geht nicht verloren er dauert ewig. Die Seele geht ein in eine andere höhere Dimension,
      Ich habe keine Ahnung, ob Du Recht hast. Ich bin nach gewissen religiösen Erfahrungen mit der Zeit zum Agnostiker geworden. Nicht zum Atheisten, wohlgemerkt. Ich bin mir aber ziemlich sicher: Solltest Du nicht recht haben spricht viel dafür, dass Du es niemals merken wirst.

      "Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr." - Epikur von Samos, Brief an Menoikeus, 125

      Danke für eure Beiträge und euer Interesse

      Ruedi
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