Der König der Wertlosigkeit Akt 3-2

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    • Der König der Wertlosigkeit Akt 3-2

      [list=1] 7. Auftritt Imitat
      [/list]Das Licht geht an und Cecilé steht in der Mitte eines riesigen, grauen Raumes, dessen Wände und Boden aus Beton bestehen. Sie sieht sich um, doch findet keine Fenster. An der Wand vor ihr sitzt ein glatzköpfiger, extrem dürrer, blasser Mann mittleren Alters. Er wirkt abwesend und sein Blick führt ins Leere. Langsam hebt er den Kopf.

      Imitat: Oh, du bist es...sogar früher, als ich dachte ehrlich gesagt.
      Wie geht es dir?
      Cecilé: Geht so...Und du bist die Hand, von der alle reden?
      Imitat: Ach, reden sie über mich, ja?
      Cecilé: Allerdings und sie erzählen nichts Gutes!
      Imitat: Naja, wer weiß schon wirklich, was gut ist? Das hängt schließlich immer davon ab, was man für Erfahrungen gemacht hat.
      Cecilé: Du siehst irgendwie... schwach aus.
      Imitat: Und dennoch hören sie alle auf mich! Ist das nicht seltsam?
      Cecilé: Seltsam ist, warum sie dich große Hand nennen...Du bist doch ein ganzer Mensch, oder nicht?
      Imitat: Nicht jeder, der sich Mensch nennt ist auch einer...
      Cecilé...
      Cecilé: Was denn?
      Imitat: Du hast mich ein wenig enttäuscht. Ich dachte du hättest mehr, naja...
      mehr Weitsicht!
      Cecilé: Ich weiß, dass ich aufpassen muss! Versuch es gar nicht erst!
      Imitat: Was versuche ich denn?
      Cecilé: Mich zu verwirren!
      Imitat: Nein, nein.... Aber du musst zugeben, dass all diese, wie soll ich sie nennen? Figuren! Das all diese Figuren mehr als seltsam sind, nicht wahr?
      Cecilé: Ja...schon, aber...
      Imitat: Die Stehlampe zum Beispiel! Sie hat so viel Potenzial und nutzt es nicht!
      Cecilé: Weil du es ihr verbietest!
      Imitat: Falsch! Sie hatte die Chance, sie hätte sich einfach mal anstrengen müssen! Jeder kann was erreichen, wenn er nur etwas dafür tut.
      Cecilé: Und wenn er sich anstrengt und trotzdem nichts erreicht?
      Imitat: Na, dann hat er schlicht zu wenig getan!
      Cecilé: Oder vielleicht nie wirklich die Chance gehabt?...

      Der Mann verbessert seine Sitzhaltung und sieht Cecilé nun tief in die Augen.

      Imitat: Was ist mit der Tür?
      Cecilé: Was soll mit ihr sein? Sie ist asozial! Sie will sogar, dass ich mich ausziehe! (empört)
      Imitat: Aber hat sie nicht auch das Recht ihre Position zu nutzen?
      Schließlich hat sie viel dafür getan, denn sie trennt die Räume, vergiss das nicht!
      Cecilé: Sie muss sie aber nicht ausnutzen!
      Sie hat den Einfluss doch schon, warum muss sie den ausschließlich für ihren Vorteil verwenden?
      Imitat: Für wessen Vorteil denn sonst?


      Cecilé: Na, für den der Lampe zum Beispiel!
      Imitat: Was interessieren die Tür denn die Probleme der Stehlampe?
      Cecilé: Sie hat die Macht, die Probleme zu lösen, also sollte sie es auch tun!

      Nachdem Cecilé ihren Satz beendet hat, steht der dürre Mann langsam und sichtlich angestrengt auf. Er schaut Cecilé weiterhin tief in die Augen.

      Imitat: Jeder ist sich selbst der Nächste. Weißt du, jeder von ihnen hätte wie ich sein können!
      Cecilé: Auch der Schuh? Ohne ihn wärst du gar Nichts!
      Imitat: Ach, dieser jämmerliche Schuh hat von mir sogar ein Regal bekommen! Er wird von mir sozusagen fürstlich entlohnt...
      Cecilé: Fürstlich? Du behandelst ihn, wie Dreck.
      Er verdient viel mehr, als du ihm gibst!
      Imitat: Lächerlich...Er verdient bereits, was er verdient.
      Die Acht und der Arbeiter meckern nicht so rum, wie deine Versagerfreunde! Das sind die wahren Helden unserer Zeit!
      Cecilé: Ein Held hilft anderen, nicht sich selbst...

      Der Mann kommt ihr mit schweren Schritten entgegen.

      Imitat: Und zu guter Letzt, dein dämlicher König...
      Abfall der Gesellschaft, ein Träumer!
      Cecilé: Ein Traum kann für die Welt ein Anstoß sein.
      Imitat: Und wer nicht träumt, der hat keine Visionen... bla...
      Du bist eine Schande, Cecilé...

      Während er dies sagt kommt er immer schneller auf sie zu. Cecilé weicht ängstlich zurück.

      Imitat: Cecilé....(Pause)

      Er bleibt stehen

      Imitat: So unwirklich, wie diese Welt, ist auch das Verhalten der Bewohner...Ich bin nicht die Hand, Cecilé...

      Der alte Greis steht direkt vor ihr und schaut noch ein letztes Mal in ihre Augen, dann fällt er rückwärts zu Boden. Cecilé bricht weinend zusammen.

      Cecilé: Ich komme hier nie wieder weg..
      Ich will nach Hause...

      Der Körper des Imitats bewegt sich und richtet sich langsam auf. Cecilé hebt ihren Kopf und sieht den König vor ihr stehen.
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